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Redebeitrag für den Ostermarsch in Ingolstadt am 4. April 2026
- Sperrfrist: 4. April, Redebeginn: ca. 11 Uhr -
- Es gilt das gesprochene Wort -
Liebe Ingolstädterinnen und Ingolstädter, Ihr alle, die ihr zu diesem Ostermarsch gekommen seid.
Zunächst gebührt Euch große Anerkennung, denn Ihr seid nicht im Trend. Für etwas zu stehen, ja sogar auf die Straße zu gehen, was gar nicht mehr gehört werden soll, was verlästert wird, das kostet Mut. Ich danke, denn es tut einfach gut zu sehen, dass man nicht allein ist.
Geht es Euch auch so: Man reibt sich die Augen und denkt: Das kann es doch nicht geben, das kann doch nicht wahr sein!
Nachdem unschuldige Menschen das maßlose Unheil des Ukraine-Krieges seit Jahren erdulden müssen, bricht ein anderer Machtbesessener einen weiteren Vernichtungskrieg vom Zaun, entzündet zusammen mit weiteren verantwortungslosen Politikern einen Flächenbrand und - unsere deutsche Regierung ist voll vornehmer Zurückhaltung. Völkerrechtsbruch – das Wort wenden wir besser bloß für die andere Seite, für die Bösen an. Waffenlieferungen nach Israel und die gesamte Golfregion: alle Beschränkungen werden abgerissen, jetzt, wo Mord und Zerstörung eben dort in vollem Gang sind. Haben wir uns verhört? Nein: Beschluss der dt. Regierung vom 26. März 2026. Kann es das geben?
Und kann es wirklich sein, dass Kommentare zu Kriegen sich nur an einem Kriterium ausrichten: Was ist deutsches oder europäisches Interesse. Als ginge es nicht um Menschen, um Schicksale, um unendliches Elend unserer Mitmenschen?
Kann es denn sein, dass Geflüchtete ohne Aufenthaltsgenehmgung 18 bis 24 Monate in Lagern eingesperrt werden, irgendwo, ohne Perspektive, um der Bevölkerung im Inland die Botschaft zu senden: Wir gehen hart vor und wollen abschrecken.
Gerade dieses letzte Beispiel zeigt, dass wir hier bei uns in unserem wunderbaren Europa inzwischen von allen guten Geistern verlassen sind. Nachweislich kostet jede einsperrte Person in diesen ausländischen Abschiebelagern fünfmal so viel, wie sie sonst kosten würde, davon abgesehen, dass viele dieser Personen sogar seit Jahren gearbeitet hatten. Der Abschreckungseffekt für jene Verzweifelten, die irgendwo in Asien oder Afrika nicht mehr weiter wissen, ist mehr als unwahrscheinlich. Das Experiment Albanien – Italien scheitert laufend an Gerichtsurteilen, die ihm in die Speichen greifen und was tut die EU: Man ändert die europäischen Gesetze, um das Verfahren zu legalisieren. Wie weit geht der Wahnsinn und die Menschenverachtung noch? Wem nimmt man als nächstem seine Menschenrechte? Welche Gesetze ändert man als nächstes, um der AfD Stimmen abzujagen.
In Israel hat man eben die Todesstrafe per Standgericht ausschließlich für Palästinenser eingeführt. Das ist vielleicht eine Antwort auf die Frage nach der fortschreitenden Entrechtung.
Ich bin leider noch nicht fertig: Wir haben vor längerer Zeit gehört, dass wir kriegstüchtig werden müssen. Das war Schritt 1. Die nächste Aufklärung folgte auf dem Fuße: Wir sind gar nicht mehr im Frieden! Das nämlich ist der Grund, warum man nun Vernunft und Humanität aushebeln kann: Wir sind im Krieg. Und ein folgsames Volk gewöhnt sich an neue Verhältnisse und richtet sich in dem Bewusstsein des Kriegszustandes ein. Sogar die beiden großen Kirchen, zu ihrer Beschämung sei es gesagt, richten sich ein und haben ein Papier zur Seelsorge im Krieg aufgesetzt, wie man Massen von Toten beerdigt etc. Über ALTERNATIVEN wird nicht nachgedacht.
Meine lieben Zuhörer und Zuhörerinnen, natürlich hat es keinen Sinn, den Kopf in den Sand zu stecken und zu tun, als wäre alles wie in guten alten Zeiten. Aber Sie werden es tagtäglich merken, dass die Kriegsbereitschaft und die Kriegstüchtigkeit in Deutschland tatsächlich in hohem Maße steigen, dass wir uns an den Gedanken gewöhnen und dass gewisse Kreise im Heroismus-Wahn schweben. Es kann nicht lange dauern, dann werden wir in unserem hochgerüsteten, auf Kriegswirtschaft umgestellten Land mit den Hufen scharren und denken: Wann geht es denn endlich los! Damit male ich nicht schwarz, sondern das ist schlankweg Psychologie und Erfahrung aus dem 1. WK.
Die Bundeswehr will uns einreden, nur das was sie macht, würde zählen – welche verantwortungslose Irreführung unserer Jugend. Ich frage mich und ich frage die Eltern unter uns: Haben wir es versäumt, der jüngeren Generation zu vermitteln, was dem Leben wirklich Sinn gibt?! Nach meiner Auffassung – und es ist meine christliche Auffassung, damit halte ich gar nicht hinter den Berg – ist es nicht süß und ehrenvoll, für das Vaterland zu sterben, wie die alten Römer predigten. Aber die Sache hat ja eine andere Seite: Keiner zieht in den Krieg, um selber süß zu sterben, sondern um andere Menschen umzubringen, und zwar möglichst viele.
Genug mit den Schreckensbotschaften. Wir sind hier, und das ist sehr gut!! Wir sind noch nicht der Droge Krieg und dem Wahnsinn der Gewalt verfallen. Wir geben uns die Hand und sind stark, weil wir wissen, dass das Leben zählt, nicht der Tod oder schon gar das Töten, dass es besser ist Unrecht zu leiden, als Unrecht zu tun. Wir stehen für diese positive Überzeugung für Leben über alle gesellschaftlichen Grenzen hinweg. Wir stehen für Gerechtigkeit und Lebensrecht für alle, ob sie uns genehm sind oder nicht, ob In- oder Ausländer, ob Freund oder Feind. Wir wollen nicht in Egoismus begraben sein. Wir wollen keinen Heroismus, kein Vaterland als Ersatzreligion, keinen Hass gegen andere als Selbstaufwertung. Lass uns damit anfangen, bei uns selbst, in unserem Alltag, im Umgang mit unseren Mitbürgern. Der Funke der Überheblichkeit, Feindseligkeit, der Menschenverachtung darf nicht auf uns überspringen. Wir wollen Frieden, lass uns Friedfertigkeit lernen.
Irmgard Scheitler ist aktiv bei Pax Christ.