In unserer Zeitschrift "FriedensForum" berichten wir über akutelle Aktionen und Kampagen aus der Friedensbewegung. Gerne senden wir dir ein kostenloses Probeexemplar zu!
Redebeitrag für den Ostermarsch in Ellwangen am 4. April 2026
- Es gilt das gesprochene Wort -
Liebe Friedensgeschwister, fratelli e sorelli,
Papst Leo hat am Palmsonntag unmissverständlich klargestellt, dass mit Jesus kein Krieg zu rechtfertigen ist und Gott die Gebete derer verwirft, an deren Hände Blut klebt. Pete Hegseth, Kriegsminister der USA, hat ein Video gepostet, in dem das von ihm vor der Truppe gebetete Vater Unser in grauenerregender Weise mit Kriegsbildern unterlegt ist. Er gehört zu denen, die den eigentlich treffenden Satz „Krieg hat keine Gewinner, nur Opfer“ auf perverse Art ad absurdum führen. Der Krieg gegen den Iran droht nicht nur weite Teile der Weltwirtschaft und damit Millionen Menschen ins Chaos zu stürzen. Er dient dazu, Spekulationsinteressen Milliardengewinne einzubringen. Das Töten von Menschen, die Vernichtung von Ressourcen und der Natur wird in obszöner Weise zum Geschäftsmodell. Mord oder die die Androhung von Mord bringt der Rüstungsindustrie auch bei uns Gewinne.
Wir dagegen stehen auf gegen die tödliche Ideologie, dass Krieg und Aufrüstung Leben schützen und Frieden bringen können. Wir sagen Nein zum Krieg, wir sagen Nein zur milliardenschweren Aufrüstung, Nein zur Kriegsertüchtigung!
JA zu einem neuen Denken und Handeln, in dem keine Nation die andere bekriegt; in dem auch die Natur als Subjekt gesehen geachtet und geschützt wird!
„Kein Frieden durch Krieg!“ Am Ostersamstag sind wir dafür auf der Straße.
Wir sind damit solidarisch mit allen Bewegungen und Menschen, die sich gewaltfrei und mit diplomatischen Mitteln weltweit für Frieden einsetzen.
Ostern ist der Aufstand des Lebens gegen den Tod: Weil Christus vom Tod aufgestanden ist und in allen lebt, die aufstehen gegen die Todesmächte dieser Welt. Im christlichen Glauben lebt Jesus als unzerstörbares Leben in allen Menschen, die unschuldig gefangen gesetzt, gefoltert, verstümmelt, getötet, verjagt, verfolgt, traumatisiert und zu Tode gehungert werden.
Wir verbinden uns heute mit den Millionen von Menschen, die unter den Grauen erregenden Kriegen leiden, die zurzeit wüten und unermessliches Leid verursachen. Wir verbinden uns mit ihrem Kampf ums Überleben und um ein würdiges Leben in Frieden. Wir sind erschüttert und jeden Tag aufs Neue entsetzt über die nicht endenden Eskalationen von Gewalt – die keine Perspektiven in sich tragen, sondern immer weitere Opfer erzeugen.
In den Mahnwachen und Aktionen der letzten Jahre in Ellwangen, Heidenheim, Schwäbisch Gmünd und Schwäbisch Hall haben wir immer wieder der Opfer gedacht: Seit Februar 2022 an die Opfer des Krieges, den Russland gegen die Ukraine führt. Neben den zivilen Opfern, Männern, Frauen, Kindern und den vielen Geflüchteten sind es seither geschätzt fast eine Million getöteter Soldaten an den Fronten. Das ist keine Friedensperspektive – das ist Barbarei. Der ukrainische Verteidigungsminister Fedorov hat unlängst eingeräumt, dass sich 2 Millionen Ukrainer sich der Mobilisierung entzogen haben, mehr als doppelt so viele wie die, die an der Front kämpfen. Weitere 200 000 sind desertiert. Die Menschen in der Ukraine sind kriegsmüde.
Für wessen Interessen also werden weiter Waffen an die Ukraine geliefert, anstatt auf Diplomatie zu setzen? Dieser Krieg ist nicht militärisch zu gewinnen. Dass man mit Russland unter Putin nicht verhandeln könne, ist ein Narrativ, das uns jedoch beharrlich erzählt wird, um weiter Krieg zu führen. Länder des globalen Südens wie Brasilien oder Südafrika setzten völlig zurecht auf Diplomatie. Aus einer globalen Perspektive heraus, die auch die weltweiten und die ökologischen Folgen, nicht zuletzt die atomare Bedrohung im Blick hat, muss dieser sinnlose und furchtbare Krieg sofort enden!
Wir blicken in diesen Ostertagen auch nach Israel und Palästina. Es gibt kein Heiliges Land. Es sind nur die Menschen heilig, die dort leben und sterben. Der genozidal angelegten Überfall der islamistischen Hamas in Israel am 7. 10. 2023 ist ein Datum, das eine tiefe Zäsur in der Geschichte nicht nur in Israel-Palästina, sondern in der ganzen Welt und in besonderer Weise auch in Deutschland darstellt. Die 1182 Opfer und die 251 Geiseln aus Israel, von denen einige nicht überlebten, waren schlimm genug. Sie wurden bitter gerächt. Niemals wieder sollte sich ein solches Grauen ereignen. „Nie wieder ist Jetzt!“ Eine berechtigte Parole -auch gegen den Antisemitismus, der weltweit nach dem 7. Oktober zunahm. Die Ursachen für den Konflikt jedoch spielten für die militärische Reaktion Israels keine Rolle. Eine Politik der Vernichtung brach sich unter den Augen der Welt in der rechtsradikal dominierten Regierung Israels Bahn.
