Die neue Ausgabe des unserer Zeitschrift FriedensForum ist mit dem Schwerpunkt "Afrika: Kriege jenseits des Scheinwerferlichts" erschienen. Gerne senden wir dir ein kostenloses Probeexemplar zu!
Redebeitrag für die Ostermarsch in Emden am 4. April 2026
- Es gilt das gesprochene Wort -
Liebe Mitstreiterinnen und liebe Mitstreiter,
liebe Passantinnen und liebe Passanten,
ich freue mich, heute hier mit Euch in Emden beim Ostermarsch für den Frieden und gegen Krieg und Aufrüstung zu demonstrieren.
Angesichts der aktuellen Kriege, der steigenden Kriegsgefahr und der wahnsinnigen Aufrüstung und Militarisierung in der BRD ist es umso wichtiger, dass wir heute hier protestieren! Hier in Emden, wo der Hafenzur Drehscheibe der Bundeswehr werden soll und wo womöglich ein neuer Marinestützpunkt errichtet wird!
Und wir sind nicht allein – heute finden rund 70 Aktionen bundesweit statt! Tausende gehen heute auf die Straße! Und auch in Neapel demonstrieren heute hunderte gegen den Krieg und die Aufrüstung!
Liebe Mitstreiterinnen und liebe Mitstreiter,
Deutschland ist inzwischen zum viertgrößtem Waffen-Exporteur weltweit aufgerückt – nach den USA, Russland und Frankreich und vor China.
Deutsche Waffen, deutsches Geld, morden mit aller Welt!
Die Waffen aus Deutschland werden in der Ukraine eingesetzt, seit vier Jahren herrscht dort Krieg nachdem Russland einmarschierte, und die Bundesregierung befeuert mit stetigen Waffenlieferungen den Krieg, statt sich für Diplomatie und Frieden einzusetzen. Dabei bringt der Krieg Tod und zerstört das Land, verseucht den Boden, vergiftet die Luft und über viele Kilometer bedecken mittlerweile die übriggebliebenen Glasfaserkabel eingesetzter russischer und ukrainischer Drohnen ganze Felder und Wälder und decken ganze Dörfer in schimmernde, dünnfädige Netze aus diesen Kabeln ein. Die Ukraine ist ein Labor für neue Kriegstechnologien, ein showroom der Rüstungsindustrie, die profitiert. Und die Menschen in der Ukraine? die verlieren.
Leibe Mitstreiterinnen und liebe Mitstreiter,
Die Waffen aus der BRD werden auch in Gaza eingesetzt, Deutschland ist zweitgrößter Waffenlieferant an Israel, obwohl der Internationale Gerichtshof es bereits im Januar 2024 für plausibel hielt, dass Israel in Gaza einen Völkermord verübt, obwohl der internationale Strafgerichtshof Haftbefehle gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu und den ehemaligen Verteidigungsminister Yoav Gallant wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit erließ!
Gaza ist zerstört, die Gewalt des Militärs und der Siedler in der Westbank nimmt stetig zu, ganze palästinensische Dorfgemeinschaften werden durch sie terrorisiert und vertrieben, der Knesset hat die Todesstrafe nur für Palästinenser eingeführt, das israelische Militär hat zusammen mit den USA den Iran angegriffen, bombardiert den Libanon und vertreibt die Menschen im Süden des Landes. Erst gestern Nacht kam zu neuen Luftschlägen gegen Beirut. Mehr als 20% der Bevölkerung im Libanon wurden vertrieben und wissen nicht, wo sie Sicherheit finden können. Ein Teil ist nach Syrien geflohen, doch viele übernachten am Straßenrand in Zelten, auf Matten oder in ihren Fahrzeugen. Schulen dienen als Unterkunft für die Geflüchteten. Die UN berichtet von vertriebenen Frauen, die in ihrer Not am Straßenrand gebären. Und die deutschen Waffenexporte? Sie gehen weiter!
