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Redebeitrag für den Ostermarsch Sachsen-Anhalt in Stendal am 6. April 2026
- Es gilt das gesprochene Wort –
Liebe Freundinnen und Freunde,
Ostermarsch Zwischenstopp an der Erinnerungstafel für die ehemalige Synagoge In der Nacht vom 10. auf den 11. November 1938 wurde die Stendaler Synagoge von einem von der Politik aufgehetzten Mob angezündet.
Die Stendaler Feuerwehr unter Leitung von Branddirektor Paul Finke löschte den Brand. Dadurch blieb das Gebäude erhalten. Daran anschließend wurden die 20 noch verbliebenen jüdischen Mitmenschen bis zu ihrer Deportation 1942 gettoisiert. Ihr Schicksal ist uns nicht bekannt. Am Wahrscheinlichsten wurden sie zu Tode gequält.
Wir wissen aus der eigenen Stadtgeschichte, zu welch unmenschlichen Handlungen eine von der Politik aufgehetzte und propagandistisch verblendete Bevölkerung in der Lage ist. Und wir sehen konkret an diesem Ort, dass es trotz dieser Propaganda und Hetze Menschen gab, die den Brand löschten.
Auch damals hatten die Menschen eine Wahl, sich zu entscheiden.
Wir erleben heute, wie ein Völkermord an den Menschen in Palästina in eine Verteidigungslüge umgedeutet wird, damit die uns Regierenden und große Teile der Opposition diesen Völkermord politisch, finanziell und durch Waffenlieferungen unterstützen und am Laufen halten können. Jeder Widerspruch dagegen soll durch eine verhängte Staatsräson unterbunden werden.
Damit stehen wir vor einer grundsätzlichen Entscheidung. Wollen wir der Propaganda glauben, uns dem staatlichen Druck beugen und der Tradition der Brandstifter folgend durch schweigende Zustimmung den Völkermord unterstützen? Oder wollen wir uns in die Tradition der Angehörigen der Feuerwehr begeben und den politischen Brandbeschleunigern des Völkermordes in Regierung und Opposition öffentlich widersprechen und ihnen den Gehorsam verweigern?
Die von uns getroffene Entscheidung wird Zeugnis darüber ablegen, ob wir aus der Geschichte gelernt haben oder ob wir ähnlich der Generation meiner Eltern und Großeltern erneut versagen, obwohl wir ihr historisches Versagen vor Augen haben.
Um der an diesem Ort stattgefundenen Tragödie und den Opfern der aktuell stattfindenden Gemetzel zu gedenken, bitte ich um eine Minute des gemeinsamen Schweigens.
Danke für die Aufmerksamkeit.
Malte Fröhlich ist aktiv bei der Bürgerinitiative Offene Heide.