Redebeitrag für den Ostermarsch in Würzburg am 19. April 2025

 

- Es gilt das gesprochene Wort –

 

Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,

ich möchte Sie und Euch ganz herzlich beim 42. Würzburger Ostermarsch begrüßen.

In diesem Jahr gibt es so viele Gründe, auf die Straße zu gehen wie selten. Und doch wird die Menge derjenigen, die den dringenden Wunsch nach einem Ende der Gewalt, nach Verhandlungen, nach zivilen Konfliktlösungen hat, nicht sichtbar, nicht auf der Straße und nicht in den Medien.. In den letzten Monaten hat sich die weltpolitische Lage verändert und täglich sind wir mit neuen Nachrichten konfrontiert, die oft Hiobsbotschaften sind.

Denken wir nur an die Wahlen in den USA Mit welcher Brutalität der Sozialstaat umgebaut wird, Verträge gekündigt werden, Geflüchtete des Landes verwiesen werden und die Willkür zur Staatsräson wird. Der Krieg in der Ukraine, so versprach es Trump, sollte durch seinen Einfluss sofort gestoppt werden, jetzt , da die Verhandlungen sich als nicht so einfach darstellen, verliert er die Lust daran(wie gestern zu lesen war)…

Die kurze Hoffnung auf einen Waffenstillstand und ein Ende des Sterbens in Gaza wurde durch einen erneuten Angriff Israels zunichte gemacht Der Bürgerkrieg im Sudan mit über 10 Millionen Flüchtlingen und mehr als 17 Millionen Menschen ohne ausreichende Nahrung erreicht Dimensionen, die nur schwer vorstellbar sind Es gibt wirklich ausreichend Gründe, verzagt zu sein. Auch die Friedensbewegung spricht in diesen chaotischen Zeiten nicht mit einer Stimme. Wie auch? Pazifisten werden als Utopisten oder sogar als Spinner verschrien. 

Friedensgruppen, die unter den jetzigen Umständen eine weitere Unterstützung der Ukraine mit Waffen für notwendig erachten, machen sich angreifbar Dialogbereite Menschen werden schnell als Putinfreunde abgestempelt. Aber allen ist gemeinsam, dass sie die zunehmende Militarisierung, die Aufrüstung, die Kriegstüchtigkeit Deutschlands ablehnen, dass sie zivile Konfliktlösungen anstreben, dass sie wissen, dass Kriege unendliches Leid verursachen und nicht gewonnen werden können .

Deshalb halten wir die einseitige Positionierung der neuen Bundesregierung Richtung Militarisierung und Aufrüstung, mit einem weiteren Sondervermögen, für falsch.

Sogar das Bonn International Centre for Conflict Studies (BICC), das sich für eine verteidigungsfähige Bundeswehr und eine Verbesserung der sicherheitspolitischen Handlungsfähigkeit Europas ausspricht, warnt: "Der derzeit verbreitete Alarmismus in Teilen der Politik und Medien ist nicht plausibel und basiert auf keiner seriösen Bedrohungsanalyse. Einige sicherheitspolitischen Experten reden sich geradezu in einen Rausch, sekundiert von nicht nachvollziehbaren Geheimdiensteinschätzungen über die aggressiven Pläne Moskaus gegen den Westen (und weiter): Die derzeitig verbreitete Panikstimmung, begleitet von einer gigantischen Verschuldung für Aufrüstung, löst aber Europas Sicherheitsprobleme nicht.

Wichtiger wäre, den Krieg in der Ukraine mit Hilfe kluger politischer Kompromisse über Verhandlungen zu beenden und danach auf der Basis vorhandener Stärke eine Stabilisierung der europäischen Sicherheitsarchitektur anzustreben, in der nicht nur Aufrüstung und Kriegsvorbereitung, sondern auch die zweite Säule der Sicherheitspolitik – Rüstungskontrolle, vertrauensbildende Maßnahmen und Diplomatie – wieder eine zentrale Rolle spielen. Die Zeit dafür drängt – Alarmismus und Panik führen in eine gefährliche Sackgasse."

„Den Frieden gewinnen nicht den Krieg“ Mit diesem Motto wollen wir zu Ostern ein Zeichen setzen für Frieden, Abrüstung und Völkerverständigung

Vielen Dank.

 

Renath Vieth-Laßmann ist Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und aktiv für Ökopax.