Redebeitrag für den Ostermarsch in Müllheim am 21. April 2025

 

- Es gilt das gesprochene Wort –

 

Auf uns kommt es an: Die Welt braucht Frieden!

 

Liebe Freundinnen und Freunde,

liebe Kolleginnen und Kollegen

sehr geehrte Damen und Herren,

wir vom Friedensrat Markgräflerland sprechen Ihnen Anerkennung und Dank aus, dass Sie mit uns dem Kriegsgetöse der Oberen in unserem Land widerstanden haben und widerstehen. Das ist angesichts der massiven Propaganda für die Militarisierung aller Bereiche der  Gesellschaft kein leichtes Unterfangen.

Militarisierung "lag lange nicht in unserer DNA. Da lag Pazifismus. Wie können wir diesen Code schneller überschreiben?" fragt beispielsweise die Journalistin Caren Miosga ohne jede Scham und ohne jede Bedenken.

Statt friedensfähig sollen wir kriegstüchtig werden.  Wir aber bleiben dabei: Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts.

Dass der Kommandeur der Deutsch-Französischen Briagde - vor deren Kaserne wir hier stehen - die Kriegstrommel schlägt, verwundert uns nicht. Dass sich Kommunalpolitiker aus dem Markgräflerland sich dem anschliessen und sich mit ihrer Begeisterung für ein scharfes Schießen auf der Schießanlage der Brigade daran beteiligen, Schiessen besser zu finden als Verhandeln, verurteilen wir.

Allein diese Schießanlage hat 21 Millionen Euro Steuergelder gekostet. Unsere Gelder. Nicht die Gelder der Militärs. Das Militär hat kein Geld. Das Militär lebt von unserem Geld - also von uns.

 Und dies hat es mit dieser Anlage auf sich :

"Damit die Schießübungen für die Soldaten der Bundeswehr so realistisch wie möglich sind, verfügt die Anlage zudem über eine außergewöhnliche, wenn nicht gar gruselige Funktion: eine sogenannte Infanterielaufzielanlage. Mithilfe dieser werden feindliche Soldaten simuliert, die sich von der einen Seite zur anderen durch das Zielfeld bewegen. Die Bundeswehr-Soldaten müssen die Gegner abschießen, bevor sie in Deckung gehen. Für die Schützen wirken die Übungen dadurch besonders realistisch." (1)

Zu diesem Kriegsszenario, diesem Üben des Töten, von den Kommunalpolitikern dazu kein Wort.

Dafür ist es umso wichtiger, dass wir der Vernunft, dem Frieden und der Menschlichkeit gegen diesen ohrenbetäubenden Chor der Aufrüstungs- und Kriegsbefürworter Stimme verleihen. So wie wir dies heute tun.

Die Mehrzahl der Politiker in Deutschland setzt sich für Kriege als Mittel  ihrer Politik, ein, insbesondere im Krieg um die Ukraine. Und sie meint, ein immer grösseres und grausameres Gemetzel mit immer mehr Waffen sei besser als ein Einfrieren des Krieges oder ein Waffenstillstand. Das war in der Zeit der "Ampel-Koalition" so und wird sich mit der neu zu bildenden Regierung nicht ändern. Im Gegenteil.

Wir lassen  uns nichts einreden: Es sind nicht unsere Kriege, die von den Regierenden geführt werden. Sie sagen Frieden und meinen Krieg.  Wir wollen ihre Kriege nicht. Wir pfeifen auf ihre Kriege.

Kriege bedeuten Tod und Verderben für die betroffenen Menschen.

So sehr wir, die wir für Frieden eintreten, auch von den Regierenden hierzulande angegriffen und verleumdet weden: Wir stehen nicht allein.

Millionen von Menschen stehen wie wir für eine Welt, die von Waffen nichts mehr hält. Trotz aller Kriegspropaganda ist die Mehrheit der Menschen in Deutschland nicht bereit, sich auf einen dritten grossen Krieg einzulassen.

Denn:

Der Krieg frisst seine Kinder.
Die Politik der Hochrüstung frisst die Zivilgesellschaft.
Armeen heizen die Klimakatastrophe an.
Und die Unmenschlichkeit breitet sich aus wie ein Virus, gegen den Masken und Impfungen nicht schützen.

