Redebeitrag für den Ostermarsch in Gronau am 3. April 2026

 

- Es gilt das gesprochene Wort -

 

Liebe Freundinnen und Freunde des Friedens,
wir stehen heute hier, weil wir uns weigern zu akzeptieren, dass Krieg wieder als normales Mittel der Politik gilt.

Wir sind davon überzeugt, dass Menschen Verantwortung tragen für das, was ihre Regierungen tun oder nicht tun. Wir werden niemals schweigen, wenn Gewalt zur politischen Routine wird.Denn wir wissen, dass Frieden nicht von allein entsteht – er muss immer wieder eingefordert, verteidigt und erkämpft werden.

Wenn wir heute auf die Welt schauen, sehen wir eine gefährliche Entwicklung.

Der völkerrechtswidrige Krieg der USA und Israels gegen den Iran hat das Elend in der Ukraine, in Gaza und in der Westbank längst verdrängt und fast in Vergessenheit gebracht.

In Gaza sterben jeden Tag Menschen. Ganze Stadtviertel sind zerstört. Familien verlieren ihre Häuser, ihre Angehörigen, ihre Zukunft. Kinder wachsen zwischen Ruinen auf, in Angst und ohne Sicherheit. Humanitäre Hilfe kommt oft zu spät oder gar nicht.

Wenn Donald Trump Putin folgt und internationale Abkommen infrage stellt, Drohungen ausspricht und militärische Stärke als zentrales politisches Instrument präsentiert, dann schwächt das die internationale Ordnung.

Und wenn Benjamin Netanjahu auf militärische Stärke setzt, Kriege beliebig verursacht, Menschen vertreiben lässt, Grund und Boden besetzt und annektiert, Menschen liquidieren und bald Palästinenser hängen lässt, anstatt ernsthafte politische Lösungen für Sicherheit und Frieden zu suchen, dann verlängert das das Leid von Millionen Menschen – sowohl auf palästinensischer als auch auf israelischer Seite.

Wir müssen hier eine einfache Wahrheit aussprechen:

  • Krieg ist kein politisches Instrument.
  • Krieg ist immer ein Versagen der Politik.

Und Krieg hat immer denselben Preis:

Menschenleben.

Doch wir müssen auch über unsere eigene Verantwortung sprechen – über die Verantwortung Deutschlands.

Deutschland hat aus seiner Geschichte eine besondere Verpflichtung gelernt und muss sie bedingungslos befolgen:

  • Nie wieder Krieg.
  • Nie wieder Völkerrechtsbruch. Nie wieder darf Gewalt über Recht gestellt werden.

Diese historische Verantwortung bedeutet auch:

  • Antisemitismus darf in Deutschland niemals wieder Platz haben. Jüdisches Leben muss geschützt werden – überall und jederzeit.

Aber weil wir diese Verantwortung ernst nehmen, dürfen wir eines nicht zulassen, dass berechtigte Kritik an der Politik einer rechtsradikalen Regierung mit Antisemitismus gleichgesetzt wird.

Kritik an der Politik der israelischen Regierung ist kein Antisemitismus.

Sie ist Teil unserer demokratischen Mündigkeit und Anerkennung des Völkerrechts.

Denn Demokratie lebt davon, dass politische Entscheidungen hinterfragt werden. Das gilt für jede Regierung der Welt – für die russische, für die amerikanische und erst recht für die israelische. 

Wer sich für Menschenrechte einsetzt, muss das konsequent tun.

Wer das Völkerrecht verteidigt, darf keine doppelten Maßstäbe anlegen.

Das Völkerrecht ist keine Option.

Das Völkerrecht ist die Grundlage für eine Welt, in der Konflikte nicht durch Gewalt entschieden werden.

  • Es schützt Zivilisten.
  •  Es setzt Grenzen für Krieg.
  • Und es erinnert uns daran, dass jedes Menschenleben gleich viel wert ist.
  •  Doch genau dieses Fundament wird heute immer häufiger erschüttert und mit Füßen getreten.

Das alles führt nicht zu Frieden.

Es führt nur zu neuem Hass, neuen Konflikten und neuen Kriegen.

Und deshalb stehen wir heute hier.

Frieden bedeutet Sicherheit für alle Menschen – nicht nur für einige.

  • Frieden entsteht nicht durch immer mehr Waffen.
  • Frieden entsteht nicht durch militärische Alleingänge.
  •  Frieden entsteht durch Diplomatie, durch internationale Zusammenarbeit und durch den Mut, Konflikte politisch zu lösen.

Gerade deshalb ist der Ostermarsch heute wichtiger denn je.

Denn Frieden beginnt damit, dass Menschen aufstehen und sagen:

Nicht in unserem Namen.

  • Nicht in unserem Namen sollen Städte zerstört werden.
  • Nicht in unserem Namen sollen Kinder sterben.
  • Nicht in unserem Namen sollen Kriege immer weiter ausgeweitet werden.

Unsere Forderungen sind klar:

  • Ein sofortiger effektiver Waffenstillstand in Gaza, in der Ukraine, in Iran und im Libanon.
  • Der Schutz der Zivilbevölkerung auf allen Seiten.
  • Deeskalation im Konflikt mit dem Iran.
  • Diplomatie statt militärischer Konfrontation.
  • Und die konsequente Einhaltung des Völkerrechts – von allen Staaten, ohne Ausnahme.
  • Frieden entsteht immer dann, wenn Menschen den Mut haben, eine andere Politik einzufordern.

Und genau darum geht es heute.

Wir sagen gemeinsam: Nicht Bomben schaffen Sicherheit –Nein, nur Frieden schafft Sicherheit.

  • Nicht militärische Stärke schafft Gerechtigkeit – Nein, nur Recht schafft Gerechtigkeit.
  • Und nicht Krieg schafft Zukunft – Nein, nur Menschlichkeit schafft Zukunft.

Lasst uns dafür sorgen, dass diese Stimme des Friedens lauter wird als jede Rakete, stärker als jede Drohung und mutiger als jede Politik der Gewalt und der Eskalation.

Denn eine andere Welt ist möglich.

Eine Welt, in der das Recht stärker ist als die Gewalt

Eine Welt, in der Menschenleben wichtiger sind als geopolitische Macht.

Und genau für diese Welt gehen wir heute auf die Straße.

Vielen Dank.

 

Nazih Musharbash ist aktiv bei der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft e.V.