Helga Kromp-Kolb, Bregenz
Skizze zum Redebeitrag für den Bodensee-Friedensmarsch in Bergenz am 21. April 2025
- Sperrfrist: 21.04., Redebeginn: 13 Uhr -
Anrede,
Seit Jahrzehnten warnt die Wissenschaft vor steigenden THG-Emissionen und der daraus folgenden Klimakrise. Ohne angemessenen Erfolg.
Die Emissionen des Militärs – wäre dieses ein Staat – reiht diesen mit geschätzten 5,5 - 7% der globalen Emissionen an die 4. Stelle nach China, den USA und Indien.
Geschätzt, weil das Militär explizit von den Meldepflichten im Pariser Klimaschutzabkommen ausgenommen ist. Rund 10 Länder melden trotzdem - Österreich nicht.
Emissionen durch Kriege und militärische Auseinandersetzungen kommen hinzu: Der Krieg in der Ukraine verursacht - geschätzt – pro Jahr mehr Emissionen wie Österreich.
1/3 diese Emissionen hängen mit Bränden und Umweltzerstörung zusammen. Die Umwelt - Pflanzen und Böden - nehmen global rund 23% der menschenverursachten CO2-Emissionen auf, die sonst den Klimawandel noch weiter anheizen würden. Deswegen ist auch die Renaturierungsverordnung der EU so wichtig!
Kriege verursachen also nicht nur Quellen von Emissionen, sie behindern auch die Senken.
Umgekehrt ist Klimawandel ein Problemverstärker – er macht gewalttätige Auseinandersetzungen wahrscheinlicher.
Kriege zerstören Vertrauen. Ohne Vertrauen kann man aber keine erfolgreiche globale Klimapolitik erwarten.
Kriege und die Ausrichtung von Politik auf Krieg kosten Geld. Mehr Geld als für Klimaschutz oder die Speisung wichtiger Töpfe wie den Loss-and-Damage-Fund ausgegeben wird.
KKWs galten als Garant für Frieden – es wird doch niemand seine eigenen Leute durch Radioaktivität gefährden!
Der Krieg in der Ukraine tobt im Umfeld des größten Kernkraftwerkes Europas. Wenn es in Zaporishe zur Kernschmelze kommt, sind weite Teile Europas betroffen – welche hängt von der konkreten Wetterlage ab. Aussiedlungen, Ende der Nahrungsmittelproduktion, etc. sind die Folge.
Ein direkter Angriff ist unwahrscheinlich – eher irrtümlich. Aber die zur Sicherung des geregelten Betriebes auch nach Shut-down erforderlichen Infrastrukturen, insbesondere zur Abfuhr der Nachzerfallswärme, sind viel eher gefährdet, und nicht weniger tödlich.
Dass die Blöcke schon länger abgeschaltet sind, bedeutet nur, dass von der Zerstörung bis zur Freisetzung mehr Zeit für Maßnahmen bleibt. Die Freisetzungsmenge bleibt unverändert.
Aber das ist nicht die einzige nukleare Bedrohung: Als die Weltuntergangsuhr heuer auf 89 Sekunden vor Mitternacht gesetzt wurde, war der drohende Nuklearkrieg ein Grund, neben Klimawandel und die Bedrohungen durch Künstliche Intelligenz und Desinformation sowie biologische Bedrohungen.
Bei vollen Nuklearaustausch ist mit rund 400 Millionen unmittelbare Tote durch Hitze, Brände, und Radioaktivität zu rechnen, und rund 5 Milliarden, die anschließend verhungern.
Brände bringen Ruß und Partikel in die Atmosphäre, die die Sonnenstrahlung blockieren, und einen nuklearen Winter herbeiführen, der das Reifen von Getreide etc., verhindert.
Österreich muss sich weiterhin politisch und diplomatisch jeglichen Bestrebungen zu nuklearer Aufrüstung widersetzen. Offenbar ist das Verständnis für die Dimension und das Grauen dieser Kriegsführung verloren gegangen.
Die UNO Agenda 2030 hält fest: "Wir sind entschlossen, friedliche, gerechte und inklusive Gesellschaften zu fördern, die frei von Angst und Gewalt sind. Es kann keine nachhaltige Entwicklung ohne Frieden und keinen Frieden ohne nachhaltige Entwicklung geben."
Nähme man dieses Ziel ernst, könnte die Klimakrise ein Umdenken in vielen Bereichen einläuten, und mit der Volltransformation unserer Art des Wirtschaftens (A.Merkel) und unserer Art des Denkens zu einem guten Leben für alle, innerhalb der ökologischen Grenzen unseres Planeten beitragen. Damit würden auch viele kriegsförderlichen Faktoren beseitigt sein und die Welt wäre friedlicher.
Prof. Dr. Helga Kromp-Kolb lehrt an der Universität für Bodenkultur in Wien (A).