Wir treten ein für die gleiche Würde und gleiche Rechte aller Menschen. Wir stehen auf gegen Rassismus und jede mörderische Ideologie der Ungleichwertigkeit des
Menschen.

Wir demonstrieren am Ostermontag in Müllheim für eine Welt, in der Menschen nicht vor Hunger sterben, obwohl es genug zu essen gibt,

für eine Welt, in der sich niemand unter Bombenhagel zur Nachtruhe legen muss,

für eine Welt, in der wir alle zusammen ein menschenwürdiges Leben führen können.

Wir treten Feindbildern und Militarisierung entgegen und bleiben friedensfähig, nicht „kriegstüchtig“.

Wir stehen an der Seite all derjenigen, die sich in Russland, der Ukraine, in Israel, Palästina und weltweit weigern, aufeinander zu schießen.
Das Töten von Menschen ist niemals ein Mittel zu einem vermeintlich guten Zweck.

Sicherheit ist nicht durch eine militärisches Gegeneinander zu erreichen, sondern nur durch ein Miteinander. So schwer das auch heute vorstellbar ist: Nur aus der Einsicht in den absoluten Vorrang der Friedensgewinnung - und bewahrung wächst längerfristig neues Vertrauen.

Zukunftsfähig ist nur eine Politik, die sich modernen Konfliktlösungen zuwendet, die ohne Waffen und Gewalt und ohne wechselseitigem Töten auskommen.

Mit Kriegen ist nur ein Gegeneinander möglich, kein Miteinander. Kriege produzieren Leid und machen die Welt unsicher. Eine lebenswerte Zukunft in Frieden und Sicherheit für alle Menschen wird es nicht durch mehr Waffen geben, sondern durch ein Weniger an Kriegsmaterial.

20 Jahre Kriege in Afghanistan, Irak, Syrien, Mali, etlichen weiteren Ländern, in der Ukraine und jetzt auch im Nahen Osten zeigen, dass mit Krieg kein Frieden zu gewinnen ist. Dennoch wird im Krieg das Allheilmittel gesucht.
Wir fühlen mit den Opfern in der Ukraine, in Russland, wie auch in Israel, im Westjordanland und Gaza und in allen Kriegen.

Jedes Leben zählt! Jedes!!!!

Jedes israelische, jedes russische, jedes ukrainische, jedes palästinensische.  Jedes Leben zählt . Wir sind Menschen einer Erde!

Unsere Solidarität gilt den Fliehenden aus Krieg, Armut und Not! Für sie braucht es Schutz und Aufnahme auch in unserm Land.

Wir fragen: Wie viele Menschenleben ist ein erkämpfter Quadratmeter Land wert?
Wir fragen: Rechtfertigen geopolitische Interessen und die Gewinne von Rheinmetall, Diehl Defence und und anderen die Lieferungen von Mordwerkzeugen?

Wir verurteilen jeden Krieg. Wir verurteilen das Töten von Menschen.

Jeder Feuerwehrmann, der versuchte, einen Brand mit Benzin zu löschen, würde abgelöst und in die Psychiatrie eingewiesen. Politiker, die sich für Waffenlieferungen in Kriegsgebiete einsetzen, die sich stark machen für die Lieferung von Taurus Marschflugkörpern an die Ukraine, dürfen ihre vernunftwidrigen Ansichten nicht nur hemmungslos vertreten. Ihnen wird in den Medien auch noch die Möglichkeit gegeben, sie ausufernd zu verbreiten.

Dieser Aufrüstungskurs, bedroht die Finanzierung der sozialen Sicherung, der Bildung und Maßnahmen gegen den bedrohlichen Klimawandel. Die Rüstungsindustrie hat in den letzten zwei Jahren enorme Gewinne gemacht und geht dabei über Leichen.
Unermessliche, unvorstellbare finanzielle Mittel stellt die Koaltion aus CDU/CSU/SPD/Die Grünen und Teile der FDP der Bundeswehr und der Rüstungsindustrie zur Verfügung. Eine Flatrate für die deutsche Aufrüstung. What ever it takes. Was auch immer es kostet. – Es wird unser Geld kosten, und somit auch ein Stück unserer Lebenszeit.

