Redebeitrag zum Flaggentag 2025 in Wetzlar am 8. Juli

 

- Es gilt das gesprochene Wort -

 

Liebe Freundinnen und Freunde,

Heute zeigen wir in Wetzlar Flagge für den Frieden.

Der Internationale Gerichtshof in Den Haag stellte am 8. Juli 1996 fest, dass die Androhung des Einsatzes von Atomwaffen und deren Nutzung gegen das Völkerrecht verstoßen.

Aus diesem Anlass zeigen die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister für den Frieden heute Flagge gegen die Atomwaffen. Der Bürgermeister von Hiroshima hat 1982 „Mayors for Peace“ ins Leben gerufen. Annähernd 8.500 Städte in 166 Ländern gehören dem Netzwerk an, über 900 Städte und Gemeinden in Deutschland. Wetzlar und Herr Bürgermeister Viertelhausen sind dabei.

Vor 80 Jahren haben zwei Atombomben die Städte Hiroshima und Nagasaki in Sekundenbruchteilen in Schutt und Asche gelegt. Hunderttausende Menschen verloren ihr Leben. Die Hibakusha, die Überlebenden dieser schrecklichen Katastrophen, leiden bis heute unter den Nachwirkungen der Strahlung. Sie betonen immer wieder, dass „niemand jemals wieder solche Qualen erleiden sollte“. Ihr innigster Wunsch ist die Abschaffung aller Atomwaffen. Letztes Jahr erhielten sie für ihr mutiges Engagement den Friedensnobelpreis.

Und was ist mit der völkerrechtlichen Ächtung der Atomwaffen? Die neun Atommächte modernisieren ihre Arsenale, besonders schnell wächst das chinesische. Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI geht aktuell von 12.241 Atomsprengköpfen weltweit aus. Die Militärausgaben erzielen jedes Jahr neue Rekordwerte, 2024 waren es 2.300 Milliarden Euro.

Im Januar 2021 ist der Atomwaffen-Verbotsvertrag der UNO in Kraft getreten. Inzwischen haben ihn 86 Staaten unterzeichnet. Bisher nicht beigetreten sind die Staaten, die Atomwaffen besitzen, ebenso wenig die mit ihnen verbündeten Länder wie Deutschland. Der Wetzlarer Friedenstreff tritt entschieden dafür ein, dass die Bundesregierung den UN-Atomwaffen-Verbotsvertrag unterzeichnet.

Doch es reicht nicht, gegen die Waffen zu sein.

Inzwischen haben wir Menschen weltweit Erfahrungen darin gesammelt, wie Kämpfe für Demokratie, Freiheit und Menschenrechte mit gewaltfreien Mitteln zu gewinnen sind. Dutzende Diktatoren haben die jeweiligen Bevölkerungen gewaltfrei besiegt, in Europa, Afrika, Asien, Amerika. Ebenso haben Menschen kriegerische Auseinandersetzungen mit friedlichen Methoden verhindert oder beendet, meist im Verbund mit politischen Verhandlungen.

Die Erfahrung zeigt, dass mindestens drei Faktoren für den Erfolg ziviler Kampfmethoden entscheidend sind:

  • Eine eindeutige Entscheidung der Akteurinnen und Akteure für Gewaltfreiheit,
  • eine fundierte Strategie,
  • eine umfassende Vorbereitung und Schulung eines relevanten Anteils der Bevölkerung in ziviler Verteidigung.

Es ist an der Zeit: Dass wir diese zivilen Methoden des Kampfes in den Fokus rücken. Dass wir sie systematisch trainieren. Dass wir in sie investieren.

Es ist nicht mal notwendig, das aus moralischen Gründen zu tun. Gewaltfreie Methoden sind vernünftiger. Sie fordern weit weniger Menschenleben, verursachen weit weniger Leid und Traumata, sind viel günstiger. Und in der Regel sind die erzielten Erfolge für Demokratie, Freiheit und Menschenrechte langlebiger.

Frieden kommt nicht von alleine. Heute, bis zum Nagasaki-Gedenktag am 9. August, zeigen wir in Wetzlar Flagge für den Frieden.

Und hoffentlich auch an jedem Tag danach.

Vielen Dank.

 

Peter Dietzel ist in der Friedensrabiet in Wetzlar aktiv.