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Redebeitrag für den Ostermarsch Sachsen-Anhalt in Stendal am 6. April 2026
- Sperrfrist: 6. April, Redebeginn: ca. 13 Uhr -
- Es gilt das gesprochene Wort -
"NEIN! zu Krieg, Aufrüstung und Wehrpflicht”
Liebe alle,
die sich heute hier in Stendal getroffen haben, um für Frieden auf die Straße zu gehen.
Ich bin mir sicher ein Gedanke eint uns alle, die wir heute hier sind:
Wir alle wollen ein Leben in Frieden leben.
Wir alle wollen, dass Kinder sicher aufwachsen.Dass sie lachen.
Dass sie unbeschwert, neugierig und sorgenfrei die Welt entdecken.
Aber die Realität ist, dass jeden Tag - auch heute, genau in diesem Augenblick -
Kinder dem erbarmungslosen Schrecken des Krieges ins Auge blicken müssen.
Beispielsweise in Gaza, der Ukraine, im Sudan und im Jemen.
Kinder erleben Krieg und sie sterben im Krieg.
Jeden Tag.
Was das konkret bedeutet, kann ich persönlich zu meinem großen Glück nicht berichten.
Deshalb möchte ich heute Alaa meine Stimme leihen und Teile eines Briefes vorlesen, den sie im Dezember 2023 auf der Seite der Organisation “CARE” veröffentlicht hat. Ich habe den in englisch veröffentlichten Brief ins Deutsche übersetzt.
Alaa ist 30 Jahre alt. Sie hat Pädagogik und Psychologie studiert.
Doch seit 2023 hat all das für sie und ihre 3 Kinder keine Bedeutung mehr.
Lasst mich euch einen kleinen Teil ihrer Geschichte erzählen:
Sie beschreibt den Morgen des 7.Oktober 2023. Einen Morgen, der eigentlich ganz normal beginnen sollte. Sie macht ihre Kinder fertig für den Kindergarten und die Schule, zieht ihnen Jacken an und Schuhe.
Und dann hört sie die ersten Luftangriffe.
Plötzlich bleibt keine Zeit mehr. Nur Minuten, um das Nötigste zusammenzupacken. Sie läuft ins Kinderzimmer, greift ein paar Sachen und steht dann noch einmal in ihrem Zuhause.
An dem Ort, an dem sie so lange gelebt hat. Und sie weiß nicht, ob sie jemals dorthin zurückkehren wird.
Die Familie flieht und kommt bei Verwandten unter. Viele Menschen leben dort auf engstem Raum. Es gibt kaum Platz, kaum Ruhe. Sie lebt dort wochenlang in Anspannung und in ständiger Ungewissheit.
Dann trifft ein Luftangriff das Nachbarhaus. Als die Bombe einschlug, versuchte sie gerade noch, ihre Kinder mit Spielen abzulenken, ihnen ein Stück Normalität zu geben.
Und dann gibt es plötzlich nur noch Chaos. Lärm. Der Boden bebt. Rauch und Staub überall.
Sie nimmt ihr jüngstes Kind auf den Arm, die anderen rennen neben ihr her.
Sie schreibt:
“Ich konnte nichts sehen, und meine Kinder schrien vor Angst.
Seit ich ihre kleinen Gesichter zum ersten Mal gesehen habe, wollte ich nichts anderes, als sie zu schützen und gesund zu halten.
Und jetzt, in einem einzigen Moment, konnte ich nichts anderes tun,
als ihnen zu sagen, sie sollen schneller laufen.”
CARE International (o. D.): A letter from a mother in Gaza (Alaa, 30). Online verfügbar unter: https://www.careinternational.org.uk/news-stories/a-letter-from-a-mother...(Zugriff am: 05.04.2026 um 20:01 Uhr)
Später erfährt sie, dass alle Menschen im Nachbarhaus gestorben sind.
Seitdem versucht sie, stark zu bleiben für ihre Kinder. Sie macht Witze, versucht sie abzulenken. Aber sie sieht, was dieser Krieg mit ihnen macht. Kinder, die einmal voller Freude waren, haben jetzt Angst, das Haus zu verlassen.
