Redebeitrag für die Protestaktion zur Hauptversammlung der Rheinmetall AG am 13. Mai 2025

 

- Transkript der frei gehaltenen Rede -

 

Liebe Freundinnen und Freunde,

ganz herzlichen Dank für die Einladung, hier sprechen zu dürfen. Joachim hat schon gesagt, Ich bin bekennender Fußballfan. Seit circa 50 Jahren laufe ich meinen Münsteraner Preußen hinterher. Die Leidenschaft ist im Laufe der Jahre ein bisschen abgekühlt, das liegt nicht nur daran, dass ich älter geworden bin, sondern das liegt vor allem auch daran, dass sich manche Dinge im Fußballbereich geändert haben.

Die Werbung im Stadion war damals Bandenwerbung, auf denen Bäcker Crimphofe darauf aufmerksam gemacht hat, dass die Brötchen bei ihnen wohl lecker sind. Es gab Werbung für Coca Cola, es gab Werbung vielleicht für eine Bausparkasse, aber auf jeden Fall noch nicht für Rheinmetall. Stadien hießen auch noch Rheinstadion, Ruhrstadion oder in Fürth "Rohnhof".

Zwischenzeitlich in Fürth hat es mal "Playmobil Arena" geheißen, die anderen Kommerznamen nenne ich nicht, weil ich die alle so fürchterlich und unerträglich finde. Warum benenne ich das jetzt mit meiner Geschichte als Fußballfan in Münster? 

Als Fußballverein ist Münster bislang noch einiges erspart geblieben? Anders beispielsweise im Bergischen Land, da gibt es einen Handballclub, den Bergischen HC, anders als hier in Düsseldorf, da gibt es einen Eishockeyverein, die DEG, und - Joachim hat es gerade genannt, anders als in Dortmund bei der Borussia.

Beim Bergischen HC fand ich auf deren Webseite, dass die einen Top Partner, 21 Premium Partner, 49 Teampartner, 6 Medien Partner und einen Cloud Partner haben, und Sie schreiben auf Ihrer Webseite: "Partnerschaften im Spitzensport treffen in der Gesellschaft auf breite Zustimmung, denn rund 78% der gesamten Bevölkerung stehen der Thematik positiv gegenüber. Die Akzeptanz geht durch alle Altersschichten und soziale Gruppen." Und dann beschreiben sie noch die Gründe für die hohe Akzeptanz. Damit will ich euch jetzt nicht im Detail langweilen. Abschließend teilen sie auf dem Kapitel mit: "profitieren Sie mit ihrem Unternehmen von der großen Begeisterung und dem positiven Image rund um den Handballsport im Rahmen einer Partnerschaft mit den Bergischen Löwen. Wir bieten ihnen zahlreiche individuell ausgestaltete Möglichkeiten. Für ihre Partnerschaft mit den sportlichen Aushängeschild im Profisport des Bergischen Landes." 

Da hat Rheinmetall zugegriffen. Rheinmetall gehört zu den 21 Premium Partnern dieses Vereins.

Ein weiteres die Düsseldorfer EG: Die Profi Abteilung ist seit 1997 in einer eigenständigen Spielbetriebsgesellschaft, der DEG Eishockey GmbH organisiert. Der Stammverein ist nur mit 26% an dieser GmbH beteiligt. Das heißt, die Fans und die Vereinsmitglieder haben nicht so richtig fürchterlich viel zu sagen. Das, was da bei der DEG passiert, ist eine Geschichte, bei der diese DEG GmbH dann entscheidet.

Und jetzt kommen wir zu Borussia Dortmund. Ziemlich genau jetzt vor einem Jahr hat es den Beginn der zunächst auf 3 Jahre befristeten Partnerschaft bei Borussia gegeben. Das Ganze ist verkündet worden, wenige Tage, oder einen Tag sogar nur vor dem Champions League Finale, sodass man hoffte, dass die Entrüstung unter den Teppich fällt und dass man nur über das Champions League Spiel spricht. Die Erwartung von Aki Watzke, der den Deal klar gemacht hat, ist nicht aufgegangen. Die Fans von Borussia Dortmund waren sehr angepisst. Auf der Webseite südtribünedortmund.de wird benannt, dass es zu keinem Zeitpunkt eine Beteiligung von Fanvertretern gegeben hat. Der in Öffentlichkeit entstandene Eindruck, Fanvertreter seien bei der Entscheidungsfindung zum Deal mit der Firma befragt worden, ist unzutreffend. Und sie lehnen entschieden ab, eigene Werte, die bei der Borussia verkündet werden, mit diesem Deal über Bord zu werfen. 

