Der Schwerpunkt der neuen Ausgabe des "FriedensForums" (Heft 4/2026) befasst sich mit alternativen Sicherheitskonzepten. Gerne senden wir dir ein kostenloses Probeexemplar zu!
Redebeitrag für die Hiroshima / Nagasaki-Gedenkveranstaltung am 6. August 2026 in Bonn
- Sperrfrist: 6.8., Redebeginn: 18 Uhr -
- Es gilt das gesprochene Wort –
Atomwaffen weltweit ächten!
Liebe Freundinnen und Freunde,
die Schrecken der Ereignisse von Hiroshima und Nagasaki vor 81 Jahren lassen uns heute hier am Mahnmal für die Atombombenopfer zusammenkommen. Eine Atomwaffe darf nie wieder eingesetzt werden! Atomwaffen müssen weltweit aus den Rüstungsarsenalen gebannt und geächtet werden!
Aber wir sehen: Weltweit gibt es heute über 12.000 Atomwaffen. Etwa 4.000 dieser Sprengköpfe sind auf Raketen oder Stützpunkten mit einsatzbereiten Kräften stationiert, zwischen 2.100 und .2200 Sprengköpfe befinden sich laut dem Friedensforschungsinstitut SIPRI in hoher Einsatzbereitschaft auf ballistischen Raketen. 119 Milliarden US-Dollar gaben die Atomwaffenstaaten im Jahr 2025 für Erhalt, Anschaffung und Modernisierung ihrer Atomwaffenarsenale aus! Das sind 2.700 Dollar pro Sekunde! - Der Atomkrieg, der unseren Planeten vernichten kann, ist jederzeit möglich.
Vor 30 Jahren hat der Internationale Gerichtshof (IGH) der UN in einem Gutachten klargestellt, dass die Drohung mit Atomwaffen und der Einsatz von Atomwaffen generell dem humanitären Völkerrecht widersprechen. Denn Atomwaffen können nicht zwischen Kriegsbeteiligten und Zivilisten unterscheiden, sie verursachen extreme Qualen, wirken durch die Strahlung unbegrenzt, zerstören die Umwelt, ziehen unbeteiligte Staaten in Mitleidenschaft und bedrohen den gesamten Planeten mit Vernichtung.
Das Gutachten des IGH bedeutet, dass die wechselseitige Abschreckungsdrohung mit dem Einsatz von Atomwaffen völkerrechtswidrig ist. Das Bundesjustizministerium schreibt dementsprechend korrekt auf seiner Seite „Jede Anwendung von Atomwaffen ist ein Völkerrechtsverbrechen.“ Trotzdem hält die Bundesregierung an der nuklearen Teilhabe in der NATO fest. Und die Bundeswehr trainiert im Manöver mit der NATO auch im kommenden Oktober wieder das Kriegsverbrechen eines Atomkrieges.
Die Opfer der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki mahnen uns, alles zu tun, dass dies nie wieder geschieht. Die Stadt Bonn hat sich den – von Hiroshima aus gegründeten - Mayors for Peace angeschlossen. Kazumi Matsui, Bürgermeister von Hiroshima und Präsident der Mayors vor Peace schreibt in seinem Grußwort zu den diesjährigen Gedenkfeiern:
„In Zeiten wie diesen ist es unerlässlich, im Geiste Hiroshimas zu handeln – eines Geistes, der sich nach dem friedlichen Zusammenleben und dem Wohlstand der gesamten Menschheit sehnt. Dieser Geist ist eng mit dem Appell der Hibakusha verbunden, die – nachdem sie vergangenes Leid ertragen und Hass überwunden haben – darauf bestehen, dass niemand jemals so leiden soll wie sie. Um die politischen Entscheidungsträger, die Sicherheitspolitiken verfolgen, die auf engstirnigen Eigeninteressen und nuklearer Abschreckung beruhen, zum Umdenken zu bewegen, dürfen wir, die wir eine wahrhaft friedliche Welt anstreben, niemals aufgeben. Stattdessen müssen wir uns noch stärker dafür einsetzen, einen Konsens in der Zivilgesellschaft für die Abschaffung von Atomwaffen zu erzielen.“
Die Stadt Bonn als Mitglied der Mayors for Peace hat den Appell der Internationalen Kampagne zur Ächtung von Nuklearwaffen unterzeichnet. Darin heißt es: „Jeder Einsatz von Atomwaffen ... würde katastrophale, weitreichende und lang anhaltende Folgen für Mensch und Umwelt nach sich ziehen. Daher begrüßen wir den von den Vereinten Nationen verabschiedeten Vertrag zum Verbot von Atomwaffen und fordern die Bundesregierung zum Beitritt auf.“
Der neue Atomwaffenverbotsvertrag (AVV) der UNO ist 2021 in Kraft getreten. Aber die deutsche Regierung weigert sich bisher, diesem Vertrag beizutreten. Dieser Vertrag zur weltweiten Ächtung aller Atomwaffen ist notwendig geworden, weil sich die Atomwaffenstaaten seit über 50 Jahren weigern, der Verpflichtung zu vollständiger nuklearer Abrüstung aus dem Nichtverbreitungsvertrag nachzukommen.
