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Redebeitrag für den Ostermarsch in Augsburg am 4. April 2026
- Es gilt das gesprochene Wort -
Kriegstüchtig – Friedenstüchtig
Liebe Freundinnen und Freunde,
Seit einigen Jahren ist es in aller Munde: Wir müssen alle kriegstüchtig werden. Zuallererst möchte ich dem entgegenhalten, dass in Anbetracht der Kriege mit Beteiligung von Nato Staaten in den vergangenen 30 Jahre eigentlich niemand davon reden kann, dass wir nicht schon längst kriegstüchtig wären. Die Bundeswehr bombardierte völkerrechtswidrig Belgrad, wir Co-finanzierten, trotz offizieller Ablehnung der Bundesregierung Schröder/Fischer, den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg im Irak 2003, wir marschierten in Afghanistan ein, um dort unsere Freiheit zu verteidigen und schweigen seit 2001 zum völkerrechtswidrigen Anti-Terrorkrieg der USA, die mit ihren Drohnen, Raketen und Sondereinsatzkommandos im Nahen und Fernen Osten, die Menschenrechte und das Völkerrecht mit Füßen treten - - und das alles über die US-Basis in Ramstein, Deutschland. Wir unterstützen mit Waffenlieferungen den Genozid im Gaza, die Gewalt und Vertreibung auf der Westbank, den Krieg im Libanon und im Iran.
Solange es „unsere“ Kriege sind, huldigen wir ihnen als „Friedensmissionen“.
Die permanenten Völkerrechtsverletzungen, das Sterben und die Zerstörung die wir direkt oder indirekt verursachen, sind die Kollateralschäden, die wir in Kauf nehmen im Namen von Frieden und Demokratie.
Nun aber reicht es nicht mehr, dass unsere Regierungen schon immer kriegstüchtig waren. Nun sollen wir alle auf einmal alle „kriegstüchtig“ werden. Und zwar, weil auch andere Länder auf die Idee gekommen sind, wie wir die Welt nach ihren Vorstellungen zu formen.
Und prompt fühlen sich unsere Regierungen von diesem Verhalten bedroht.
Kriegstüchtig werden heißt, gigantisch aufzurüsten – mit Summen, die unvorstellbar erscheinen. In einigen Jahren sollen es über 200 Milliarden Euro im Jahr sein, das wären fast 40 % des Bundeshaushalts 2026. Aber auch mental sollen wir wieder kriegstüchtig werden. Wir müssen lernen zu unterscheiden, wer gut und wer böse ist. Die Guten sind selbstverständlich wir.
Kriegstüchtig werden heißt uns darauf vorzubereiten in den Krieg zu gehen und dort zu sterben. Bzw. unsere Kinder dort sterben zu lassen.
Kriegstüchtig werden heißt, um es kurz zu machen: auf dem Rücken der arbeitenden Bevölkerung die Kassen der Rüstungsindustrie und ihrer Aktionäre zu füllen, dafür Sozialabbau zu betreiben, und um das stimmungstechnisch abzufedern, gleichzeitig mit rassistischen Stereotypen alle gegenwärtigen Probleme in Deutschland Menschen mit Migrationshintergrund in die Schuhe zu schieben.
Das hört sich in meinen Ohren an wie der direkte Weg in ein neues faschistoides Zeitalter.
Was würde es dagegen bedeuten, friedenstüchtig zu sein?
Zuallererst bedeutet es, sich auf den Grundgesetzauftrag zu beschränken: Die Landesverteidigung. Und die beginnt weder am Hindukusch noch im Donbass, braucht keine Kriegsschiffe in der Straße von Taiwan und auch nicht im Roten Meer.
Friedenstüchtig werden heißt: Friedenserziehung statt Bundeswehroffiziere in den Schulen.
Friedenstüchtig werden heißt: Gelebte Demokratie an den Schulen anstatt einer Verfassungsviertelstunde.
Friedenstüchtigkeit bedeutet: Geschwisterlichkeit mit den armen Menschen, Geschwisterlichkeit mit den alten und den jungen Menschen, Geschwisterlichkeit mit Menschen mit Migrationshintergrund, mit Menschen auf der Flucht. Übrigens: Meist auf der Flucht vor unseren Kriegen und Wirtschaftskriegen.
Friedenstüchtig werden heißt: Eine antiimperialistische Außen- und Wirtschaftspolitik ohne Kanonenboote und erpresserischer Freihandelsverträge!
Friedenstüchtigkeit bedeutet das Völkerrecht und die UN Charta uneingeschränkt zu respektieren.
Friedenstüchtig heißt anzuerkennen, dass wir alle Menschen mit den Gleichen Rechten und Pflichten sind, mit den gleichen Ansprüchen auf angemessenen Wohnraum, Nahrung, Gesundheitsversorgung und Bildung. Das gilt auch für die Menschen im Gazastreifen, in der Westbank, im Libanon, im Iran und in vielen anderen Kriegen.
Friedenstüchtig zu sein heißt, die Souveränität anderer Staaten zu achten, und die Bewahrung der Schöpfung ihrer Zerstörung vorzuziehen. Gewalt darf niemals eine Option der Politik sein.
Friedenstüchtig sein bedeutet für uns alle, Widerstand gegen den Kriegstüchtigkeitswahnsinn zu leisten und der mit ihr einhergehenden Militarisierung des Denkens und Handelns.
Wir dürfen uns nicht an eine Lebensweise und ein Verständnis von zwischenmenschlichen Beziehungen gewöhnen, die von Gewalt und Unterdrückung geprägt sind.
Vielen Dank!
Tobias Bevc ist aktiv bei prax christi.