Eines macht dieser Aufrüstungskurs aber auch in aller Deutlichkeit klar: Wenn es in unserem Land mangelt an bezahlbaren Wohnraum, wenn es mangelt an Schulen, wenn es mangelt an medizinischer Versorgung, wenn es mangelt im öffentlichen Nahverkehr, wenn es mangelt am Klimaschutz, dann liegt das nicht daran, dass "kein Geld" vorhanden ist.

Nie wieder kann uns eine Politiker weismachen, es sei "kein Geld vorhanden."

Es liegt einzig und allein am politischen Willen, diese unermesslichen Geldmittel in der Rüstung zu verschwenden, statt sie für die Bedürfnisse der Menschen in unserem Land zu verwenden.

Alle Mittel, die für Krieg verschleudert werden, brauchen wir für Bildung, Kultur, Wohnen, den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen und ein menschenwürdiges Leben – hierzulande wie global.

Müllheim ist einer der Stationierungsorte der Deutsch-Französischen Brigade. Ein militärischer Grossverband dazu bestimmt, Kriege in aller Welt zu führen. Wir wollen nicht, dass hier und anderswo immer mehr Geld für Militär und Kriege ausgegeben wird: Deshalb demonstrieren wir am Ostermontag in Müllheim.

Wir fordern: Abrüstung statt Aufrüstung

Wir fordern: einen sofortigen Waffenstillstand in den Kriegsgebieten
Wir treten ein für Diplomatie und Entspannungspolitik.
Wir fordern statt Waffenlieferungen den Wiederaufbau aller kriegsverwüsteten Länder durch die an diesen Kriegen Beteiligten und globale Abrüstung.

Wenn es eine andere Zukunft als eine umfassende Zerstörung geben soll, dann müssen wir aus den bestehenden Logiken und überkommenen IrrRationalitäten aussteigen. Die Waffen müssen schweigen.

Krieg bedeutet auch die Zerstörung unserer Seelen. Schützen wir uns davor.  Auch indem wir der Kriegsrhetorik widerstehen und darauf bestehen, Frieden zu schaffen ohne Waffen.

Veranstaltungen wie unsere können einen Beitrag leisten zum Zusammenhalt, zum Schulterschluss und zur gegenseitigen Motivation. Es kommt auf jede und jeden an sowie darauf, voneinander zu wissen, miteinander zu lernen und zusammenzustehen.

Auf uns kommt es an.

Setzen wir unsere Hoffnung nicht auf die Regierenden, sondern auf uns selbst und auf unsere Fähigkeiten! Viele Menschen warten darauf, dass endlich die richtigen Po­li­ti­ke­r:in­nen an der Macht sind. Aber die werden nicht kommen. Verschwenden wir unsere Energie nicht in dem aussichtslosen Verfangen, Veränderungen für uns von den Regierenden zu erbitten.

Wenn wir ein besseres Leben für alle wollen, dann müssen wir zusammenkommen und uns selbst dafür einsetzen.  Eine Veränderung zum Besseren für uns  kommt, wenn wir uns zusammentun und sagen: Es reicht!

Wenn wir uns organisieren in solidarischen Projekten. Verwenden wir unsere Energie darauf, uns zusammenzutun, um eine solidarische Welt zu bauen: Menschlich und friedlich!

Mit dem Liedermacher Klaus Hoffmann gesprochen:

" Unser Tag wird ein neuer Anfang sein,

an dem wir nicht mehr wanken,
in unserm Urteil schwanken,
wo wir mit denen, die nach vorne schaun,
uns eine bessre Zukunft baun."

Jede und jeder von uns kann und sollte das tun, und wir sollten und können sofort damit anfangen

Lasst uns der „Unkultur des Krieges“ eine  „Kultur des Friedens“ entgegensetzen!

Die Welt braucht Frieden.

Wir Menschen brauchen Frieden.

Beendet alle Kriege. Sofort.

 

Ulrich Rodewald ist aktiv für den Friedensrat Markgräflerland.