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Redebeitrag für den Ostermarsch Weimar am 4. April 2026
- Sperrfrist: 4. April, Redebeginn: ca. 12 Uhr -
- Es gilt das gesprochene Wort -
Liebe Freundinnen und Freunde,
Seid ihr in letzter Zeit Zug gefahren?
Wenn ja: ich frage euch nicht nach Verspätungserlebnissen oder verpassten Anschlüssen, das würde den Rahmen des Ostermarsches sprengen. Aber war es immer bequem? Oder eng, stehend, weil die Sitzplätze nicht ausreichten oder nicht genug Fahrradplätze vorhanden waren?
Und wenn ich euch jetzt anschaue, so denkt bestimmt die eine oder der andere: ist der da vorn jetzt auf der richtigen Veranstaltung? Hat er das Thema verfehlt?
Nein, um es klar zu sagen: KRIEG IST UNBESCHREIBLICH, UNVERGLEICHBAR! Und ja, es gibt natürlich einen himmelweiten Unterschied zwischen den existenziellen Bedrohungen und verheerenden Auswirkungen für die, welche unter Bedingungen des Krieges leben müssen – und hoffentlich am Leben bleiben! – und den Beschwernissen im alltäglichen Berufs- und Osterbesuchsverkehr auf Schienen bei uns hier.
Und doch sehe ich einen Zusammenhang.
Die Klimakrise ist allgegenwärtig. Sie wird kleingeredet, ja ausgeblendet, von einer interessierten machtpolitischen und ökonomischen Lobby, mit einer profilierungssüchtigen, engstirnigen und realistätsblinden Bundeswirtschafts-ministerin an der Spitze. Sie wird sogar in ihrer Existenz offensiv bestritten durch eine mindestens teilweise als rechtsextrem zu bezeichnende Partei, und sie wird auch in der medialen Welt längst nicht als das beschrieben was sie ist: existenzgefährdend, wie es aktuell und wiederholt der UN-Generalsekretär Antonio Guterres uns allen ins Stammbuch geschrieben hat.
Existenzgefährdend, genau wie der Krieg. Der neben all seinen katastrophalen Wirkungen der Zerstörung, der militärischen Gewalt, des unermesslichen Leids, ja des massenhaften Todes eben auch die Klima- und Umweltkrise noch massiv verstärkt. Verschleuderte Energie, fossiler Rohstofffraß, Schadstoffemissionen, verseuchte Böden, langfristig zerstörte und kontaminierte Natur-, Siedlungs- und Landschaftsräume – alles Langzeitfolgen für Generationen, und eines WAHNSINNS, der eben die einzig mögliche Begrifflichkeit darstellt für das, was da, durch wenige mächtige Menschen gesteuert, vollzogen wird.
Und: Rüstung tötet, ob mit oder ohne Krieg!
Sie ist zukunftsgefährdend, sie ist Ausdruck eines pervertierten Kapitalismus, in dem Rüstungskonzerne und deren aktienhaltende Miteigentümer (ich unterlass hier mal bewusst und sicher weitgehend zutreffend das Gendern!) sich an Rekordprofiten laben und ergötzen, sie ist auch gesellschaftlich verhängnisvoll, und sie gefährdet und verunmöglicht die dringend nötige sozialökologische Transformation.
Denn: für mehr Gleise, Züge und Busse, für Schwimmbäder und Pflege, für Demokratieprojekte und Frauenhäuser, für auskömmliche Renten, Klimaschutzprogramme und Schulsozialarbeit ist nicht genügend Geld da,
weil es in Militär, Rüstung und vermeintliche Kriegstüchtigkeit gesteckt wird, also den Bereich, der schon immer zu den profitträchtigsten gehört. Und dem das Risiko innewohnt, zu etwas zu führen, das Zusammenleben zerstört, Kinder zu Waisen, Soldaten zu Krüppeln macht, das Menschen, Völker, Nationen, Gesellschaften spaltet, damit weitere Flüchtlingsdramen auslöst und letztlich eine zerrüttete, zerstörte, vielleicht am Ende sogar gesamthaft atomkraftverursacht menschenbefreite Erde hinterlässt.
