Redebeitrag für den Ostermarsch in Unterlüß am 4. April 2026

 

- Es gilt das gesprochene Wort –

 

Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,

zuerst herzliche Grüße von den Braunschweiger Friedensfreunden, die zur Stunde durch die Braunschweiger Innenstadt demonstrieren. Wir haben vor kurzem die 17-tägige Werbeshow der Bundeswehr mit Gegenöffentlichkeit begleitet. Mit vereinten Kräften, Jung und Alt waren wir jeden Tag präsent, haben gegen „das Werben fürs Sterben“ demonstriert, auf Alternativen zu Aufrüstung und Krieg aufmerksam gemacht und fanden neben blöden Sprüchen auch viel Zustimmung. Aktive junge Leute aus der Schulstreik-Bewegung und aus Jugendverbänden haben für ein deutlich jüngeres Durchschnittsalter bei diesen Aktionen gesorgt. Das macht Hoffnung.

Ein Blick zurück:

Vor 90 Jahren konkretisierte Adolf Hitler in der Denkschrift zum Vier-Jahresplan 1936 die Aufgabe der deutschen Wirtschaft so: „Die deutsche Wirtschaft […] wird die neuen Wirtschaftsaufgaben begreifen oder sie wird sich eben unfähig erweisen in dieser modernen Zeit, in der ein Sowjet-Staat einen Riesenplan aufrichtet, noch weiter zu bestehen.“[1] Die Denkschrift endete mit dem Satz „I. Die deutsche Armee muss in 4 Jahren einsatzfähig sein. II. Die deutsche Wirtschaft muss in 4 Jahren kriegsfähig sein.“ Göring führte diese Denkschrift in die folgende Kabinettssitzung mit den Worten ein: „Sie geht von dem Grundgedanken aus, dass die Auseinandersetzung mit Russland unvermeidbar ist.“[3] Das war 1936. Wie es endete ist bekannt. Heute, 90 Jahre später fast dieselben Worte: „Kriegstüchigkeit“, „Russland wird immer Feind sein“

Profiteure dieser Politik gestern wie heute sind Rheinmetall und andere Rüstungskonzerne. Sie nutzen die Wirtschaftskrise und besonders die Krise der Auto-Industrie schamlos aus. Voll gestopft mit Steuergeldern, grasen sie den „Arbeitsmarkt“ nach Fachleuten aller Qualifikationsstufen ab. Rheinmetall sucht für Unterlüß 800 Leute, in Niedersachsen bis zu 2300 Fachkräfte. Sie sollen schwerpunktmäßig Munition und Panzer bauen.

In Braunschweig hat Rheinmetall die Betriebsstätte und das know-how der Fa. Leichtwerk übernommen. 40 Leichtbau-Spezialisten bauen jetzt Drohnen fürs Militär statt für zivile Einsätze. VW und seine Zulieferer bauen hunderte von Ingenieursstellen in der Region Wolfsburg-Gifhorn-Braunschweig-Salzgitter ab. Auch dort wird Rheinmetall fündig. Vor die Alternative gestellt, arbeitslos zu werden, das jüngst gebaute Eigenheim verkaufen zu müssen oder Waffen zu bauen, ist klar, wofür sich die Menschen entscheiden.

VW Osnabrück droht eine militärische Zukunft. Rheinmetall hat angeblich abgewunken. Ob das ernst gemeint ist oder ob man nur eine Finanzspritze des Staates herauslocken will, ist fraglich. Prototypen von VW-Militär-Fahrzeugen werden schon vorgeführt. Über eine Kooperation mit einem israelischen Rüstungskonzern wird beraten. Ausgerechnet mit einer Institution des Staates, der des Völkermords angeklagt ist – Profit kennt keine Moral!

Ein Blick in die VW-Geschichte wäre lehrreich:1939 stellte das VW-Werk auf Rüstungsgüter um. Kübelwagen, Bomben, Flugzeugteile, Teile für die V2 wurden produziert. Die Belegschaft bestand zu zwei Dritteln aus Zwangsarbeitern. Ferdinand Porsche entwickelte den Kampfpanzer Maus. Die Lehre aus unserer Geschichte lässt nur eine Antwort auf diese Entwicklung zu: Nie wieder Rüstungsproduktion, Widerstand gegen die Militarisierung unserer Gesellschaft. Es gibt genug Alternativen zu Rüstungs-Arbeitsplätzen.

