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Redebeitrag für die Ostermarsch in Berlin am 4. April 2026
- Es gilt das gesprochene Wort -
Liebe Freundinnen und Freunde,
es ist besonders wichtig, dass wir dieses Jahr den Ostermarsch aufgestellt haben und dass wir auf die Straße gegangen sind. Die Vorredner haben es bereits gesagt: Die Kriegsgefahr wächst mit jedem Tag – fast wöchentlich haben die Angriffe und Völkerrechtsbrüche der USA und ihrer Verbündeten neue Höhepunkte erreicht.
Im Schatten der großen Kriege gibt es auch die Erstickungsversuche gegen die Inselrepublik Kuba. Ich möchte kurz auf die Lage dort eingehen, denn sie illustriert sehr deutlich, womit wir es heute in der Welt zu tun haben.
Nach dem feigen Überfall auf Venezuela im Januar verschärften die USA ihre jahrzehntelange Blockade gegen Kuba. Trump verhängte eine totale Energieblockade und drohte mit Strafzöllen gegen Länder, die Öl nach Kuba liefern würden.
Drei Monate lang ist dann kein Tropfen Öl nach Kuba gekommen. Der gesamte Alltag ist dadurch gestört. Transport liegt lahm, Krankenhäuser bleiben ohne Strom, Essen kann nicht geliefert werden, der Kühlschrank bleibt aus. Unter solchen Umständen leiden Kranke, Alte, Mütter und Kinder am stärksten.
Mit aller Macht sollen die Kubaner zur Verzweiflung getrieben werden. Die USA wollen – wie in zahlreichen anderen Ländern auch – die Bevölkerung gegen ihre Regierung, gegen ihre nationale Souveränität, und gegen ihre eigene Menschenwürde in Stellung bringen.
Sie wollen, dass Kuba hungert. Sie wollen, dass die Menschen auf einem mittelalterlichen Niveau ohne Strom und Treibstoff leben. Sie wollen, dass kubanische Kinder an Mangelernährung und fehlenden Medikamenten sterben.
Wir müssen diese Politik beim Namen nennt: Das ist Terrorismus! Das ist ein Völkermord auf Raten gegen die Kubaner!
Das sind keine Sanktionen, liebe Freundinnen und Freunde. Das sind Strafmaßnahmen, weil die Kubaner es wagen, einen souveränen Entwicklungsweg zu gehen.
Seit dem Sieg der Revolution im Jahr 1959 hat das kubanische Volk sein Schicksal selbst in die Hand genommen.
Trotz Blockade und ständiger Sabotage gelang es ihnen, die schlimmsten Folgen der Armut zu überwinden und ein menschenwürdiges Leben für alle zu sichern. Dabei hat Kuba auch stets anderen Völkern geholfen. Sei es im Kampf um die nationale Befreiung in Afrika, gegen den Analphabetismus und mit der kostenlosen Ausbildung von Studierenden. Kubas Ärzte wurden in jene Teile der Welt entsandt, die am stärksten unter kolonialer Ausbeutung gelitten haben.
2003 sagte Fidel Castro dazu: „Unser Land wirft keine Bomben auf andere Völker und schickt auch keinen Flugzeugen, um Städte zu bombardieren; unser Land verfügt weder über Atomwaffen noch über chemische oder biologische Waffen. Die Zehntausenden von Wissenschaftlern und Ärzten unseres Landes wurden in dem Bestreben ausgebildet, Leben zu retten.“
Was für ein krasser Gegensatz zu den aktuellen Äußerungen der deutschen Bundesregierung!
Frieden, Fortschritt und Internationalismus, statt Angst, Reaktion und Krieg.
Das sozialistische Kuba ist den Herrschenden in den USA ein Dorn im Auge. Schließlich zeigt die kleine Karibikinsel, dass sie trotz der Blockade in der Lage ist, eine bessere Gesundheitsversorgung zu leisten, als die Nicht-Reiche in den USA erhalten.
Insbesondere aber zeigt Kuba allen unterdrückten Völkern, dass man aufrecht gehen kann. Es ist dieses Beispiel – diese Idee – dass die USA durch ihre Blockade ersticken wollen.
Liebe Freundinnen und Freunde,
nachdem Russland Anfang dieser Woche die Blockade mit einem Öltanker durchbrochen hat, meinte Washington, sie werden „von Fall zu Fall“ entscheiden, ob Schiffe einreisen dürfen oder nicht.
Das müssen wir auch beim Namen nennen: Das ist Kolonialismus. Das ist koloniale Herrschaft über ein anderes Land.
Die führenden NATO-Staaten sind dabei, ihre alten kolonialen Strukturen wieder aufzubauen, um ihre Vorherrschaft aufrechtzuerhalten.
Trump sitzt in seiner Oligarchenvilla in Florida und beansprucht die westliche Hemisphäre für sich. Er erklärt, er könne mit Kuba „tun, was er wolle“. Und sein Außenminister Marco Rubio präsentierte sich auf der Münchner Sicherheitskonferenz als der neue Konquistador des 21. Jahrhunderts: Er will den Globalen Süden neu Kolonialisieren.
Und dafür erhielte er stehenden Applaus von EU-Politikern. Merz, Macron und Meloni wollen dabei sein, damit die europäischen Großkonzerne einen Teil der Profite abbekommen.
Deswegen, liebe Freundinnen und Freunde, muss der Frieden – nach dem wir uns so sehr sehnen – gegen diesen Kolonialherren erkämpft werden. Unser Friedenskampf ist ein antikolonialer Kampf.
Und das ist unsere Aufgabe in Deutschland: Im gleichen internationalistischen Geist wie die kubanischen Ärzte, müssen wir dafür kämpfen, dass die kriminellen Sanktionsregimes endlich aufgehoben werden. Wir müssen Druck auf die Bundesregierung aufbauen, damit als absolutes Minimum das Völkerrecht eingehalten wird. Damit die Einmischungen in den inneren Angelegenheiten anderen Länder endlich aufhören.
Die Angegriffenen in Venezuela, im Iran, in Palästina, auf Kuba – sie brauchen keine Belehrungen oder Ratschläge aus Europa. Sie brauchen ein Ende der jahrzehntelangen Einmischungen in ihre Länder. Sie brauchen Frieden und die Achtung ihrer staatlichen Souveränität. Das ist unsere Forderung.
Liebe Freundinnen und Freunde,
Es sind keine einfachen Zeiten. Wir alle wissen, wie groß die Aufgabe ist, die vor uns liegt. Und die Verleumdungen und Angriffe gegen uns nehmen täglich zu.
Sie kriminalisieren unsere Solidarität und sperren unsere Bankkonten. Sie werfen uns alles Mögliche vor, um uns zu diskreditieren.
Doch in unserem Widerstand können wir von dem Mut und der Zuversicht unseren kubanischen Freunden lernen. Als Fidel Castro 1953 von dem Gericht des Batista-Regimes verurteilt wurde, sagte er einen berühmten Satz. Er sagte: „Die Geschichte wird mich freisprechen.“
Und 6 Jahre später tat sie das auch. Das wird sie bei uns auch tun, liebe Freundinnen und Freunde. Wir wissen doch: Wir stehen auf der richtigen Seite der Geschichte. Deswegen kämpfen wir weiter – Venceremos!
Vielen Dank!
Matthew Read ist Journalist und aktiv in der Soli- und Friedensbewegung.