Oder eine, in der ein sehenden Auges aus dem Ruder gelaufenes Klima die Lebensgrundlagen für Millionen Menschen beseitigt hat.
Womit wir wieder bei den überfüllten und zu knapp bemessenen Zügen vom Anfang meiner Rede wären. Eine profunde Lösung des Problems – ersonnen vor Generationen – wäre die Beschaffung und der Einsatz von Doppelstockzügen. Ein paar davon fahren noch, hochmodern und leistungsfähig. Sie bilden das Rückgrat des täglichen Schienenverkehrs in Ballungsräumen wie Rhein-Ruhr, Rhein-Neckar, Berlin und Bayern.
Hergestellt wurden sie viele Jahrzehnte lang im Waggonbauwerk Görlitz, einst ein Vorzeige-Export-Betrieb der DDR-Industrie, aber auch noch weit in dieses Jahrhundert hinein. Ja, bis vor kurzem.
Seit letztem Jahr werden dort keine schicken und weiter dringend benötigten Doppelstockzüge gebaut, sondern: Panzerteile!
Der Rüstungskonzern KNDS hat nach 175 Jahren Schienenfahrzeugbau das Werk vom Fahrzeughersteller Alstom übernommen. Die Übernahme wurde gemeinsam vor Ort verkündet vom damaligen Kanzler Olaf Scholz und dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer. Noch dieses Jahr sollen nun die ersten Rüstungsprodukte vom Band laufen. Welch verrückte, rückwärtsgewandte, irre, ja fast schon unverantwortliche Entwicklung?!? Aber gefeiert von der hoch offiziellen Regierungspolitik!
Was bedeutet das nun für UNS?
Wir müssen den Frieden, wir müssen eine Welt ohne Waffen denk- und vorstellbar halten.
Wir können und dürfen nicht zulassen, dass eine „Kriegstüchtigkeit“, was immer sie bedeuten soll, zum Maßstab politischen Handelns und gesellschaftlicher Wertsetzung wird.
Wir müssen im Gegenteil eine Friedenstüchtigkeit einüben und zur Lebensmaxime machen, die eben nicht Unterwürfigkeit gegenüber oder gar Toleranz von Gewaltherrschern und Kriegstreibern bedeutet, sondern eine aktive soziale Verteidigung beinhaltet, mit dem Ziel, sinnloses Töten und Waffeneinsatz zu beenden.
Wir müssen eine Kultur der Gewaltfreiheit und des solidarischen Dialogs in unserer Gesellschaft etablieren, dabei aus der Geschichte die richtigen Schlüsse ziehen und eine sozial- und klimagerechte Zukunft bauen.
Wir müssen entlarven, wer an Rüstung, Militär und Krieg verdient, ja sich DUMM UND DUSSELIG verdient, während für Investitionen in die soziale und ökologische Zukunft die Mittel fehlen.
Und dieser unser Staat offensichtlich auch keinerlei Interesse daran hat, die Gewinne abzuschöpfen, welche dort in unfassbarem Umfang entstehen, um sie dem Gemeinwohl zugänglich zu machen.
Wir müssen auf- und widerstehen. Mit klarer Kante gegen die Spalter, Aufwiegler, Hassprediger und Demagogen von rechtsaußen, aber dazu braucht es keine Gewehre oder gar Panzer!
Liebe Freundinnen und Freunde,
das, worum es jetzt primär geht, hat der Thüringer Dieter Jung, Vater eines Buchenwald-Überlebenden, in einem Leserbrief an die Wochenzeitung „Freitag“ kürzlich eindrucksvoll auf den Punkt gebracht, den ich euch am Schluss meiner kleinen Rede vorlesen möchte: (Leserbrief „Wann wachen wir auf?“ von Dieter Jung, „Freitag“ Nr. 12 vom 19.03.2026) ...
Vielen Dank.
Mathias Altman ist aktiv bei der Gewerkschaft EVG.