Redebeitrag für die Hiroshima / Nagasaki-Gedenkveranstaltung am 6. August 2026 in Dannenberg

 

- Sperrfrist: 6.8., Redebeginn: 20 Uhr -
- Es gilt das gesprochene Wort –

 

Liebe Freundinnen und Freunde,

Hiroshima Gedenken Dannenberg 6. August 2026

Pioniere und Konstrukteure der US-Air-Force waren angetrieben von dem Gedanken, mit gezielten Luftschlägen auf wenige strategische Ziele den Gegner zur raschen Kapitulation zu bewegen. Manche von ihnen sahen in der Kriegsverkürzung sogar ein humanitäres Ziel. Sie hatten die Bodenkämpfe und das lange Sterben im Ersten Weltkrieg hautnah erlebt.

Dennoch setzten sich im Zweiten Weltkrieg Flächenbombardements durch. In Tokio starben in einer einzigen Nacht März 1945 100.000 Menschen im Napalmfeuer.

B-29 Bomber, „fliegende Festungen“ stellten die höchsten Kosten eines einzelnen Militärprojektes im WWII. An zweiter Stelle folgte das geheime Manhattan-Projekt, die Atombombenschmiede der USA. Die überlebenden Opfer dieses Verbrechens erhielten weder medizinische Versorgung noch finanzielle Hilfe. Ihr Leiden musste verdrängt werden. Vor dem Weltgewissen ein moralisches Problem sowohl für den unterlegenen Kriegsaggressor Japan als auch die verantwortliche Siegermacht USA.

Des Leidens der Toten und Überlebenden der Bomben wollen wir heute gedenken!

Die Atombombe erhöht das Leiden der Zivilbevölkerung. Sie sprengt mit anhaltender Verstrahlung die Lebenssicherheit von Generationen. Der Krieg ist dann lange noch nicht vorbei. Auch wenn er endet. Seit 1952 führt Hiroshima eine Todesliste über die Folgetoten der Bombe. Am 6. August 2021 zählte sie offiziell 328.929 tote Menschen.

Es ist nicht akzeptabel, dass 9 Atomwaffenstaaten sich das Recht herausnehmen, das Leben auf der Erde dermaßen zu bedrohen. Heutige Krisen und Konflikte lassen sich nur global und gemeinsam lösen.

Deutschland ist (noch) eines der reichsten und sichersten Länder der Erde. Dennoch gibt es jetzt Stimmen, die deutsche Atomwaffenhoheit fordern. Deutschland als Führungsmacht in einem atomaren europäischen Bündnis. Wie Geschichts vergessen muss mensch sein? Auch die verbreitete Forderung nach Kriegstüchtigkeit und Hochrüstung ist Geschichts vergessen. Soll einer erstarkenden AFD und ihren faschistischen Strömungen ein voll militarisiertes Deutschland, eine kriegstüchtige Angriffsarmee in die Hände fallen?

Gorbatschows Handschlag, die Friedensversprechen von 1990 sind wie vergessen. Der russische Überfall auf die Ukraine war ein Donnerschlag. 1995 sollte der „Barcelona-Prozess“ die EU mit einem Ring stabiler Kooperationspartner:innen in Nordafrika und Nah-Ost umgeben. Chancen damals standen gut. Doch die Versuche, in Libyen und Syrien durch Krieg und Umsturz loyale Regierungen an die Macht zu bringen, scheiterten krachend. Die meisten der heute Schutzsuchenden flieht aus oder über Länder dieses gescheiterten Stabilitätsringes: Kriege führen nicht zu Lösungen und Stabilität. Loyalitäten aufgrund von Waffenlieferungen nicht zu Nachhaltigkeit.

„Sie sind Zwillinge“, schrieb nach 9/11 2001 Arundhati Roy, MR-Aktivistin aus Indien mit Blick auf Bush und Bin Laden. Das sei kein Krieg Gut gegen Böse. Der Krieg gegen den Terror sei Krieg Böse gegen Böse.

Ich möchte zum Ende meiner Rede zwei aktuelle Militarisierungen Deutschlands nennen:

Die Militarisierung des Gesundheitswesens im „Operationsplan Deutschland.“ Hier sollen zivile Kapazitäten zugunsten verletzter Soldat:innen verschoben werden. Deutschland zur Drehscheibe eines erwarteten Krieges mit Russland. Aus dem jetzt schon schwer eingeschränkten Gesundheitssystem kommt deutlich Protest. Aber es gibt auch den Teil der Ärzteschaft, der Kriegsmedizin, vor allem Kriegschirurgie endlich für „richtige“ Medizin zu halten scheint. Das ist so heldenhaft wie abstoßend.

Genauso abgründig zeigt sich ein gemeinsames Arbeitspapier von EKD und DBK (Deutscher Bischofskonferenz) „Ökumenisches Rahmenkonzept“, das beide Kirchen als umfassend einsatzbereit für Spannungs-, Bündnis-, und Verteidigungsfall anbietet. Das volle Einverständnis mit dem Staat in seiner Kriegsvorbereitung zeigt. Seelsorge könne selbst bei einem Massenanfall von Verletzten und psychisch überlasteten Personen stabilisieren, wenn „selbstverständlich gewordene Standards der bestmöglichen individualmedizinischen Versorgung außer Kraft gesetzt“ sind. Usw. Umgang mit Gefallenen und ihren Angehörigen, der Bitte, schon bei der Planung von Gefangenenlagern beteiligt zu sein …. Während die Friedensdenkschrift der EKD öffentlich kritisiert wird, bieten sich die Amtskirchen vorauseilend und still der Staatspolitik an.

(So erodiert unsere Friedensordnung. Statt einer Stärke des Rechts setzt sich das Recht des Stärkeren durch. International und im rasanten Sozialabbau innenpolitisch. Die Aushöhlung der Rechtsstaatlichkeit wird folgen.)

Was wünsche ich der Friedensbewegung?

Dass sie endlich als solche erkennbar und laut wird. Dass sie sich breit aufstellt und der Militarisierung Deutschlands entgegentritt.

Isolierende Organisation der Entrüstung reicht nicht aus. Seien die Analysen noch so klug. Verschweigen von Kriegsfolgen und die Gleichgültigkeit gegenüber Opfern und Schutzsuchenden lässt sich nur mit einer Liebe zum Leben an sich und einer Vision von Friedenslogik und einem solidarischen Gesellschaftsvertrag überwinden. Für das Wendland ist diese kleine Veranstaltung von Menschen eines offenen Trägerkreises hoffentlich ein Ausdruck gemeinsamer Friedensbewegung.

 

Elke Schrage ist aktive bei der Fukushima-Mahnwache in Wendland.