Redebeitrag zum Flaggentag 2025 in Bremen am 8. Juli um 14 Uhr

 

- Es gilt das gesprochene Wort -

 

Liebe stellvertretende Städteregionsrätin Elisabeth Paul, liebe Dr. Odette Klepper vom Aachener Aktionsbündnis „Keine Atombomben rund um Aachen“, liebe Bürgerinnen und Bürger, liebe Freundinnen und Freunde des Friedens,

heute weht an vielen Rathäusern auf der ganzen Welt eine grüne Fahne – auch hier bei uns. Sie steht für ein klares, gemeinsames Zeichen: Mayors for Peace – Bürgermeisterinnen und Bürgermeister für den Frieden.

Warum ist das auch heute, im Jahr 2025, so wichtig? Weil es leider keinen Frieden gibt. Noch immer nicht. Im Gegenteil: Die Welt ist unsicherer geworden. Mehr als 12.000 Atomwaffen sind noch immer einsatzbereit – viele davon direkt auf Raketen montiert, andere gelagert, auch hier in Deutschland, im Fliegerhorst Büchel in der Eifel. Und statt Abrüstung erleben wir neue Aufrüstung, neue Drohgebärden, neue Kriege. Der Blick nach Gaza, in die Ukraine, in viele andere Weltregionen zeigt uns das täglich.

Ich verstehe, wenn Menschen fragen: “Was nützt ein Zeichen? Was bringt eine Flagge?” Meine Antwort ist: Zeichen allein stoppen keine Raketen – aber sie halten Hoffnung wach. Und sie machen sichtbar, dass wir uns nicht an den Zustand von Krieg und Bedrohung gewöhnen dürfen. Gerade in dunklen Zeiten braucht es laute Stimmen für den Frieden.

Ich selbst war in den 80er-Jahren Teil der Friedensbewegung. Ich erinnere mich noch gut an die Demonstrationen gegen Atomwaffen, gegen die Stationierung neuer Raketen. Damals dachten viele: Die Gefahr ist gebannt. Aber sie ist es nicht. Sie ist zurück – und sie war vielleicht nie wirklich weg.

Deshalb ist es so wichtig, dass heute über 8.000 Städte weltweit Teil des Netzwerks Mayors for Peace sind. In Deutschland sind es über 800 – und jedes neue Mitglied zählt.

Denn: Städte sind keine Zielscheiben. Menschen sind keine Kollateralschäden.

Unsere Aufgabe ist es, die Stimme der Zivilgesellschaft zu erheben. Wir müssen deutlich machen: Wir wollen keine neue Abschreckung. Wir wollen echte Friedensfähigkeit und Abrüstung. 

Und ich wünsche mir, dass gerade junge Menschen sich einbringen, sich wehren gegen die Normalisierung von Gewalt und Krieg, dass sie die Idee der Mayors for Peace weitertragen. 

Für eine Welt, in der Frieden nicht die Ausnahme ist, sondern die Regel.

Vielen Dank.

 

Sibille Keupen ist Oberbürgermeisterinder Stadt Aachen.