Stoppt Ramstein

Wenn Wut zu Widerstand wird

von Reiner BraunLucas WirlPascal Luig

„Wir machen weiter, wir kommen wieder“ - das war sicher die einmütige Stimmung aller, die bei der Demonstration am 26.09. in Ramstein dabei waren.  Es war ein auch emotional mitnehmendes, Mut machendes, Kraft schöpfendes, wenn auch arbeitsintensives Wochenende in Ramstein.

1.500 Menschen - viele sagen sogar 2.000 - auf der Demonstration und Kundgebung, die größte Zahl, die an Protesten gegen die Airbase in den letzten Jahrzehnten in Ramstein teilgenommen hat, eine öffentliche Veranstaltung mit 120 TeilnehmerInnen (auch das ohne Vergleich für eine Friedensveranstaltung in der Stadt Kaiserslautern) und ein Friedenscamp mit bis zu 100 Menschen – Zahlen und Fakten, die wir alle eine Woche vor der Aktion nicht erwartet haben. Es war das beeindruckende Werk von vielen, an vielen Orten und in vielfältigen sozialen Strukturen.

Ramstein ist ein Zentrum der Kriegsführung, die von deutschem Boden ausgeht: Relaisstation für alle Drohneneinsätze, Einsatzzentrale für das Raketenabwehrsystem und die Atomwaffen auf deutschem Boden, Logistikzentrum für die Interventionskriege und das militärische Engagement der USA weltweit, Stationierungsort für Truppen und Logistik. Alles dies geschieht von deutschem Boden aus, und die Bundesregierung unterstützt es, indem sie dieses völkerrechtswidrige Treiben zulässt.

Die TeilnehmerInnen empfanden diese Politik als verheerend. Die aktuellsten Entwicklungen, besonders die neuen Atomwaffen, treffen ihren „politischen Nerv“. Deswegen kamen sie in dieser großen Zahl. Viele kamen aus der Region, bereit, die „Zuschauerdemokratie“ zu verlassen und aktiv zu werden. Die bei Millionen Menschen vorhandene Wut über die Politik wurde bei einigen Tausend zu Widerstand. Diesen Weg sollten wir weitergehen, so kann wieder eine Friedensbewegung entstehen, die ihren Namen verdient. Ramstein, das war die Friedensbewegung in Aktion, pluralistisch, vielfältig, bunt, mutig, entschlossen, lebendig, jung – vereint gegen jede Form von Chauvinismus und rechtsradikalen Gedankenguts. Die Solidarität mit den Flüchtlingen durchzog wie ein einigendes Band Demonstrierende und RednerInnen. Die Erkenntnis, dass Krieg und neoliberale Ausbeutung wesentliche Ursachen der Bewegung der Flüchtenden sind, verband die gemeinsam Aktiven.

Eindrücke in Bildern und Worten finden sich auf der Webseite www.ramstein-kampagne.eu.

Auch die Medien haben uns nicht ganz ignorieren können. Die von dem SWF nach Beginn der Auftaktkundgebung gesehenen 100 TeilnehmerInnen waren der peinlichste Ausrutscher. Die Fakten und Argumente für unser Anliegen fanden bis auf wenige positive Ausnahmen  (z.B. ND, Rheinpfalz) in einer formalen Berichterstattung kaum Erwähnung. Qualitätsjournalismus sieht anders aus. Dank an die vielen unabhängigen, selbstorganisierten Alternativmedien. Im Netz finden sich viele Beispiele einer interessanten Berichterstattung. Albrecht Müller, sozialdemokratisches Urgestein und Herausgeber der Nachdenkseiten, wies in seiner beeindruckenden Rede auf der Schlusskundgebung auf diese notwendige Selbstorganisation der Medien ebenso hin, wie er sich gegen jede Ausgrenzung wandte.

Die Ramstein-Aktionen im September 2015 waren ein Auftakt
Bei aller Begeisterung: Es war der Auftakt für eine längerfristige Kampagne der Delegitimierung der Kriegseinsatzbasis Ramstein. Es war ein hoffnungsvoller Beginn, dem viele Aktivitäten, regelmäßige Aktionen, viel lokale dezentrale Arbeit, neue Ideen und Gestaltungen, aber auch eine Weiterentwicklung des Bündnisses und der organisatorischen Kapazitäten folgen müssen. Über vieles müssen wir reden und diskutieren, vieles bedarf der Weiterentwicklung. Die Diskussion nach der Demonstration im Camp hat aber eindeutig ergeben: Wir wollen dezentral weitermachen, neue MitstreiterInnen gewinnen, neue gesellschaftliche Kreise einbeziehen und wir kommen wieder im Frühsommer 2016. Noch stehen viel zu viele mit „emotionalen Bauchgrummeln“ abseits. Viele zögern, ob es sich angesichts all der Misserfolge und der Stärke der Regierenden lohnt zu engagieren. Diese Menschen wollen wir ansprechen. Auch bei Aktiven in der Friedensbewegung gibt es teilweise  noch Zögern. Es wäre toll, wenn diese den Kampf zur Schließung der Basis auch als ihren (wieder) verstehen würden. Nur gemeinsam sind wir unwiderstehlich.  Über das wie sollten wir intensiv und solidarisch miteinander reden. Es bleibt eine längerfristige Herausforderung. Was wir jetzt brauchen, ist eine solidarisch-kritische Diskussion. Ein Planungstreffen Ramstein 2016 - immer wieder bei den Diskussionen und den ersten Auswertungstreffen formuliert - scheint dafür eine gute Idee zu sein. 

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Initiativen
Reiner Braun ist Geschäftsführer der IALANA Deutschland und Co-Präsident des Internationalen Friedensbüros (IPB).
Pascal Luig, Geschäftsführer NaturwissenschaftlerInnen-Initiative - Verantwortung für Frieden und Zukunftsfähigkeit e.V. (NatWiss), Koordinierungskreis Stopp Air Base Ramstein.