Die Kinder fragen sie immer wieder: „Mama, wann gehen wir wieder nach Hause?“
Das Erste, was ihr Sohn Taim sie jeden Morgen fragt, ist: „Mama, ist der Krieg vorbei? Kann ich wieder zur Schule gehen?“
Ihre Tochter hält sich bei jedem lauten Geräusch die Ohren zu und hat Angst zu sterben.
Sie leben mit vielen anderen Menschen zusammen. Es gibt kaum Platz, kaum sauberes Wasser. Niemand weiß, wie es weitergeht oder wohin man noch gehen kann.
Und am Ende formuliert sie einen Wunsch:
“Als Mutter, als Frau und als Palästinenserin aus Gaza wünsche ich mir nur eines:
Dass die Gewalt aufhört.
Einen dauerhaften Frieden.
Ich wünsche mir, meine Kinder ansehen zu können, ohne Angst zu haben, dass es das letzte Mal ist, dass ich sie in den Arm nehme.
Ich wünsche mir, dass das ständige Weinen und Schreien,
die furchteinflößende Geräuschkulisse dieses Krieges, aufhört.
Damit wir wieder unsere Kinder lachen hören können.
Und sie einfach Kinder sein dürfen.”
CARE International (o. D.): A letter from a mother in Gaza (Alaa, 30). Online verfügbar unter: https://www.careinternational.org.uk/news-stories/a-letter-from-a-mother...(Zugriff am: 05.04.2026 um 20:01 Uhr)
Alaa’s Brief steht beispielhaft für die vielen Familien, die vielen Kinder, die dem Krieg in all seiner Erbarmungslosigkeit, in all seinem Grauen ausgesetzt sind.
Er steht für das, was niemand von uns jemals erleben will.
Aber wenn wir Frieden wollen, dann müssen wir anfangen, ihn aktiv zu schaffen.
Frieden beginnt dort, wo Menschen miteinander reden, nicht aufeinander schießen.
Das heißt:
Radikales Abrüsten und den Stopp aller Waffenexporte.
Stattdessen braucht es internationale Solidarität und Friedensverträge durch gemeinsame Verhandlungen.
Frieden bedeutet, dass wir aufhören müssen Geld in totes Metall zu stecken
und endlich anfangen, in Menschen zu investieren.
In Bildung. In soziale Sicherheit. In eine gerechte Verteilung von Lebensmitteln.
Denn Frieden entsteht nicht durch Gewalt, sondern durch Gerechtigkeit.
Dort, wo Menschen genug haben.
Wo sie gehört werden.
Wo sie nicht um ihr Überleben kämpfen müssen.
Und ja, Frieden braucht auch Mut.
Den Mut, Konflikte anders zu lösen.
Den Mut, nicht sofort in Feindbildern zu denken.
Den Mut, aufeinander zuzugehen,auch wenn es schwer ist.
Und Frieden beginnt nicht irgendwo weit weg.
Frieden beginnt genau hier.
In der Art, wie wir miteinander umgehen.
Wie wir sprechen.
Wie wir streiten.
Ob wir Hass weitertragen oder ihn im Keim ersticken.
Ich will für eine Welt kämpfen,
in der kein Kind Angst haben muss zu sterben.
Eine Welt, in der niemand hungern muss,
in der jedes Kind zur Schule gehen kann,
in der Kinder einfach Kinder sein dürfen.
Und ich will, dass wir nicht aufhören laut zu sein.
Dass wir nicht wegschauen.
Dass wir uns nicht daran gewöhnen.
Denn wir alle gemeinsam haben einen Einfluss.
Durch das, was wir sagen.
Durch das, was wir hinnehmen oder eben auch nicht.
Durch das, wogegen wir laut sind.
Durch ein klares NEIN zu Krieg, Aufrüstung und Wehrpflicht.
Damit alle Kinder überall auf der Welt wieder lachen können.
Vielen Dank!
Vanessa Mertens ist Direktkandidatin im Wahlkreis 08 "Wolmirstedt" für die Partei "Die Linke.