Redebeitrag für den Ostermarsch in Bremen am 4. April 2026

 

- Es gilt das gesprochene Wort -

 

Hallo Freundinnen und Freunde, ich bin Luis vom Internationalen Jugendverband Bremen und ich freue mich, dass wir heute so zahlreich auf der Straße sind!

Die Angst vor Krieg ist real. Überall auf der Welt nehmen militärische Konflikte zu und Krieg wirkt für uns Jugendliche plötzlich näher als vor ein paar Jahren noch: in den Nachrichten, auf Social Media oder wenn Politiker davon reden, dass Deutschland "kriegstüchtig" werden müsse. Die Weltlage wird immer angespannter.

Schon Anfang des Jahres griffen die USA Venezuela an und entführten den Präsidenten. Kurz danach stand die Zukunft von Grönland und neuerdings auch Kuba auf dem Spiel, weil die USA einfach Anspruch auf das Gebiet erhoben. Seit Ende Februar sind auch der Iran und die ganze Region Schauplatz neuer imperialistischer Angriffe durch die USA und Israel, die versuchen, ihren Einfluss in der Region und den Zugriff auf Ressourcen gegen ihre Rivalen abzusichern. Die USA treten immer aggressiver auf, doch das passiert nicht zufällig: Es geschieht vor dem Hintergrund der wachsenden Konkurrenz mit China. Während China wirtschaftlich an Einfluss gewinnt, versuchen die USA ihre globale Vormachtstellung mit immer härteren Mitteln zu verteidigen. Überall spitzt sich die Lage zu. Imperialistische Mächte kämpfen um Einfluss und Macht -  Russland, in der Ukraine, die USA, im Iran und im Nahen Osten oder China rund um Taiwan.

Aber welche Rolle spielt Deutschland dabei und droht wirklich ein Weltkrieg? Die Bundesregierung sagt, Deutschland müsse aufrüsten, um sich zu verteidigen. In Wahrheit verfolgt auch Deutschland eigene Interessen. Deutsche Konzerne verdienen an der Ausbeutung von Menschen hier und weltweit und dafür versucht sich die Bundesregierung Zugang zu Märkten, Ressourcen und Handelsrouten zu verschaffen. Besonders Rüstungskonzerne wie Rheinmetall machen in den letzten Jahren Rekordprofite. Deutschland liefert Waffen  ob an Israel, die Türkei oder Ukraine  und unterstützt damit die Verlängerung und Eskalation dieser Kriege.

Auch Bremen ist ein wichtiger Standort der Rüstungsindustrie und der größte Waffenproduzent Rheinmetall baut seinen Standort hier aus. Im letzten und diesem Jahr sollen insgesamt 800 neue Stellen geschaffen werden. Während viele Industriebetriebe wie VW, Bosch, Gesundheit Nord und die Deutsche Bahn zur Profitmaximierung massiv Stellen abbauen wollen, boomt die Rüstungsindustrie. Rheinmetall hat im Jahr 2025 einen Rekordumsatz von fast  10 Milliarden Euro gemacht. Das ist doppelt so viel wie noch vor 5 Jahren! Während die Zukunftssorgen vieler Arbeitnehmer und Azubis vor Entlassung real sind, stellen sich Waffenproduzenten als "sichere Arbeitgeber" dar.  Doch wir wissen, wo Waffen produziert werden, müssen diese auch verkauft werden und wo Waffen verkauft werden, werden sie auch eingesetzt. Das Geschäft von Rheinmetall und Co. funktioniert nicht ohne Krieg und das Leid und die Zerstörung, die er mit sich bringt! Deswegen können die Aufrüstung und die Waffenexporte nicht im Interesse der Arbeitnehmer sein!