Auch die Bundesregierung hält hartnäckig an der nuklearen Teilhabe in der NATO fest. 60 km von Bonn entfernt lagern in Büchel in der Eifel etwa 15-20 Atombomben mit einer Sprengkraft von jeweils bis zu 13 Hiroshima-Bomben. Dieser Fliegerhorst wurde in den letzten vier Jahren für über 2 Milliarden Euro umgebaut, um neue, zielgenauere Atombomben und die dazugehörigen neuen Tarnkappenbomber F-35 zu stationieren. Im Kriegsfall sollen Bundeswehrsoldaten die atomar-tödliche Last in die Ziele fliegen. Das trainieren die Bundeswehrpiloten wieder im Herbst beim Atomkriegs-Manöver „Steadfast Noon“. Dagegen werden wir protestieren. Am 10. Oktober in Büchel und am 17. Oktober in Nörvenich: https://www.atomwaffenfrei.de/protest-gegen-steadfast-noon-2026-jetzt-un...
Die Eskalationen im Ukraine-Krieg, der Angriff der USA und Israels gegen den Iran, Konflikte um Indien, Pakistan und Afghanistan zeigen, wie fragil die Situation um die Atomwaffen steht. Der Atomkrieg ist jederzeit möglich, gerade auch in Europa. Deutschland und Bonn wären mit aller Wahrscheinlichkeit, wenn es soweit käme, Schauplatz eines solchen atomaren Krieges mit den Folgen völliger Vernichtung.
Fast alle Staaten der Südhalbkugel der Erde haben vertraglich atomwaffenfreie Zonen miteinander vereinbart. Warum soll das nicht auch in Europa möglich werden, wenn wir zu einer Politik der gemeinsamen Sicherheit zurückkehren würden? Der Beitritt Deutschlands zum Atomwaffenverbotsvertrag und der Verzicht auf die "nukleare Teilhabe" wären erste wesentliche Schritte in diese Richtung und zur Reduzierung der Atomkriegsgefahr in Europa.
Stattdessen werden Pläne geschmiedet, um neue europäische nukleare Kooperationen, etwa mit Frankreich, einzurichten oder gar eine deutsche Atombombe anzustreben, wie es neuerdings zum Beispiel in der FAZ gefordert wurde. Der frühere Außenminister Fischer hat sich vor Kurzem für eine völlig eigenständige europäische nukleare Aufrüstung starkgemacht. Finnland, Polen und jetzt auch Litauen haben ihre Bereitschaft signalisiert, Atomwaffen der NATO auf ihren Territorien nahe Russland zu stationieren. Das alles fördert keine Sicherheit, sondern eskaliert die Spannungen mit Russland und macht einen Atomkrieg wahrscheinlicher.
Solchen atomaren Aufrüstungsplänen für Europa widersetzen wir uns und fordern stattdessen die Überwindung der atomaren Gefahr durch vollständige atomare Abrüstung.
Wir fordern ganz konkret von der Bundesregierung
- eine klare Absage an alle neuen europäischen Pläne zu atomarer Aufrüstung,
- die Beendigung der nuklearen Teilhabe in der NATO,
- den Abzug aller Atomwaffen aus Deutschland
- und den Beitritt Deutschlands zum Atomwaffenverbotsvertrag!
Unser friedenspolitischer Einsatz gegen atomare Rüstung geht weiter!
- Beteiligt Euch im Herbst an den Aktionen in Büchel und Nörvenich gegen das Atomkriegsmanöver „Steadfast Noon“ der NATO, an dem sich die Bundeswehr beteiligen will!
Seien wir Sand, nicht das Schmieröl im Getriebe der Atomwaffenaufrüstung!
Martin Singe ist aktiv bei der Pax-Christi-Gruppe in Bonn.
Anmerkungen:
- Infos zu Atomwaffen-Aktionen und Hintergründen: https://atomwaffenfrei.de