Redebeitrag für den Ostermarsch Würzburg am 4. April 2026

 

- Es gilt das gesprochene Wort -

 

Liebe OstermarschiererInnen,

auf 85 Sekunden vor 12 steht die Doomsday Clock, die Weltuntergangsuhr. 85 Sekunden bleiben noch, um die Menschheit vor der Selbstzerstörung zu bewahren, verursacht durch Klimakatastrophe, Missachtung internationalen Rechts, systematische Desinformation und nukleares Wettrüsten.

Es war ein großes Versprechen an die Welt, als 1970 der Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet wurde und die damaligen fünf Atomwaffenstaaten USA, UDSSR, China, Großbritannien und Frankreich versprachen, ihre nuklearen Arsenale abzubauen mit dem Ziel einer atomwaffenfreien Welt. Seit 60 Jahren hofft die Welt vergeblich auf dieses Ende der atomaren Bedrohung. Sie muss vielmehr erleben, dass alle Verträge zwischen Russland und den USA zu atomarer Abrüstung aufgekündigt sind, die nach 1990 tatsächlich zu einem Abbau der Atomarsenale geführt hatten. Seit 15 Jahren nun findet ein neues Atom atomares Wettrüsten statt. Die inzwischen neuen Atomstaaten modernisieren ihre Arsenale.

Ganze 964 Milliarden Dollar planen die USA dafür in den nächsten 10 Jahren ein. China will nicht in Abrüstungsverhandlungen eintreten, weil es ja viel weniger Atomwaffen habe als USA und Russland, versichert aber genau wie Indien sie nicht als erste einzusetzen. Amerika und Russland behalten sich den Ersteinsatz vor.

Schon in den 1950er Jahren warnten Wissenschaftler vor der irrigen Annahme mit der Abschreckungsdoktrin könne dauerhaft der Einsatz von Atomwaffen im Kriegsfall verhindert werden, denn jeder Atomwaffenstaat werde, wenn er mit dem Rücken zur Wand stehe, diese Waffen einsetzen. Russland drohte den europäischen Helfern der Ukraine mit der Bombe.

Erst nach öffentlicher Aufforderung des chinesischen Präsidenten die nukleare Option auszuschließen, war davon nicht mehr die Rede. Trotzdem gilt der schlichte Satz eines deutschen Generals, den er den Träumen von einem Sieg der Ukraine entgegensetzte. Gegen eine Atommacht kann man keinen Krieg gewinnen. Eine atomwaffenfreie Welt gibt es nur,

wenn die Habenichtse aktiv werden. Mit dem Atomwaffenverbotsvertrag von 2021, dem inzwischen 99 Staaten beigetreten sind, verpflichten sich diese Atomwaffen nicht zu produzieren, zu lagern, weiterzugeben und einzusetzen. Leider ist kein Atomwaffenstaat dabei. Auch die EU-Länder weigern sich.

Die Atomkriegsgefahr ist heute größer denn je, sei er absichtlich oder versehentlich ausgelöst. Zum einen, weil wir es nicht mehr nur mit zwei gegnerischen Blöcken zu tun haben, wie im kalten Krieg, als die weltpolitische Situation noch einigermaßen überschaubar war. Die Welt von heute ist multipolar.

Viele Akteure ringen um weltpolitischen oder um weltpolitische oder regionale Vormacht. Siehe USA, China, Indien, Pakistan, allesamt Atomstaaten. Dazu kommen der Kampf um Ressourcen und die Klimakrise als Konflikttreiber. All das erhöht die Kriegsgefahr und also auch die Atomkriegsgefahr.

Wer heute immer noch die nukleare Abschreckung als das Mittel der Wahl für die eigene Sicherheit ansieht, ist blind für die Realitäten. Denn logischerweise steigt die Atomkriegsgefahr, je mehr Länder die Atombombe haben. Die viel diskutierte Euro oder gar deutsche Bombe würde vermutlich noch mehr Staaten animieren, auch welche anzuschaffen.

Alle modernen Atomwaffen haben eine mindestens 20-mal so hohe Sprengkraft wie die Hiroshima Bombe. Laut eines hohen Militärs würde schon der Abwurf einer dieser Bomben genügen, um einen Atomkrieg auszulösen. Ca. 12000 Atomwaffen gibt es. 1800 davon sind in ständiger Alarmbereitschaft. Innerhalb von wenigen Minuten können sie aktiviert werden. Nur 3 % dieser Waffen reichen aus, sofort 100 Millionen Menschen zu töten. 2 Milliarden Menschen würden verhungern, weil ein nuklearer Winter ausbreche. Alle technischen sozialen Systeme weltweit würden ausfallen. Humanitäre und gesundheitliche Versorgung wären unmöglich.

Das Risiko eines versehentlichen Abwurfs steigt auch. 20 solcher Beinahe Angriffe gab es in der Vergangenheit. Menschliches Eingreifen konnte das Schlimmste verhindern. Es ist fraglich, ob das künftig gelänge angesichts der deutlich kürzeren Flugzeit moderner Atomwaffen und ihrer digitalen Systemsteuerung, die nie ganz sicher vor Cyberhacking sein kann.

Darum fordern wir Atomwaffen abschaffen.

Schritte dahin sind der Verzicht der NATO auf den Erstschlag, die Herabsetzung der höchsten Alarmstufe, Wiederbelebung der alten Kontrollverträge,Einhalten internationaler Verträge, eine deutsche Bombe wäre ein Verstoß dagegen. Bekanntmachen der UN-Studie zu Folgen des Atomeinsatzes und zuletzt Beitritt Deutschlands zum Atomwaffenverbotsvertrag, mindestens aber die Teilnahme als Beobachter bei der Überprüfungskonferenz in diesem Jahr.

Viel Zeit bleibt uns nicht mehr. Nutzen wir sie.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 

Uta Deitert ist aktiv bei Ökopax.