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Redebeitrag für die Ostermarschkundgebung in Siegen am 4. April 2026
- Es gilt das gesprochene Wort -
Liebe Friedensfreundinnen und Freunde,
ich weiß nicht, wie oft ich schon an einem Ostermarsch teilgenommen und für den Frieden demonstriert habe. Ich hatte noch nie der Logik getraut, dass durch vehemente Aufrüstung und mit militärischer Stärke der Frieden bewahrt werden könne. Aber ich hätte nie gedacht, dass wir hier – mitten in Europa – so nah an einem Krieg wären, ein III. Weltkrieg durchaus im Bereich des Möglichen liegen könnte.
Wir sollen wieder „kriegstüchtig“ werden fordert konsequent unser Verteidigungsminister und ich frage mich: Was heißt das in letzter Konsequenz? Ich lese gerade ein Buch eines bekannten österreichischen Militäranalysten mit dem bezeichnenden Titel: „Die Rückkehr des Krieges.“ Der Autor - hochrangiger Militär und Berater von NATO und Regierungen - kritisiert, dass „sich Deutschland seine Streitkräfte noch immer in erster Linie als Friedens-und nicht als Kriegsinstrument vor(stelle).“ „Die Anwendung von physischer Gewalt und das Töten“ – so fährt er fort – „wird dementsprechend nicht als primäre Funktion der Streitkräfte angesehen“. Das muss sich seiner Meinung nach dringend ändern: „Vor allem müssen wir uns in Europa wieder mit dem Gedanken anfreunden, unsere Streitkräfte als Instrumente der Gewalt und unsere Soldaten als Kämpfer zu betrachten.“ Dazu bräuchte es neben dem unbedingten Willen, „dem Staat zu dienen“ vor allem wieder eine
„Kriegerkultur“, die die Soldaten beseelen müsse. Auch die Bevölkerung muss sich auf den kommenden Krieg vorbereiten: „Es geht darum“ – so fordert er – „einen patriotischen Gemeinschaftssinn zu erzeugen“. Dazu „hilft ... ein gemeinsames Feindbild, die Gesellschaft hinter einer Kriegsanstrengung zu versammeln.“ Natürlich darf der oft zitierte preußische Militärtheoretiker Clausewitz nicht fehlen: „Der Krieg ist ein Akt der Gewalt, um den Gegner zur Erfüllung unseres Willens zu zwingen.“
Mir wird ganz anders beim Lesen dieser Zeilen. Eiskalt wird daran gearbeitet, die ganze Gesellschaft wieder auf einen neuen Krieg vorzubereiten. Für uns alle wird der Krieg nur Tod und Elend bedeuten, für einige wenige – wie immer – enorme Profite und Macht. Diesem Kriegstreiben muss ein Ende gesetzt werden. Wobei die Kriegstreiber sich diesmal wirklich verrechnet haben könnten: Entweder wird – wenn ein solcher Krieg sich zum Weltkrieg auswächst – die ganze Menschheit darin umkommen oder es zeigt sich, dass die Völker aller Länder sich nicht durch das Geschwafel vom „patriotischen Gemeinschaftssinn“ gegeneinander aufhetzen lassen. Nur durch Solidarität der Völker über die Nationalgrenzen hinweg können sie dem Kriegstreiben ein Ende setzen.
Liebe Leute, lasst Euch nicht einlullen: Es geht den Regierungen fast aller Länder und den hinter ihr stehenden Mächtigen nicht darum, den Frieden durch
immer mehr Aufrüstung zu schaffen, sondern mit eben diesen Waffen den Krieg vorzubereiten.
Wir von der Gruppe „Stoppt den Krieg“ legen dabei großen Wert darauf, dass wir alle Kriegstreiber verurteilen. Der Krieg in der Ukraine ist von beiden Seiten ungerecht, der völkerrechtswidrige Angriffskrieg der USA und Israels gegen den Iran ist es ebenso, aber auch das verbrecherische Mullah-Regime gehört auf den Müllhaufen der Geschichte. Ihre Kriege, die letztlich Ausdruck der weltweiten Krise des kapitalistischen Systems sind, sind nicht unsere Kriege. Unsere Solidarität gilt allen Völkern, die weltweit gegen Krieg, Faschismus, Armut und Unterdrückung kämpfen.
Hoch die internationale Solidarität!
Traugott Nassauer ist aktiv im Bündnis "Stoppt den Krieg".