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Redebeitrag zum Flaggentag der Mayors for Peace in Mutlangen am 8. Juli 2026
- Es gilt das gesprochene Wort -
Liebe Bürgerinnen und Bürger,
sehr geehrter Herr Minister a. D. Winfried Hermann,
lieber Kollege Johannes Schurr,
sehr geehrte Damen und Herren Gemeinderäte,
sehr geehrte Frau Eisenhut,
liebe Silvia,
liebe Mitwirkende und Unterstützende unseres Friedensfestes,
liebe Gäste,
ich freue mich sehr, Sie heute hier in unserem Wildpflanzenpark auf der Mutlanger Heide begrüßen zu dürfen.
Heute ist der internationale Flaggentag der Mayors for Peace. Weltweit setzen Städte und Gemeinden an diesem Tag ein sichtbares Zeichen für Frieden, Verständigung und eine Welt ohne Krieg und Atomwaffen. Auch wir in Mutlangen stehen seit vielen Jahren zu diesen Werten. Umso mehr freue ich mich, dass wir diesen besonderen Tag bereits zum zweiten Mal nicht nur mit dem Hissen der Flagge begehen, sondern gemeinsam ein Friedensfest feiern.
Ein Friedensfest lebt von den Menschen, die es mitgestalten. Deshalb gilt mein herzlicher Dank allen, die dieses Fest gemeinsam vorbereitet und organisiert haben. Gemeinsam mit den Vertreterinnen und Vertretern unserer Pressehütte ist es gelungen, wieder einen Ort der Begegnung, des Austauschs und der Hoffnung zu schaffen.
Ganz besonders begrüßen möchte ich unseren heutigen Gastredner, Herrn Minister a. D. Winfried Hermann. Lieber Herr Hermann, wir freuen uns sehr, dass Sie unserer Einladung gefolgt sind. Sie setzen sich seit vielen Jahren für Frieden, Nachhaltigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt ein und haben als Mitbegründer der Initiative „Aufbruch zum Frieden“, wichtige Impulse für eine friedliche und gerechte Gesellschaft gegeben. Dass Sie heute bei uns sind, ist für uns eine große Ehre. Herzlich willkommen in Mutlangen!
Ebenso freue ich mich, dass unsere Kirchen heute vertreten sind. Mein herzlicher Dank gilt Frau Eisenhut für ihre Mitwirkung. Frieden verbindet Menschen über politische, gesellschaftliche und religiöse Grenzen hinweg. Gerade deshalb ist es wichtig, dass wir ihn gemeinsam tragen.
Wenn wir heute über Frieden sprechen, dann denken viele zunächst an die großen Krisen und Kriege dieser Welt. Die Bilder, die uns täglich erreichen, machen betroffen und zeigen uns, wie zerbrechlich Frieden ist. In diesem Frühjahr musste ich selbst erleben, wie nah uns Krieg und seine Folgen plötzlich sein können.
Eine enge Freundin von mir befand sich während der Raketenangriffe auf Katar mitten in Doha. Sie hat die Einschläge und die Sirenen unmittelbar miterlebt. Was für viele von uns nur Nachrichtenbilder waren, wurde für sie und ihre Familie zur Realität.
Und ich kann Ihnen sagen: Auch wir hier zu Hause haben in diesen Tagen große Angst gehabt. Die Ungewissheit, die ständige Sorge, die Frage, ob sie heil nach Hause kommen wird – all das hat mich sehr bewegt.
Diese Erfahrung hat mir noch einmal eindrücklich vor Augen geführt, dass Frieden keine Selbstverständlichkeit ist. Er kann innerhalb kürzester Zeit ins Wanken geraten. Krieg ist niemals weit weg. Er betrifft Menschen. Familien. Freunde. Und damit betrifft er am Ende auch uns.
Gerade deshalb dürfen wir uns niemals daran gewöhnen, wenn irgendwo auf der Welt Gewalt herrscht. Frieden braucht Menschen, die ihre Stimme erheben, die Haltung zeigen und die sich jeden Tag für Verständigung und Menschlichkeit einsetzen.