Mit dem Krieg in der Ukraine verabschiedete sich die damalige Bundesregierung von der Absicht eine restriktivere Rüstungsexportpolitik zu schaffen und lieferte offen in ein Kriegsgebiet. Seit dem Krieg in der Ukraine rüstet die BRD auch in einem wahnsinnigen Ausmaß selbst auf.
Liebe Mitstreiterinnen und liebe Mitstreiter,
Die Rüstungsausgaben für die Bundeswehr steigen stetig an – sie haben sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Unglaubliche 50% des Bundeshaushalts sollen für das Militär ausgegeben werden – 5% ihrer Wirtschaftsleistung sollen NATO Staaten ab 2035 ausgeben, das sind in der BRD etwa 200 Milliarden Euro und fast die Hälfte des Bundeshaushalts.
Noch mehr Rüstung, noch mehr Waffen, werden keinen Frieden schaffen!
Das ist Geld, dass wir dringend brauchen für die Pflege und den Erhalt unseres Planeten, nicht für seine Zerstörung. Wir brauchen das Geld für Bildung, für das Gesundheitssystem, für feministische Gewaltprävention, für sozialen Wohnungsbau, für Klimaschutzmaßnahmen, für die soziale Absicherung, für den Kulturbereich, doch dass sind die Bereiche, die voraussichtlich gekürzt werden. Uns wird gesagt: Kanonen statt Butter!
Liebe Friedensfreundinnen und liebe Friedensfreunde,
Bei der Rüstung sind sie fix, für die Bildung tun sie nichts!
Anstatt die Jugend durch eine kostenfreie Bildung in Schulen zu unterstützen, die gut instand gehalten sind, führte die Bundesregierung zu Beginn dieses Jahres den neuen Wehrdienst ein, um endlich mehr Soldaten zu kriegen. Doch Schüler und Schülerinnen wehren sich! Yigit vom Schulstreik gegen Wehrpflicht Wiesbaden sagt dazu: “Wir haben die Pandemie durchgezogen, wir kämpfen gegen die Klimakrise, die uns die Zukunft klaut. Wir machen schon genug! Wir sind keine Ersatzteile für die Bundeswehr. Wir wollen selbst entscheiden, was wir mit unserem Leben anstellen.”
Die Schulstreiks gegen Wehrpflicht haben großen Zulauf, am 5. März 2026 demonstrierten bundesweit mehr als 50.000 Menschen gegen die neue Wehrpflicht und Schüler und Schülerinnen organisieren sich, um sich für ihre Zukunft einzusetzen. Wir lehnen die neue Wehrpflicht ab und stehen soldarisch an der Seite der Schülerinnen und Schüler!
Liebe Mistreiterinnen und liebe Mitstreiter,
Die Militarisierung und der Ruf nach Aufrüstung, die damit einhergehenden Sozialkürzungen, sind begleitet von einem zunehmenden Rassismus – auch in Europa. Das zeigt sich z.B. durch antimuslimische Hetze, durch immer schärfer werdende EU-Migrationspolitik und ein Erstarken rechter und rechtsextremer Parteien. Erst vor wenigen Tagen, am 26. März 2026, stimmte das EU-Parlament für eine neue Rückführungsverordnung, eine Abschiebungs- und Abschottungsverordnung, die Grundrechte von Schutzsuchenden verletzt und eine massive Verschärfung der bereits beschämenden und entmenschlichenden EU-Migrationspolitik vorsieht, u.a. durch Abschiebezentren in Drittstaaten. Die Militärlogik und Rassismus wirken zusammen. Beide funktionieren durch Unterteilungen in “die anderen” gegen ein “wir”. „Die anderen“ werden entmenschlicht, zur Gefahr und zum Feind erklärt und ihr Tod wird normalisiert. So wie der Tod der Geflüchteten in der Sahara, im Mittelmeer, in den von der EU unterstützten Folterlagern in Libyen. Deshalb, liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde, liebe Mitstreiterinnen und liebe Mitstreiter, lasst uns auch immer einstehen gegen Entmenschlichung, für das Recht auf Asyl, für Deserteure, für Schutzsuchende, für Menschen, die sich hier eine bessere und sichere Zukunft erhoffen.
