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Redebeitrag für die Hiroshima / Nagasaki-Gedenkveranstaltung am 6. August 2025 in Weinheim
- Sperrfrist: 6.8., Redebeginn: 18:30 Uhr -
- Es gilt das gesprochene Wort -
Meine Damen und Herren,
vor 15 Jahren, am 10. März 2010, besuchten meine Frau und ich den Friedensgedenkpark und das Friedensgedächtnismuseum in Hiroshima. Was wir dort sahen, ließ uns sprachlos zurück: verstörende Bilder, persönliche Schicksale – vor allem das der kleinen Sadako. Sie überlebte als Zweijährige die Explosion, glaubte daran, dass 1000 gefaltete Papierkraniche sie von der Leukämie heilen könnten. Doch sie starb mit nur zwölf Jahren. Ihre Geschichte hat mich nie losgelassen. Sie steht heute als Symbol für Hoffnung und für das Leid, das uns zur Verantwortung mahnt.
Dabei blieb unser Besuch nicht nur beim Gedenken. Er führte uns auch in politische Überlegungen: Warum fiel die Wahl damals auf Hiroshima? Warum just am 6. August, kurz vor dem geplanten Eintritt der Sowjets in den Pazifikkrieg? Welche Rolle spielte die Zensur der Berichterstattung über Jahre hinweg? Der Mythos von Prometheus fällt mir ein – jenem, der uns das Feuer brachte, ohne uns zu lehren, wie man damit umgeht. Atomwaffen sind dieses Feuer unserer Zeit. Ihre zerstörerische Kraft verlangt Weisheit, nicht Machtspiel.
Heute, 80 Jahre später, sind nukleare Waffen keine bloße Erinnerung. Die Drohgebärden im Ukraine-Krieg, die Lagerung von Atomwaffen auf europäischem Boden – sie zeigen, wie fragil unser Frieden ist. Doch wer glaubwürdig für Abrüstung eintreten will, muss bereit sein, alle Seiten zu beleuchten, nicht nur die politisch bequemen.
Hiroshima erinnert nicht nur an den Schrecken der Vergangenheit. Es ruft uns auf, für eine Zukunft zu streiten, in der Kinder wie Sadako nicht mehr von den Schatten der atomaren Welt bedroht werden.
Für die Opfer. Für die Hoffnung. Für den Mut, das Feuer zu bändigen.
Vielen Dank.
Dr. Günter Bäro ist bei den Freien Wählern Weinheim.