Inzwischen ist Gaza ein Trümmerfeld und die Merkmale eines Genozids sind erfüllt: Schulen, Universitäten, Krankenhäuser, Straßen, die Infrastruktur sind zerstört. Es gab gezielte Morde bei der Ausgabe von Hilfsgütern und bei Einsätzen des Roten Halbmondes. Ärzt*innen und Pflegepersonal wurden gezielt verschleppt, gefoltert, getötet. Inzwischen sind geschätzte 130.000 Menschen in Gaza ums Leben gekommen, davon tausende Kinder. Laut Unicef ist der Gazastreifen heute der Ort mit den meisten Amputationen unter Kindern pro Kopf weltweit. Es bricht einem das Herz. Es zerbricht die Sprache „Es ist ein Weinen in der Welt, als ob der liebe Gott gestorben wär‘‘ – der Satz der jüdischen Dichterin Else Lasker-Schüler kommt mir in den Sinn. Wir blicken heute auf den Karfreitag der Kriege und ihrer Opfer. Lasst uns dabei nie den Schmerz derer vergessen, auf die wir gerade vielleicht nicht blicken. Leid und Schmerz ist nicht teilbar. Wir können es nur solidarisch mit allen teilen, indem wir nicht vergessen.
Nun auch noch der Krieg der USA und Israels gegen den Iran. Zerstörung wie in Gaza jetzt auch im Libanon. Die Menschen dort sind verzweifelt. Im Iran sehnen sich die Menschen nach Befreiung von einem Regime, das im Januar allein an zwei Tagen mutmaßlich 30 000 Menschen ermordet hat. Doch die Bilder aus dem Iran mit brennenden Ölraffinerien und Gasfeldern sind apokalyptisch. Die Sonne ist verdunkelt, die Luft vergiftet. Hier sterben nicht nur Menschen – hier kann man auch von einem Ökozid sprechen. Wie viele Jahrzehnte wird es brauchen, bis sich die Umwelt von diesem Horror der verbrannten Erde erholt hat?
Dieser Krieg zeigt es deutlich: Wir können uns keinen einzigen Krieg mehr leisten, wenn wir den Planeten und unser Leben darauf noch retten wollen! Denn:
Es gibt keinen Planeten B!
Und unsere Regierung?
- Anders als die spanische Regierung es tut, die ein Überflugverbot erlassen hat, erlaubt sie die Nutzung der US-Base Ramstein für den schmutzigen Iran-Krieg.
Wir fordern: Keine Kriegsunterstützung von US-Basen in Deutschland aus! - Zum Genozid Israels am palästinensischen Volk hat sie aus Staatsräson weitgehend sehr laut geschwiegen.
Wir fordern ein klares Nein zur israelischen Kriegsführung und den Stopp aller Waffenlieferungen nach Israel! - Gegen jede militärische Vernunft betreibt sie die Stationierung von US-Mittelstreckenraketen, die Russland bedrohen.
Wir fordern: Keine Stationierung von Mittelstreckenraketen! - Gegen seriöse Analysen der Interessen Putins behauptet sie die unmittelbare Gefahr eines russischen Angriffs auf die NATO. Mit ihrem Aufrüstungsprogramm setzt sie die soziale und kulturelle Basis unserer Gesellschaft aufs Spiel. Es ist nicht nur die AfD, die unsere Demokratie bedroht – es ist die Bundesregierung selbst, die einen nie da gewesenen und folgenschweren Militarismus befeuert. Rheinmetall und Co profitieren maximal, und in Aalen freut man sich, dass Hensoldt expandiert.
Wir fordern: Schluss mit der Aufrüstung!
Wir sagen NEIN zur Kriegsertüchtigung!
Was lässt hoffen?
Dass viele Menschen nicht kriegstüchtig werden wollen. Lasst uns mit ihnen in Verbindung sein und Widerstand gegen die Kriegsvorbereitungen organisieren. Dass Soldaten sich Kriegen widersetzen und desertieren. Auch in unserem Land wollen junge Menschen kein Kanonenfutter für eine sinn- und perspektivlose Kriegspolitik sein. Die Zahl derer, die bereits jetzt den Kriegsdienst verweigern, steigt. Lasst uns nicht verstummen. Lasst uns aufstehen gegen die Lüge, Friede könne durch Kriege herbeigeführt werden.
Lasst uns überall, wo wir leben und wirken einstehen für die planetarische Perspektive: Alle Menschen sind gleich an Würde und an Rechten. Mensch und Natur sind gleichberechtigte Partner. Es gibt keine Rechtfertigung für Mord und Zerstörung. Ich ende mit einem Wort zu Ostern des religiösen Sozialisten Christoph Blumhardt: Wir sind Protestleute gegen den Tod!
Vielen Dank.
Susanne Büttner ist Ev. Dekanin im Justizvollzug BaWü.