Gleichzeitig will Deutschland militärisch stärker werden, um im Machtkampf mit Ländern wie den USA, China oder Russland mitzuhalten. Deshalb wird immer mehr auf das Militär ausgerichtet: Schulen, Unis, Betriebe - die ganze Gesellschaft soll auf Krieg vorbereitet werden. Doch diese Politik dient nicht unserer Freiheit oder unserer Zukunft. Während sie aufrüsten, verschärfen sich Armut, rassistische Ausgrenzung, die Unterdrückung von Frauen und die Klimakrise. Das neue Wehrdienstgesetz richtet sich direkt an uns junge Menschen. Die Botschaft dahinter ist klar: Entweder wir zahlen mit schlechteren Lern-, Arbeitsund Lebensbedingungen - oder wir sollen im nächsten Krieg an die Front. Mit der neuen Änderung des Wehrdienstgesetz dürfen Männer bis 45 Jahre zukünftig keine längeren Auslandsaufenthalte verbringen, ohne dass das Karrierecenter der Bundeswehr dies vorher bewilligt. Aussagen wie die des NATO-Generalsekretärs Mark Rutte, wir müssen "für einen Krieg bereit sein, wie ihn unsere Eltern und Großeltern erleiden mussten" und von Verteidigungsminister Pistorius wir müssen "kriegstüchtig werden, zeigen uns immer deutlicher, dass es Deutschland nicht nur um Verteidigung geht. Die ungebremste Aufrüstung und die geplante Wiedereinführung der Wehrpflicht bestätigen diese Befürchtung. Dabei steht die Jugend besonders im Fokus: Eine steigende Zahl von Schulbesuchen durch Jugendoffiziere, Werbung der Bundeswehr auf dem Campus oder dem Pizzakarton, Bundeswehrpräsenz auf Jobmessen oder gar eigene Serien wie "Die Rekruten" auf YouTube - an der Bundeswehr kommen wir in unserem Alltag nicht mehr vorbei.

Doch viele Jugendliche machen da nicht mit. In den letzten Monaten sind zehntausende Schüler in Deutschland und ganz Europa gegen Wehrpflicht und Militarisierung auf die Straße gegangen und haben ihren Unterricht bestreikt. Millionen Menschen protestierten weltweit gegen den Krieg und gegen den Genozid am palästinensischen Volk und haben Druck auf ihre Regierungen aufgebaut, die selbst an diesem Verbrechen beteiligt sind.
Die Ostermärsche sind die traditionellen Friedensdemonstrationen in Deutschland und wir sollten sie nutzen, um gemeinsam ein Zeichen zu setzen: für eine Welt ohne Krieg, Zerstörung und Ausbeutung. Während Regierungen neue Kriege vorbereiten, müssen wir laut dagegenhalten. Besonders jetzt, wo der Krieg im Iran und in der Region weiter eskalieren kann und die deutsche Regierung diese Angriffe zwar mit Lippenbekenntnissen anzweifelt, aber durch Militärbasen wie Ramstein hier im Land erst möglich macht. Gerade deshalb müssen wir Widerstand leisten. Wir müssen zeigen, dass wir uns nicht in ihre Kriege hineinziehen lassen. Unsere Antwort heißt Solidarität, Protest und gemeinsamer Kampf gegen Aufrüstung und Militarisierung.

Denn diese Interessen sind nicht unsere, wir wollen gute Bildung und Arbeit und keine Zukunft voller Krieg und Krisen. Die Schulstreiks gegen die Wehrpflicht und die geringe Zustimmung zum Wehrdienst zeigen uns, die Jugend stellt sich gegen diese Entwicklungen. Eine starke Jugendbewegung gegen Krieg und Militarisierung ist für die deutsche Regierung und die Konzerne, die mit Waffenexporten und Krieg Profite machen, eine große Bedrohung. Deswegen versuchen sie gerade, uns mit aggressiver Werbung zu gewinnen oder durch Einschüchterungen klein zu halten!

Wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen. Am Ende haben wir mehr gemeinsam mit den Menschen in anderen Ländern als mit denen, die von Krieg und Aufrüstung profitieren.

Und Deshalb fordern wir:

  • Keine Wiedereinführung der Wehrpflicht!
  • Keine Militarisierung von Schulen, Unis und Betrieben!
  • Stopp aller Waffenexporte aus Deutschland, insbesondere in Kriegsgebiete!
  • Keine Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in Deutschland!
  • Abrüstung statt Aufrüstung!
  • Milliarden für Bildung und Soziales statt für Aufrüstung!

Wir müssen weiter auf die Straße gehen und uns organisieren, bis diese Politik gestoppt wird!

Wir wollen Ausbildungsplätze statt Kriegseinsätze!

 

Luis Babin ist aktiv beim Internationalen Jugendverband Bremen (IJV).