Redebeitrag für die Demo "Keine Militarisierung der Urananreicherung"  am 2. August 2026 in Gronau

 

- Sperrfrist: 2.8., Redebeginn: 13 Uhr - 
- Es gilt das gesprochene Wort -

 

Liebe Freundinnen und Freunde,

hier vor den Toren der URENCO mit seiner Urananreicherungsanlage gedenken wir den Opfern der Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki.

Vor 81 Jahren, am 6. und 9. August 1945 zerstörten die USA mit zwei Atombomben die Städte Hiroshima und Nagasaki – mit verheerenden, bis heute nachwirkenden Folgen.

In Hiroshima starben etwa 140.000 Menschen bis Ende des Jahres 1945, in Nagasaki waren es 74.000 Menschen. Viele überlebten schwer verletzt oder leiden bis heute an den Spätfolgen. Die Atombombenabwürfe markieren einen Wendepunkt in der Geschichte der Menschheit.

Der Abwurf einer Atombombe bedeutet das Leben von zehntausenden, von hunderttausenden Menschen samt der sie umgebenden, nährenden Natur sofort, mit einem Schlag auszulöschen.

Nur ein Jahr später zündeten die USA ihren ersten Atomwaffentest im Bikini-Atoll. Es war der Beginn von über 2.000 Atomwaffentests, die alle Atomwaffenstaaten, mit Ausnahme von Israel, auf unserem gesamten Planeten ausführten ohne Rücksicht auf die Folgen auf Menschen und Umwelt

Der amerikanische Abwurf der beiden Atombomben über Japan war militärisch gesehen überflüssig, er hatte keinerlei Auswirkungen auf den Ausgang des Krieges. Japan kapitulierte am 2. September 1945.

Die Produktion von Atomwaffen und die Urananreicherung gehören unweigerlich zusammen. Die zivile Nutzung der Atomenergie, die auf geringeren Anreicherungsgraden beruht, befindet sich weltweit im Niedergang, wie die jährlichen Berichte des ‚World- Nuclear – Industry – Status- Report‘ zeigen. Aktuell stehen die Bestrebungen nach Modernisierung und nuklearer Aufrüstung im Zentrum der Geopolitik – bei allen Atomwaffenstaaten. Sie sind der eigentlichen Treiber für die Aufweichung der Grenzen zwischen ziviler und militärischer Urananreicherung. Denn mit der zivilen Nutzung von Atomenergie ist nicht mehr genug Geld zu verdienen.

Deutschland, Niederlande und Großbritannien bereiten mit dem nuklearen Technologiekonzern URENCO die waffenfähige Urananreicherung Großbritanniens vor. Nicht anders lässt sich die verklausulierte Antwort aus dem Umweltministerium verstehen.

Auch der Atomdeal zwischen den USA und Saudi-Arabien zeigt in dieselbe Richtung. Saudi-Arabien möchte eigene Fähigkeiten zur Urananreicherung erwerben und damit die Fähigkeit, hoch angereichertes Uran zum Atomwaffenbau zu produzieren. Das ist deren Kalkül. Präsident Trump will Geschäfte machen, alles andere interessiert ihn kaum.

Unsere friedenspolitische Botschaft zum Hiroshimatag klar: Wir lehnen alle Atomwaffen ab, alle neun Atomwaffenstaaten müssen nuklear abrüsten und Schritt für Schitt die Bedingungen zum Beitritt zum Atomwaffenverbotsvertrag erfüllen. Bisher sind schon 100 Staaten dem Vertrag beigetreten, doch Deutschland fehlt. Ebenso lehnen europäische Atomwaffen ab, wir brauchen weder einer amerikanischen noch einen französischen noch einen britische Atomschirm. Wir fordern von Russland, seine in Weißrussland und in Kaliningrad stationierten Atomwaffen hinter den Ural zurückzuziehen.

Wer die aktuellen nuklearen Drohgebärden Russlands eindämmen will, muss den politischen Willen zu Rüstungskontrolle und nuklearer Abrüstung zeigen. Die deutsche Bundesregierung muss mit Frankreich und Großbritannien gemeinsam, eine neue Diplomatie für Rüstungskontrolle und Abrüstung, in konventionellen wie im nuklearen Bereich beginnen. Sicherheit lässt sich nur gemeinsam schaffen, für alle europäischen Staaten und zusammen mit Russland, so schwer ein Beginn dazu auch sein möge. Der Atomwaffenverbotsvertrag zeigt den Weg.

 

Angelika Claußen ist Co-Vorsitzende der IPPNW Deutschland.