Wie ging die Geschichte weiter? zu Beginn der jetzt zu Ende gehenden Saison hatte die Borussia am ersten Spieltag am 24.8. ein Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt. Faninitiativen und Fangruppen waren mit dem Thema präsent, wir von der DFG-VK waren vor Ort, wir haben Aufkleber verteilt, die sich dagegen richten, wir haben Rote Karten verteilt, die sich gegen diesen Deal wenden, und es hat in den Medien ein gewaltiges Interesse gegeben. Eines der Transparente auf der Südtribüne, das ich gestern noch im Internet gesehen habe, hat den Titel "wir lassen uns nicht vor euren Panzer spannen". Also ein klares Bekenntnis der Fans, den Borussen, die da aktiv waren, gilt euer Applaus. 

Dann gingen weitere Wochen und Monate ins Land, der Deal war jetzt erstmal nicht mehr ganz weit vorne, Rheinmetall hat sich gefreut, dass sie mit Bandenwerbung da im Stadion waren. Ich glaube nur bei Bundesligaspielen. Ich war einmal beim Europapokal dabei und da habe ich keine dieser Rheinmetall Werbung gesehen. 

Ende November war dann in Dortmund in der Westfalenhalle 2 Tage lang hintereinander für Borussia Dortmund reserviert. Am 24 November war die Mitgliederversammlung von der Borussia und es gab einen Antrag, der sich gegen diesen Deal mit Rheinmetall gewandt hat. Gut 2 Drittel der Mitglieder fanden diesen Rheinmetall Deal Scheiße, haben sich dagegen ausgesprochen, man konnte also vielleicht Hoffnung haben, dass bei der Aktionärsversammlung am nächsten Tag die Aktionäre ähnlich handeln würden. 

Aber im Gegenteil: 99,84% befürworteten diese Deal, ich muss die Zahl ablesen, die ist so ungeheuerlich. Also ich sag mal so: Staatschefs im damaligen Realsozialistischen Osten hätten sich geschämt für 99,84, weil das schon zu heftig ist. 99,84 % waren mit diesem Deal einverstanden!

Warum machen die von Rheinmetall dieses Sportwashing? Warum geben die den Handballern, den Eishockeyspielern, den Fußballern so viel Geld? 

Sie wissen, seit dem 24.2. hat sich so ein bisschen der Diskurs geändert, der 24.2. nicht dieses Jahr, sondern vor 3 Jahren, als die Eskalation in der Ukraine mit dem Einmarsch russischer Truppen begann.

Damit hat eine vermeintliche Notwendigkeit von Rüstungsproduktion in der Bevölkerung doch irgendwie Anklang gefunden. Und es gibt das Wissen, dass die Überzeugung Einzelner auch davon abhängig ist, dass sie sich gerne den Überzeugungen der Mehrheit anpassen. 

Und wenn mit dieser Bandenwerbung, da im Stadion jetzt nicht mehr Sinalco Cola oder Bäcker Crimphofe, sondern Rheinmetall wirbt, dann wird vermittelt, dass die, dass das vielleicht was ganz normales ist, auch das ständige Wiederholen dieses Ladens, also dieses Namens Rheinmetall führt zu einer Normalisierung, und man hofft, und ich glaube, auch so ein bisschen hat man es geschafft, dass diese angebliche Notwendigkeit von Rüstungsproduktion zu einer gesellschaftlichen Akzeptanz geführt hat.

Als damals der Vertrag klar gemacht wurde, hat Watzke, der Chef von Borussia Dortmund, wörtlich gesagt, "Sicherheit und Verteidigung sind elementare Eckpfeiler unserer Demokratie", also der hat es nicht auf den Punkt gebracht." Ja Scheiße, wir brauchen das Geld um unseren teuren Etat von 440 Millionen €  irgendwie zu finanzieren und dafür kommt denen von Rheinmetall eine Image Verbesserung zugute".

Dieser Deal führt auch dazu, dass neue Mitarbeiter vielleicht eher bereit sind, bei Rheinmetall mitzuarbeiten. Rheinmetall sind inzwischen auch bei den Investmentfonds, wo sie vorher ausgeschlossen waren, wieder drin. Der Laden ist also damit in der Mitte der Gesellschaft schon fast angekommen, "sie sind gekommen, um zu bleiben", heißt es in der Studie, die von den kritischen Aktionären zu dem Deal erstellt worden ist. 

Ich muss leider nach den vielen positiven Kommentaren zu den Borussia Fans sagen, das Spiel gegen Frankfurt war auch das einzige, wo Protest gegen diesen Deal im Laufe der Saison stattgefunden hat. Vielleicht schaffen wir es in der kommenden Saison das noch mal zu wiederholen. Es wäre zu wünschen, es wäre zu wünschen, dass wir diese vermeintliche Normalität von Kriegsproduktion wieder zurückdrängen und wieder dazu beitragen, dass Rüstungsproduktion das Pfui-Bäh bekommt, dass es früher immer hatte, und zwar früher immer zu recht hatte. 

Danke für eure Aufmerksamkeit.

 

Felix Oekentorp ist aktiv bei der DFG-VK NRW und bekenndender Fußball-Fan.