Doch Frieden beginnt nicht erst auf der großen politischen Bühne. Frieden beginnt im Kleinen – in unserem täglichen Miteinander. Er beginnt dort, wo Menschen einander mit Respekt begegnen, wo sie zuhören, Verständnis zeigen und Brücken bauen, anstatt Gräben zu vertiefen.
Gerade in einer Zeit, in der Diskussionen oft lauter und Fronten schneller verhärtet werden, braucht Frieden Menschen, die bereit sind, aufeinander zuzugehen. Menschen, die Verantwortung übernehmen. Menschen, die Hoffnung schenken.
Für mich persönlich gehört Frieden zu den größten Werten überhaupt. Frieden bedeutet Sicherheit. Frieden bedeutet Freiheit. Frieden bedeutet die Möglichkeit, sein Leben selbstbestimmt zu gestalten. Das alles erscheint oft selbstverständlich – bis es plötzlich nicht mehr selbstverständlich ist.
Deshalb dürfen wir Frieden niemals als gegeben ansehen. Er braucht unseren Einsatz – jeden Tag. Nicht nur durch große politische Entscheidungen, sondern auch durch unser eigenes Handeln.
Wie schön, dass dieses Friedensfest genau diesen Gedanken aufgreift.
Viele Schülerinnen und Schüler haben in den vergangenen Wochen Steine mit persönlichen Friedens- und Hoffnungsbotschaften gestaltet. Diese werden nach dem offiziellen Teil gemeinsam zu einem großen Peace-Zeichen ausgelegt. Jeder einzelne Stein trägt eine Botschaft. Und erst gemeinsam entsteht daraus ein starkes Symbol. Ich finde, schöner kann man kaum zeigen, was Frieden bedeutet: Jeder Einzelne zählt, aber gemeinsam können wir etwas Großes bewegen.
Auch heute können noch weitere Steine gestaltet werden. Ebenso besteht die Möglichkeit, an einer Postkartenaktion teilzunehmen. Mit selbst gestalteten Karten können Gedanken, Wünsche und Hoffnungen an politische Verantwortungsträger weitergegeben werden. Denn Frieden braucht nicht nur gute Gedanken – Frieden braucht auch Stimmen, die sich dafür einsetzen.
Ein weiteres schönes Beispiel dafür, wie sich Natur und Frieden verbinden lassen, zeigen heute unsere Imker Alexander Reichenauer und Armin Müller. Mit ihrem Projekt „Bees and Peace“ leisten sie nicht nur einen wertvollen Beitrag zum Schutz unserer Umwelt und der Artenvielfalt, sondern setzen zugleich ein Zeichen dafür, dass Nachhaltigkeit, Verantwortung und Frieden eng zusammengehören.
Mein Dank gilt ebenso Harald Welzel, der als Mitbegründer unseres Wildpflanzenparks diesen besonderen Ort mit viel Herzblut geschaffen hat. Gerade dieser Park zeigt eindrucksvoll, wie aus einer gemeinsamen Idee etwas Wertvolles für viele Menschen entstehen kann.
Und schließlich freut es mich besonders, dass wir unser Friedensfest als Mitbringbuffet gestalten. Jeder bringt eine Kleinigkeit mit. Jeder trägt etwas zum Gelingen des Nachmittags bei. Auch das ist ein schönes Bild für Frieden: Jeder gibt, was er kann, und gemeinsam entsteht Gemeinschaft.
Ich wünsche uns allen nun inspirierende Gespräche, gute Begegnungen und viele Momente, die Mut machen. Lassen Sie uns heute gemeinsam ein sichtbares Zeichen setzen – für Frieden, für Zusammenhalt und für die Hoffnung, dass wir gemeinsam unsere Welt ein Stück friedlicher machen können.
Herzlichen Dank für Ihr Kommen und ein schönes Friedensfest!
Stephanie Eßwein ist Bürgermeisterin der Gemeinde Mutlangen.