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Redebeitrag für den Ostermarsch in Suhl am 4. April 2026
- Es gilt das gesprochene Wort –
Den Teufelskreis der Gewalt durchbrechen
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, liebe Freundinnen und Freunde des Friedens,
Wir stehen heute hier, weil wir uns mit einer Welt, die immer tiefer in Gewalt und Aufrüstung versinkt, nicht abfinden wollen. Das Jahr 2026 zeigt uns ein düsteres Bild: Ein weltweiter Rechtsruck hat das politische Klima vergiftet. Überall sehen wir die Rückkehr einer autoritären Machtpolitik, die Diplomatie als Schwäche abtut und die militärische Stärke zum Maßstab aller Dinge macht. Ob in Washington oder Moskau – das Recht des Stärkeren droht die Stärke des Rechts endgültig zu verdrängen.
Die Eskalation als System: Ukraine, Iran und Gaza
Wir erleben derzeit, wie die Logik der Konfrontation ganze Regionen in den Abgrund reißt.
In der Ukraine tobt der Krieg im vierten Jahr. Wir verurteilen Russlands völkerrechtswidrigen Überfall als einen Akt imperialistischer Aggression, der unendliches Leid über die Menschen bringt. Doch wir sehen auch mit Sorge, wie dieser Konflikt instrumentalisiert wird. Wenn die US-Administration heute Waffenlieferungen an Kiew davon abhängig macht, dass sich Europa an neuen kriegerischen Abenteuern im Persischen Golf beteiligt, dann zeigt das: Hier geht es den Großmächten oft weniger um die Freiheit der Völker als um ihre eigenen Einflusssphären.
Seit dem 28. Februar 2026 brennt zudem der Nahe Osten lichterloh. Die massiven Luftschläge der USA und Israels gegen den Iran haben eine Spirale der Gewalt in Gang gesetzt, die bereits über 7.300 Todesopfer gefordert hat – darunter hunderte Kinder, wie beim Angriff auf eine Schule in Minab am 3. März. Raketeneinschläge und Drohnenangriffe bedrohen die gesamte Region. Dieser Krieg ist das Ergebnis eines totalen Scheiterns der Diplomatie auf allen Seiten.
Und in Gaza? Dort herrscht nach dem Waffenstillstand ein bitterer Frieden. Während über 230.000 Kinder unter akuter Mangelernährung leiden, wird der Wiederaufbau von einem US-geführten Gremium – dem „Board of Peace“ – nach wirtschaftlichen Interessen verwaltet. Echte palästinensische Selbstbestimmung sieht anders aus.
Der vergessene Krieg: Sudan
Wir dürfen aber auch dorthin nicht vergessen zu schauen, wo keine Kameras stehen. Im Sudan erleben wir die derzeit größte humanitäre Katastrophe der Welt. Zwölf Millionen Menschen sind auf der Flucht. Dieser Krieg wird befeuert durch das sogenannte „Blutgold“, an dem viele verdienen: Die Vereinigten Arabischen Emirate, die als Handelsplatz fungieren, und russische Söldner-Gruppen, die sich den Zugang zu Rohstoffen sichern. Der Sudan ist ein mahnendes Beispiel dafür, was passiert, wenn ein Land zum Spielfeld für globale und regionale Machtinteressen wird.
Aufrüstungswahn auf Kosten der Gesellschaft
Dieser weltweite Aufrüstungsgigantismus hat einen hohen Preis – auch für uns. Noch in diesem Jahr sollen neue US-Mittelstreckenwaffen in Deutschland stationiert werden. Allein für 400 Tomahawk-Marschflugkörper werden 1,37 Milliarden Euro ausgegeben.
Wir müssen uns fragen: Wo ist die Sicherheit, wenn wir uns in ein neues Wettrüsten stürzen, das uns zur Zielscheibe macht? Während Milliarden in das Militär fließen, erleben wir im sozialen Bereich einen Kahlschlag. Beim Bürgergeld, bei der Bildung und in der humanitären Hilfe wird gekürzt. Eine Politik, die „kriegstüchtig“ werden will, aber die soziale Sicherheit ihrer Bürger vernachlässigt, verliert ihr Fundament.
Hands off Cuba!
Ein besonderes Zeichen der Solidarität müssen wir heute gegenüber Kuba setzen. Seit Ende Januar 2026 versuchen die USA mit einer verschärften Treibstoffblockade, die Insel wirtschaftlich zu ersticken. UN-Experten bezeichnen dies als völkerrechtswidrige kollektive Bestrafung der Zivilbevölkerung. Wenn Krankenhäuser keinen Strom haben und Ernten verrotten, dann ist das kein politisches Instrument, sondern ein Verbrechen an den Menschen. Wir fordern: Hands off Cuba! Beendet die Blockade!
Fazit: Für eine neue Friedenslogik
Liebe Freundinnen und Freunde,
wir fordern eine Rückbesinnung auf die Prinzipien der Vereinten Nationen: Die Achtung der Souveränität, das Gewaltverbot und die friedliche Lösung von Konflikten – und zwar für alle Staaten gleichermaßen, egal ob im Osten oder im Westen.
Wir brauchen keine Raketen, sondern Diplomatie. Wir brauchen keine Feindbilder, sondern internationale Solidarität.
Vielen Dank!
Philipp Weltzien ist Fraktionsvorsitzender der Linken im Stadtrat von Suhl.