Zum Glück gibt es jetzt Widerstand von Gewerkschaftern und Betriebsräten. In der Resolution der IG Metall-Kollegen von ZF Hannover heißt es: „Wer uns verspricht, dass Rüstungsaufträge unsere Jobs sichern, nutzt unsere Existenzängste in Zeiten der Transformation aus. Doch Rüstungsproduktion ist keine nachhaltige Strategie.“ Und weiter: „Unser know-how gehört in die Entwicklung klimaschonender Antriebe, nicht Waffensysteme.“

IG-Metaller bei VW erklären: „Aufrüstung und Kriegswirtschaft sind gegen die Interessen der Kolleginnen und Kollegen und unserer Familien und widersprechen gewerkschaftlichen Zielen. Und wir rufen den IG Metall-Vorstand, den Betriebsrat und alle Mitglieder auf: Nein zum Umbau auf Kriegswirtschaft!“

Richtig so! Unterstützen wir diese mutigen Kolleginnen und Kollegen!

Rüstung schafft keine Arbeitsplätze – sie vernichtet Arbeitsplätze!

Weil das Geld für Rüstung woanders fehlt.

Es fehlt bei der Sanierung unserer maroden Infrastruktur – Bahn und andere Verkehrswege, Brücken, Schulen, Unis, Sporthallen. Es fehlt im Gesundheitswesen, in der Pflege, im Bildungsbereich – man könnte diese Aufzählung endlos fortsetzen. In diesen Bereichen könnte mit demselben finanziellen Aufwand das mehrfache an Arbeitsplätzen entstehen.

Mit 1 Mrd. Euro könnten 6000 Arbeitsplätze im Militärbereich entstehen. Dieselbe Summe würde aber in den Sektoren Umwelt 11.000, Gesundheit 15.000 und Bildung knapp 18.000 Arbeitsplätze schaffen – hat Greenpeace errechnet.

Rüstung kostet schon im Frieden Menschenleben:

Geht es bei uns um die eben geschilderten Mängel, geht es weltweit um Hunger, Wassermangel, Naturkatastrophen als Folge des Klimawandels.

Wir können uns die Verschwendung von 2,7 Billionen Dollar – 2700 Milliarden! - fürs Militär nicht mehr leisten. Zum Vergleich: Die UN schätzt den Aufwand für die Bewältigung des Hungers auf 239 Mrd. Dollar pro Jahr – weniger als 10 % der Rüstungskosten. 

Jedes ungelöste Problem wie Hunger, Wassermangel, Migration als Folge des Klimawandels schafft neue Kriegsgründe.

Zum Thema Rüstungsausgaben möchte ich einen Berufssoldaten zitieren: «jede Kanone, die hergestellt wird, jedes Kriegsschiff, das vom Stapel läuft, jede Rakete, die gestartet wird, (ist) ein Diebstahl von jenen ist, die hungern und denen nichts zu essen gegeben wird, die frieren und die nicht gekleidet werden». Die Rüstungsausgaben einer jeden Nation «verschwenden den Schweiß ihrer Arbeiter, den Genius ihrer Wissenschaftler, die Hoffnungen ihrer Kinder».

Und weiter:

«Wir müssen auf der Hut sein vor unberechtigten Einflüssen des militärisch-industriellen Komplexes, ob diese gewollt oder ungewollt sind. Die Gefahr für ein katastrophales Anwachsen unbefugter Macht besteht und wird weiter bestehen. Wir dürfen niemals zulassen, dass das Gewicht dieser Kombination unsere Freiheiten oder unseren demokratischen Prozess bedroht.»

Sagte Dwight D. Eisenhower vor 60 Jahren, damals Präsident der USA, vorher General Dem ist nichts hinzuzufügen, außer: Machen wir Schluss mit der Militär-Logik!

Vielen Dank!

 

Werner Hensel ist aktiv beim Braunschweiger Friedensbündnis.