Redebeitrag von Daniel Cirera für den Ostermarsch Frankfurt/Main am 17. April 2017

 

- Es gilt das gesprochene Wort -

 

Liebe Freunde,

Wir sind besorgt. Sehr besorgt, wie seit Jahren nicht mehr. Wir haben in den letzten Jahren für Abrüstung und Frieden geworben. Heute ziehen wir umher, um das Gespenst des Krieges zu vertreiben. Das Wort „Krieg“ ist wieder allgegenwärtig.

Täglich werden Massaker an der Bevölkerung in Syrien begangen. Und nun zu unserem Entsetzen mit chemischen Waffen. Der Nahen Osten wird fortlaufend in Flammen gesetzt, durch offensiven Dschihad-Gruppen und Interventionen, mittels der Waffen und Ausweitung des Krieges. Ganz zu schweigen von den verheerenden Folgen des kriegerischen Bush Kreuzzugs gegen den Irak.

An den Grenzen der Europäischen Union sind die Truppen in Alarmbereitschaft versetzt und verstärkt worden. Binnen kurzer Zeit wurde das Getöse um Nordkoreas Atomrakete neu gestartet und intensiviert.

In diesem Zusammenhang ist die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten eine schlechte Neuigkeit. Es dauerte zu lange, um das festzustellen.

Wir sind in Europa direkt davon direkt betroffen, sowohl durch die Ausbreitung des Konfliktes in unseren Staaten als auch wegen den hunderten Menschen, die dem Terrorismus zum Opfern fallen. Wir sind besorgt über das Engagement unserer Länder durch die militärischen Operationen. Wir sind bestürzt über die humanitäre Tragödie, die Millionen von Menschen zu Flüchtlingen macht und sie deren Schicksal überlässt.

Die richtige Antwort ist nicht die kriegerische Eskalation. Es ist ein Europa des Friedens, ein Europa der Solidarität. Solidarität mit dem Süden, mit seinen Nachbarn. Solidarisch innerhalb seiner Grenzen.

Es ist ein Europa, das nicht zugeriegelt ist gegenüber Frauen, Menschen, Familien, die den Katastrophen des Krieges entfliehen. Ein Europa, das die humanistischen Prinzipien in die Praxis umsetzt und sie weiter ausbaut. Gegen die fremdenfeindliche Demagogie und die Hassreden befindet sich Europa in der Gefahr, durch Zwietracht, und Hass zwischen den Völkern, immer tiefer in nationalistischen Brüchen zu versinken, und damit die Saat des Krieges zu verbreiten.

Ein Europa des Friedens muss dem Druck von Trump und dem Pentagon widerstehen. Nein, das ist nicht an der Zeit, die Militärausgaben der NATO zu erhöhen. Das ist nicht die Zeit für die Militarisierung der Europäischen Union, mit der wir als Antwort auf die Krise reagieren müssen, das verstärkt de Bruch..

Es ist jetzt an der Zeit, endlich den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit, gegen Armut und zunehmende Ungleichheit, für die Entwicklung der öffentlichen Dienstleistungen, für Gesundheit und Bildung und den Kampf gegen den Klimawandel aufzunehmen und zu investieren. Es ist nicht die Losung der Krise, Griechenland oder ein anderes Land weitere Sparprogramme und –maßnahmen aufzuerlegen und sie bluten zu lassen. Die Steigerung der konkurrierenden Arbeiter und Völker führt zur Verschärfung und Vertiefung der sozialen und demokratischen Krise.

Es ist mir ernst damit. Am Vorabend der Wahl für die Präsidentschaft der Republik in Frankreich steht die Bedrohung der braunen Gefahr von rechts vor den Toren der Macht. Ich glaube aber, dass in meinem Land die Menschen um die Bewahrung von Freiheit und Brüderlichkeit kämpfen und diese schreckliche Bedrohung gegen die Demokratie blockieren werden. Im Kampf für Freiheit und Gleichheit haben wir die gleichen Feinde.

An den Grenzen der Europäischen Union lauern wieder Spannungen und Gefahren wie im Kalten Krieg. Die NATO ist eine veraltete Antwort auf die Realitäten des 21. Jahrhunderts. Die Zeit ist reif für ein europäisches Forum, das die Interessen der Sicherheit und Entwicklung von allem berücksichtigt. Es ist reif für ein gemeinsames Haus vom Atlantik bis Wladiwostok.

Angesichts der Spannungen, die wegen der atomaren Potentiale in Nordkorea ansteigen, sollte Europa sich Gehör verschaffen. Europa sollte die, auf Initiative von 130 Ländern der Vereinten Nationen angebotene Möglichkeit zur Eröffnung der Konferenz über nukleare Abrüstung aufgreifen. Die Weigerung, die Frankreich gemeinsam mit anderen Atommächten an den Tag legt, steuert gegen den Strom der globalen Sicherheit. Diese Chance haben wir; Die Friedenskräfte, müssen sie ergreifen. In den kommenden Monaten und so lange, wie es dauert, werden wir diesen Prozess und dessen Einhaltung unterstützen.

 

Liebe Freunde,

ich bin sehr glücklich, hier bei Euch zu sein. Ich weiß nicht, ob Hölderlin immer recht behält, wenn er sagt, dass “Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“.

Sicher ist, dass das Gespenst des Krieges eurem ansehnlichen Ostermarsch erst recht einen noch triftigeren Grund verleiht. Erst wenn das Bewusstsein über die Gefahr zur Mobilisierung der Gewissen führt, sind Menschen in der Lage die Gefahr abzuwenden.

Lang lebe der Ostermarsch gegen Krieg und für den Frieden. Es lebt unsere Solidarität.

 

Daniel Cirera ist aktive bei der französischen Friedensorganisation „Mouvement de la Paix“.

Anmerkung: Übersetzung aus dem Französischem.