Redebeitrag für den Ostermarsch in Unterlüß am 4. April 2026

 

- Sperrfrist: 4. April, Redebeginn: ca. 12 Uhr -
- Es gilt das gesprochene Wort –

 

Liebe Freundinnen und Freunde,

Was sagt denn eigentlich die Kirche zu Krieg und Frieden? Leider sagt sie Widersprüchliches. Oder sie laviert um eine klare Positionierung herum. Schon vor Jahren wollten sich die evangelische und die katholische Kirche von der Lehre vom Gerechten Krieg verabschieden. Die Lehre vom Gerechten Frieden wurde verkündet. Jetzt scheint mir das Konzept des Gerechten Krieges wiederzukehren.                  Beispiel Ukraine – Russland:

  1. Krieg sei gerecht, wenn er von einer rechtmäßigen Autorität erklärt wird. Ist automatisch eine Regierung wie die der Ukraine eine rechtmäßige Autorität? Ohne die UNO?
  2. Der Grund für den Krieg muss gerecht sein. Das scheint vielen auf der Hand zu liegen: Die Ukraine verteidigt sich gegen eine russische Aggression. Verteidigung ist gerechtfertigt, auch völkerrechtlich. Aber was ist mit der Vorgeschichte? Mit den verborgenen Gründen für die westliche Unterstützung der Ukraine?
  3. Die Absicht muss gerecht sein, angeblich die Wiederherstellung der territorialen Integrität der Ukraine. Und – ideologisch überhöht – die Sicherung des demokratischen Westens mit all seinen Werten. Sind diese Werte nicht längst zerbröselt – durch die Kriegsführung? Durch Doppelmoral? Durch Manipulation?
  4. Die Verhältnismäßigkeit der Mittel muss gewährleistet sein. Da wird es echt heikel. Ist es verhältnismäßig, wenn für minimale Landgewinne Tausende Soldat:innen sterben? Wenn eine Rüstungsspirale in Gang gesetzt wird, die Milliarden verschlingt und wenn dadurch das Geld für lebenswichtige Projekte in unserem Land fehlt? Wenn unsere nachfolgenden Generationen unfassbar belastet werden mit den aufgehäuften Schulden?
  5. Das Kriterium des Schutzes für die Zivilbevölkerung kann keine Kriegspartei einlösen. Im gegenwärtigen Krieg zerstört Russland Infrastruktur in der Ukraine und umgekehrt; Menschen werden von Strom und Wasser abgeschnitten. Es sind Zivilisten, deren Häuser bombardiert werden. Zivilisten werden getötet, die niemanden angegriffen haben.

Die Lehre vom Gerechten Krieg ist abzulehnen. Sie ist nicht christlich. Jedenfalls nicht, wenn die Christ:innen sich auf Jesus von Nazareth berufen. Er hat von denen, die ihm folgen wollen, Nächstenliebe und Feindesliebe gefordert. Feindesliebe – das ist zugegebenermaßen schwierig! Doch darunter ist kein romantisches Gefühl zu verstehen. Sondern die grundsätzliche Absage an Hass und an das Streben nach Vernichtung. Die Casa Comun, ein Zusammenschluss christlicher Basisinitiativen, hat kürzlich gesagt: „Wir müssen eine Praxis der Nicht-Unterwerfung entwickeln und Orte des Ungehorsams gegen die Kriegslogik stiften.“ – Machen wir aus Unterlüß einen Ort des Ungehorsams!

Gern hätte ich mehr über die Position von pax christi gesprochen. Aber ich möchte wenigstens auf die jüngste Erklärung zum Rüstungsexport in den Nahen Osten verweisen, die auf unserem Infotisch ausliegt. Bedient euch reichlich!    

Vielen Dank!

 

Veronika Hüning ist aktiv bei pax christi.