Denn: Abschiebung ist Folter, Abschiebung ist Mord, Bleiberecht für alle, jetzt sofort!
Liebe Mitstreiterinnen und liebe Mitstreiter,
Statt über die Klimawende zu diskutieren, zündelt die Bundesregierung mit ihrer Aufrüstung, der Wehrpflicht, der Kriegstüchtigkeit und der Weichenstellung für eine Kriegswirtschaft – und schon jetzt brennt die Welt, durch den US-israelischen Krieg gegen den Iran brennen wortwörtlich Ölfelder, Erdgasfelder, Öltanker und der Klimawandel schreitet immer schneller voran! Die brennenden Ölanlagen, die Israel Anfang März im Iran bombardierte, führten zu einem giftigen schwarzen Regen in Teheran und der Region.
Die ersten zwei Wochen des US-israelischen Krieges gegen den Iran hat mehr Emissionen freigesetzt, als 84 Staaten zusammen in der gleichen Zeit verursachten. Die eingesetzten Kampfjets und Bomber verbrauchen Unmengen an Treibstoff, der B52 Bomber verbraucht mehr als 12.000 kg Treibstoff pro Flugstunde. Die Herstellung der Munition und der Kriegsgeräte ist energieintensiv, die brennenden Ölfelder setzen Emissionen frei und der Wiederaufbau der zerstörten Gebäude wird Emissionen verursachen. Im Iran wurden bislang 82.000 zivile Einrichtungen beschädigt oder zerstört. Im Libanon mehr als 3.500.
Auch die Kriege in der Ukraine, in Palästina, im Sudan, im Kongo sind nicht nur tödlich und verursachen unsägliche humanitäre Katastrophen - mit mehr als 26 Millionen Menschen im Sudan, die an Hunger leiden und mehr als 27 Millionen Menschen im Kongo, die vom Hunger bedroht sind - Sie führen auch zu Umwelt- und Klimaschäden.
Den höchsten Preis für die Kriege zahlen die Menschen im globalen Süden. Dort wirkt sich der menschengemachte Klimawandel bereits heute stärker aus und entzieht vielen Menschen ihrer Lebensgrundlage. Und die Sperrung der Straße von Hormus führt zu Öl- und Gasengpässen besonders in asiatischen Ländern, wo 80% der Ölexporte aus dem persischen Golf hingehen.
Ein Jeepney-Fahrer, ein Busfahrer aus den Philippen berichtet, dass durch den steigenden Benzinpreis sein Einkommen auf ein drittel geschrumpft ist und er nicht weiß, wie er jetzt das Schulgeld für seine zwei Töchter zahlen soll. Die pakistanische Regierung ließ Schulen schließen, um Treibstoff zu sparen.
Und die Golfstaaten sind nicht nur Erdöl-, sondern auch wichtige Düngerproduzenten, die etwa ein Drittel des globalen Düngers produzieren. Durch die Sperrung der Straße von Hormus kam es zu einem Anstieg des Düngemittelpreises um mehr als 40% – und in wenigen Wochen beginnt die Aussaatzeit in Südostasien. Es drohen Ernteausfälle, Nahrungsmittelknappheit und teurere Lebensmittel. Auch hier werden vor allem Menschen im globalen Süden unter den Folgen des Krieges leiden.
Liebe Mitstreiterinnen und liebe Mitstreiter,
was heißt das für Emden? Einige der Anwesenden sind seit Jahrzehnten gegen Krieg und u.a. gegen Emdens Involvierung in die Kriegslogistik aktiv. Ich freue mich sehr, heute mit Euch zu demonstrieren und ich habe große Achtung vor Eurem Durchhaltevermögen, das jetzt erneut gefordert ist. Die bundesweite Militarisierung macht auch vor Emden nicht Halt.
