Redebeitrag für den Ostermarsch in Augsburg am 19.04.2025

 

- Es gilt das gesprochene Wort -

 

Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde, liebe Zuhörende
Seit Jahrzehnten nutzen wir den Ostersamstag und appellieren an die Vernunft: „Nie wieder Faschismus – Nie wieder Krieg!“ Das war und ist die Lehre, die wir aus den Gräueln und Massenmordaktionen des 2. Weltkriegs gezogen haben. Doch Jahr für Jahr hat sich die Situation für friedliebende Menschen auf der ganzen Welt und auch in unserem Land nur verschlechtert. Regierungen kommen und gehen, ihre Politik bleibt eine Katastrophe!
Aber nun rollt eine Kriegstüchtigkeits- und Bedrohungs-Lawine über uns – wie ich sie in diesem Ausmaß noch nie erlebt habe. Und das macht mich nahezu sprachlos. Trotzdem müssen wir uns der Kriegspropaganda widersetzen. Die Schriftstellerin Christa Wolf hat in ihrer Erzählung „Kassandra“ geschrieben: „Wann Krieg beginnt, das kann man wissen, aber wann beginnt der Vorkrieg? Falls es da Regeln gäbe, müsste man sie weitersagen. In Ton, in Stein eingraben, überliefern. Was stünde da? Da stünde, unter anderen Sätzen: Lasst euch nicht von den Eignen täuschen.“ 

In einem Redebeitrag zum Ostermarsch vor acht Jahren habe ich gefragt: Was macht die Entwicklung des weltweiten militärischen Denkens – auch des militärischen Denkens in unserem (!) Land – mit uns?
Und ich hatte ergänzt: „Wir kennen die Kräfte und können sie benennen, die das Leben auf der Erde und die Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben, unsere Umwelt und alle positiven Zukunftsaussichten aufs Äußerste gefährden. Aber eines werden wir nicht machen:
Wir werden nicht (!) schweigen !
Wir werden die Macht nicht den Berufspolitiker:innen überlassen
Wir werden weiterhin auf der Straße bleiben und nicht (!) in unserem Protest
nachlassen
Das gilt für mich immer noch!

Zuletzt möchte ich die Rockgruppe Ton Steine Scherben zitieren:
„Ich habe viele Väter,
und ich habe viele Mütter,
und ich habe viele Schwestern,
und ich habe viele Brüder.
Meine Brüder sind schwarz,
und meine Mütter sind gelb,
und meine Väter sind rot,
und meine Schwestern sind weiß.
Und ich bin über zehntausend Jahre alt.
Und mein Name ist Mensch.“

Vielen Dank.

Martha Metzger ist aktiv für die Vereinigung der Verfolgten des NS-Regimes (VVN-BdA) in Augsburg.