Redebeitrag für die Hiroshima / Nagasaki-Gedenkveranstaltung am 6. August 2025 in Dortmund

 

- Sperrfrist: 6.8., Redebeginn: 16:00 Uhr -
- Es gilt das gesprochene Wort –

 

Sehr geehrter Herr Evermann, liebe Friedensfreunde!

Am 6. August 1945 wurde eine Atombombe auf Hiroshima abgeworfen und drei Tage später die zweite Atombombe auf Nagasaki.

Jetzt 80 Jahre später fühlen wir uns der Gefahr des Krieges und der Bedrohung von Atomwaffen ausgesetzt. Der russische Krieg gegen die Ukraine dauert schon fast 3.5 Jahre an und das Ende ist nicht abzusehen. Die Gefahr des Atombombeneinsatzes ist real.

Vor diesem Hintergrund bekam Nihon Hidankyo, Verband der japanischen Atom- und Wasserstoffbombenopfer, eine Nationaldachorganisation von und für Atombomben Überlebenden (Hibakusha) letztes Jahr für sein jahrzehntlanges Engagement zur Ächtung von Atomwaffen und Forderung der staatlichen Entschädigung für Hibakusha den Friedensnobelpreis verliehen. Der Hidankyo wurde 1956 in Japan gegründet und seit seiner Gründung teilte die Stimmen von Hibakusha der Welt mit, Atomwaffen abzuschaffen.

Hidankyo bei der Preisverleihung in Stockholm:

Der Vertrag über das Verbot von Atomwaffen, der 2021 in Kraft trat, ist ein internationaler Vertrag, der die Entwicklung, den Besitz und den Einsatz von Atomwaffen verbietet. Bisher haben ihn 73 Länder und Regionen ratifiziert, aber Atomwaffenstaaten wie die Vereinigten Staaten, Russland, China usw. und auch Japan, das unter dem nuklearen Schirm der USA steht, sind keine Vertragsparteien. Übrigens Deutschland auch nicht. Die Kluft zwischen Atom- und Nichtatomstaaten konnte bis jetzt nicht überbrückt werden.

Hidankyo appelliert weiter:

Man muss angesichts der weltweiten Zunahme von nuklearen Bedrohungen die Denkweise ändern, dass es gegen Atomwaffen keine Alternative gäbe, als mit Atomwaffen zu reagieren. Nukleare Teilhabe und nukleare Abschreckung können Frieden und Sicherheit nicht aufrechterhalten. Atomwaffen müssen abgeschafft werden.

Die Nobelpreis-Kommission warnte davor; Atomwaffen sind heute weitaus zerstörerischer als vor 80Jahren. Es könnte Millionen von Menschen töten und verheerende Auswirkungen auf das Klima haben. Ein Atomkrieg könnte unsere Zivilisation zerstören.

Als einziges Land der Welt, das Atombombenabwürfe erlitten hat, wissen Japaner welche entsetzlichen und langzeitigen Folgen durch die Kernwaffen verursacht werden.

Masao Tomonaga, emeritierter Professor des Medizinischen Forschungsinstituts für Atombombenfolgen der Universität Nagasaki, hat im Alter von zwei Jahren den Atombombenangriff in der Heimat überlebt. Er sagt:

Die Auswirkungen auf den Körper, die ein Leben lang anhalten, sind ein Zeichen nuklearer Unmenschlichkeit.

Die erste Generation der Atombombenüberlebenden wird voraussichtlich um 2045 verstorben sein.  Das Jahr 2045 markiert den 100. Jahrestag der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki und den Beginn des Atomwaffenzeitalters.

Was können wir tun, wenn es der Menschheit nicht gelingt, Atomwaffen vor dem Ende des ersten Jahrhunderts auszurotten? Die leidvollen Erinnerungen der Hibakusha dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Nie wieder dürfen Atomwaffen eingesetzt werden.

Im Juni wurde bekanntgegeben, 9 Atommächte verfügen insgesamt über 12.340 Atomsprengköpfe d.h. ein Anstieg von etwa 220 gegenüber dem Vorjahr.

Wir können heute zum Abschluss gemeinsam eine Bilderausstellung in der Berswordthalle besuchen. Dort können Sie die Auswirkungen und Konsequenzen von Atombombenabwürfen im Bild und Text vor Augen führen.

 

Yoko Schlütermann ist aktiv bei der Deutsch-Japanische Gesellschaft, Dortmund.