Redebeitrag für die Hiroshima / Nagasaki-Gedenkveranstaltung am 9. August 2026 in Offenbach

 

- Es gilt das gesprochene Wort –

 

Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,
das Thema unserer Kundgebung an diesem Tag heute, die Erinnerung an den Einsatz einer Atombombe gegen die japanische Großstadt Nagasaki, ist weiter sehr aktuell. Es geht uns dabei nicht nur um das Gedenken an dieses Verbrechen, an den Tod und das Leiden zehntausender Menschen, die meisten von ihnen unbewaffnete Zivilisiten. Unsere Trauer geht zusammen mit Protest und Widerstand gegen die aktuellen Entwicklungen.

Vor 81 Jahren, am 9.August 1945, wurde - drei Tage nach der Bombardierung von Hiroshima - die japanische Großstadt Nagasaki von einer einzigen Atombombe völlig zerstört – „Fat Man“ wurde der Sprengkörper von den US-Piloten genannt. In Nagasaki fielen etwa 40.000 Menschen den infernalischen Druck- und Hitzewellen sowie der radioaktiven Strahlung noch am gleichen Tag zum Opfer, weitere 74.000 in den Monaten bis Dezember 1945. Langzeitschäden wie strahlenbedingte Krebserkrankungen traten noch viele Jahre später bei den Überlebenden auf. Der Einsatz dieser Bomben - wenige Tage vor der schon absehbaren Kapitulation des japanischen Herrschers und seiner Militärchefs diente offenbar als überwältigende Demonstration nicht nur gegenüber dem geschlagenen Nippon.

Das Erinnern an das Inferno von Hiroshima und Nagasaki ist besonders wichtig, weil die bis heute 9 Staaten mit eigenen Atombomben inzwischen weltweit über 12.000 nukleare Sprengsätze angehäuft haben, genug, um die Menschheit an die Schwelle der nuklearen Weltzerstörung führen zu können. Dies zeigen in diesen Wochen zwei Kriegsschauplätze: der US-Präsident drohte im Verlauf des

Angriffskriegs gegen den Iran, die iranische Zivilisation „völlig auszulöschen“ - dies wurde als Androhung der nuklearen Vernichtung verstanden.
Kompliziert wird die Suche nach friedlichen Lösungen auch im Atomstreit durch doppelte Standards: dem mit den USA verbündeten saudischen Regime offerierte Trump eben die 2 Atomanlagen zum Kauf, die im Fall des Iran im Verdacht stehen, die Herstellung von Nuklearwaffen zu ermöglichen. Es entsteht der Eindruck, dass Geschäftsbeziehungen mehr Gewicht haben, als völkerrechtliche Prinzipien. ( Allgemein bekannt ist, dass der enge US-Verbündete Israel selber Atomwaffen besitzt - deutsche Werften haben offenbar dazu passende U-Boote als Transport- und Start-Medien geliefert.)

Der zweite gegenwärtige Schauplatz einer nuklearen Drohung ist der Krieg in der Ukraine: während die US-Regierung U-Boote in die Nähe russischer Küsten geordert hat – hat Russland seinerseits unverhohlen für den Fall einer bedrohlichen Kriegslage mit dem Erst-Einsatz von Atomwaffen gedroht, und in Weissrussland neue Atomraketen aufgestellt, ganz nach dem Modell der westlichen sogenannten „nuklearen Teilhabe“.
Völkerrechtlich bindende Verträge stehen der neuen Runde nuklearer Aufrüstung grundsätzlich entgegen: der seit langem gültige Nuklearwaffen-Nicht–Verbreitungsvertrag NPT aus dem Jahr 1968 sieht unter anderem als bindend vor (Zitat):

Zitat:

"Artikel VI : Jede Vertragspartei verpflichtet sich, in redlicher Absicht Verhandlungen zu führen über wirksame Maßnahmen zur Beendigung des nuklearen Wettrüstens in naher Zukunft und zur nuklearen Abrüstung sowie über einen Vertrag zur allgemeinen und vollständigen Abrüstung unter strenger und wirksamer internationaler Kontrolle."

Die NATO und mit ihr die deutsche Bundesregierung bewegen sich offenbar in die entgegengesetzte Richtung. Am 18. Juni, bekräftigte die Nuclear Planning Group der NATO nach ihrem regulären Jahrestreffen in Brüssel, man sei mittlerweile dabei, „die nuklearen Fähigkeiten der NATO zu modernisieren“ und ihre „nuklearen Planungsfähigkeiten zu stärken“. In die benötigten „Fähigkeiten“ werde man entsprechend „investieren“. (https://www.german-foreignpolicy.com/news/detail/10502)
Die nukleare Bewaffnung mit ihrem Potential zur Menschheits-Vernichtung bedeutet das Extrem der Menschenfeindlichkeit, im Dienst der Sucht nach Macht und Geschäftsgewinn, bis hin zur Selbstzerstörung. Rücksichtslose Machtsucht ist in allem Militarismus angelegt, wie er gerade jetzt in Deutschland wieder neue Blüten treibt.
Die Abschaffung und das Verbot aller Atomwaffen, wie es die Mehrheit der UN-Mitgliedsstaaten nun schon im Atomwaffenverbots- Vertrag seit 2021 gültig festgeschrieben hat, ist ein wichtiger Schritt hin zu einer Welt ohne Krieg, wie sie die Charta der Vereinten Nationen schon 1945 als Ziel forderte.

Für Deutschland heißt das:

  • Sicherheit neu denken:
  • Abzug der in Büchel stationierten US-Atombomben, Einsparung der entsprechenden Milliardeninvestition aus Steuergeldern
  • Statt 5% des Bruttosozialprodukts für das Militär - schrittweise Reduktion und Umwidmung dieser Finanzen für Umwelt, Soziales und die Unterstützung verarmter Länder des globalen Südens!
  • den Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zum Atomwaffenverbotsvertrag der UNO, der die Ächtung und Abschaffung aller Atomwaffen weltweit vorsieht.

Dafür werden wir weiter arbeiten!

 

Matthias Jochheim ist aktiv bei der IPPNW-Regionalgruppe Frankfurt.