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Redebeitrag für den Ostermarsch Traunstein am 4. April 2026
- Sperrfrist: 4. April, Redebeginn: ca. 10.30 Uhr -
- Es gilt das gesprochene Wort -
Freiwilligkeit statt Zwang – Nein zur Wehrpflicht
Hallo Traunstein,
das sagen wir, die Naturfreunde Deutschlands dazu:
die Diskussion über eine mögliche Rückkehr zur Wehrpflicht ist zurück – und sie betrifft vor allem junge Menschen.
Wieder einmal steht im Raum, dass sie gegen ihren Willen in militärische Strukturen eingezogen werden könnten. Das ist ein massiver Eingriff in ihre Freiheit. Und es widerspricht dem Grundgedanken einer selbstbestimmten Jugend.
Besonders besorgniserregend ist die Idee einer sogenannten Bedarfswehrpflicht. Sie soll dann greifen, wenn die Rekrutierungszahlen nicht ausreichen. Das bedeutet: ständige Unsicherheit für junge Menschen. Ein Leben in der Schwebe – nicht wissend, ob der Staat sie morgen zum Dienst verpflichtet.
Dabei zeigt die Realität etwas ganz anderes: Junge Menschen engagieren sich längst. Und zwar freiwillig, vielfältig und mit beeindruckender Energie. Sechs Millionen sind in Jugendverbänden aktiv. 41,9 Prozent der 14- bis 29-Jährigen engagieren sich ehrenamtlich, fast die Hälfte wäre zusätzlich bereit dazu. Die höchste Engagement findet sich bei den Jüngsten.
Diese Zahlen sind aus zwei Studien, die das Familienministerium und das Bundeskanzleramt 2024 erstellt haben.
Es mangelt also nicht an Bereitschaft. Es mangelt eher an
- guten Rahmenbedingungen.
- An verlässlicher Förderung.
- An politischer Anerkennung.
Doch statt dieses Engagement zu stärken, wird jungen Menschen ein angeblicher „gesellschaftlicher Pflichtbeitrag“ zugeschrieben – als müssten sie sich erst beweisen.
Das ist adultistisch. D.h. eine strukturelle Diskriminierung von Kindern und Jugendlichen durch Erwachsene, basierend auf dem Machtungleichgewicht aufgrund des Alters.
Es stellt die Interessen älterer Generationen über die der jungen. Und es hat mit echter Generationengerechtigkeit wenig zu tun.
Wir sagen klar: Das lehnen wir ab.
- ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr oder einen verpflichtenden Zivildienst,
- verpflichtende Musterungen für junge Männer,
- jeden verpflichtenden Dienst in der Bundeswehr – egal wie das Auswahlverfahren aussieht,
- und jede Form indirekter Zwangsrekrutierung, sei es durch verpflichtende Erfassungen oder Bereitschaftserklärungen.
Und wir sagen genauso klar: Das fordern wir.
- eine deutliche Stärkung des Kinder- und Jugendplans des Bundes,
- einen Rechtsanspruch auf Freiwilligendienste,
- umfassende Informationen über zivile und soziale Engagementmöglichkeiten,
- eine Vergütung von Freiwilligendiensten, die perspektivisch dem Wehrdienst entspricht,
- kostenlose Mobilität im Nah- und Fernverkehr für alle, die einen Freiwilligendienst leisten,
- und unabhängige Beratungsangebote zur Kriegsdienstverweigerung.
Wenn die Politik an einem Wehrdienst festhalten will, dann müssen zivile Freiwilligendienste gleichgestellt werden – finanziell, strukturell und gesellschaftlich.
Und falls eine Bedarfswehrpflicht tatsächlich eingeführt wird, dann gilt:
- Junge Menschen müssen über ihr Recht auf Kriegsdienstverweigerung informiert werden.
- Eine Verweigerung muss durch eine einfache Erklärung möglich sein.
- Wer verweigert, darf nicht zur Musterung gezwungen werden – so wie es bereits teilweise für die Jahrgänge 2008 bis 2010 gehandhabt wird.
- Und es braucht unabhängige, niedrigschwellige Beratungsangebote.
Während die Ausgaben für Verteidigung und Aufrüstung steigen, geraten soziale Sicherungssysteme, Klima- und Umweltschutz sowie Jugend- und Bildungsangebote unter Druck.
Junge Menschen spüren diese Verschiebung besonders: durch Kürzungen in Bereichen, die ihre Zukunft betreffen – und durch zusätzliche Erwartungen an Engagement und Verzicht.
Fast 7.000 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung im Jahr 2025 zeigen deutlich: Viele junge Menschen wollen sich nicht in militärische Logiken einbinden lassen. Und sie haben jedes Recht dazu.
Deshalb müssen wir die Organisationen stärken, die sie beraten, unterstützen und begleiten.
Freiwilligkeit statt Zwang. Engagement statt Einberufung. Selbstbestimmung statt Bedarfswehrpflicht.
Vielen Dank.