Wie Michael Schunk bereits sagte, die Nationale Maritime Konferenz kommt Ende April nach Emden.
Aus dem Bundeswirtschaftsministerium heißt es dazu: “Wirtschafts- und Sicherheitspolitik müssen heutzutage zwingend zusammen gedacht werden. Auf der 14. Nationalen Maritimen Konferenz (NMK) am 29. und 30. April 2026 in Emden stehen daher maritime Sicherheit und Souveränität im Fokus.”
Es geht um das Vorantreiben von Aufträgen von Schiffen und Kriegsschiffen durch Werften der Häfen im Norden Deutschlands, die immer mehr an der Konkurrenz von asiatischen Werften leiden. Es geht um die Zukunft der Häfen und ihre Rolle für Sicherheit, für das Militär, für Krieg. Es geht um Arbeitsplätze, oder anderes gesagt: es geht um die Militarisierung der Häfen, die Vorbereitung auf dem Krieg.
Es geht um die Förderung der deutschen Industrie und Forschung für technologische Lösungen für maritime Sicherheit, d.h. auch militärisch nutzbare Technologien wie Drohnen, Sensorik, Robotik und KI. Die Industrie soll mehr für Krieg und Überwachung produzieren.
Und aktuell prüft das Bundesverteidigungsministerium, wo ein neuer Marinestützpunkt für die Bundeswehr entstehen soll – und Emden ist einer der möglichen Orte. Eine Sprecherin der Staatskanzlei der niedersächsischen Regierung sagte dazu: „Niedersachsen ist Bundeswehr-Land Nummer 1, entsprechend hat die niedersächsische Landesregierung großes Interesse an einem starken Standort Emden”Und behauptet: „Hier haben die Vertreter der Stadt zum Ausdruck gebracht, dass sie, ebenso wie die Bevölkerung, eine Rückkehr der Marine an den Standort Emden begrüßen und unterstützen würden.“
Liebe Friedensfreundinnen und liebe Friedensfreunde,
lasst uns laut sein und den Vertretern der Stadt zeigen, dass die Bevölkerung Emdens den Hafen nicht begrüßt, sondern sich dagegen wehrt! Von Emden soll kein Krieg ausgehen! Emden soll weder Drehscheibe der Bundeswehr noch ein Bundeswehrstandort sein! Es soll ein Friedenshafen sein! Wir sehen in den Golfstaaten, dass Militärstützpunkte auch immer Ziele im Krieg sind. Und dass weiß auch die Geschichte Emdens!
Diese Entwicklung, dem Militär Raum zu geben und die militärische Produktion anzukurbeln, findet auch an anderen Orten statt, doch liebe Mitstreiterinnen und liebe Mitstreiter, es regt sich auch immer mehr Widerstand!
Lasst uns solidarische Grüße schicken an die Kampagne Zukunftswerk, die sich dafür einsetzen, dass das VW Werk in Osnabrück nicht für Kriegsproduktion sondern für die ökologische Mobilitätswende genutzt wird!
Lass uns solidarische Grüße schicken an die Bewegung No base! in Italien, die sich seit 2022 gegen die Errichtung eines neuen Militärstützpunktes in der Region von Pisa wehrt und erst vor wenigen Tagen einen Zeug blockierte, der Panzer durch Pisa transportierte!
Lasst uns solidarische Grüße an die Hafenarbeiter*innen und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter schicken, die sich weigern, Teil der Kriegslogistik zu sein!
Soldarische Grüße an die Deserteure weltweit und die inhaftierten Aktivist*innen, die Sand in die Kriegsmaschinerie streuen, wie die Ulm!
Lasst uns mutig weiter streiten für eine Welt ohne Krieg und für eine lebenswerte Zukunft unseres Planeten, der sich keine Kriege mehr leisten kann!
Hoch die internationale Solidarität!
Jackie Andres ist aktive bei der Informationsstelle Militarisierung -IMI- in Tübingen.