Protest gegen Atomkriegsmanöver in Nörvenich

NATO trainiert Atomkrieg über der Nordsee

von Martin Singe
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Über 150 Friedensbewegte demonstrierten am 11. Oktober bei herbstlichem Wetter erst vor dem Fliegerhorst Nörvenich und - nach einem Demozug - auf dem Schlossplatz des kleinen Ortes gegen das Atomkriegsmanöver der NATO, das am 13. Oktober 2025 beginnen sollte. Die NATO hatte kurz zuvor bekanntgegeben, dass das diesjährige Manöver vor allem in Volkel/NL und über der Nordsee stattfinde. Von deutscher Seite würden nuklearfähige Tornados, die derzeit in Nörvenich stationiert sind, und Eurofighter am Manöver teilnehmen. Insgesamt waren an der bis Ende Oktober durchgeführten Übung rund 2.000 Soldat*innen mit über 70 Militärflugzeugen aus 14 NATO-Staaten beteiligt. Bei der Übung wird trainiert, Atombomben an die Kampfflugzeuge zu montieren und auf gegnerische Ziele abzuwerfen.

In Deutschland sind auf dem Fliegerhorst Büchel/Eifel etwa 15 US-Atombomben gelagert, deren Abwurf durch die Bundeswehr bei den Manövern geübt wird. NATO-Generalsekretär Rutte hatte vorab betont, dass das Manöver zeige, dass die NATO im Ernstfall auch bereit sei, sich mit Nuklearwaffen zu verteidigen.

Am Fliegerhorst, der trefflicher Kriegsflugplatz genannt wird, fand ein Demo-Auftakt mit kurzen Redebeiträgen, Textvorträgen von Hibakusha-Überlebenden und Beiträgen eines Gesangs-Duos statt. Heiner Krüger von der Dürener Friedensgruppe wies auf die Nazi-Tradition des Boelcke-Flugplatzes und seine heutige Bedeutung hin. Eindrucksvoll gestaltete sich ein Die-In – die Umrisse der symbolischen Opfer blieben als Zeichen unseres Protestes zurück. Der bunte Demozug, begleitet mit Musik, Parolen, und Friedensfahnen, endete am Schlossplatz. Die Kundgebung wurde diesmal in Form einer Talk-Runde abgehalten.

Hildegard Slabik-Münter berichtete von der Situation in Büchel, wo in Kürze neue F-35-Atombomber und neue, zielgenauere B61-12 US-Atombomben stationiert werden sollen. Die Umbaukosten dafür belaufen sich inzwischen auf über 2 Milliarden Euro. Uwe Trieschmann von den Ärzten gegen Atomkrieg betonte, dass es im Atomkrieg keine Hilfe mehr geben könne, sondern nur die Verhinderung jeden Atomkriegs einen Ausweg biete. Pfarrerin Vera Schellberg aus Düren wies auf die kommende neue Denkschrift der EKD hin, in der Atomwaffen klar abgelehnt würden. Regina Hagen gab Erläuterungen zum Nichtverbreitungsvertrag von Atomwaffen und zu dem neuen UN-Atomwaffenverbotsvertrag als Zielperspektive. Chris Danowski von den Catholic Workers berichtete von einer Demo Ende September am Atombombenstationierungsort Kleine Brogel/Belgien und der bevorstehenden Aktion Mitte Oktober in Volkel/NL (siehe eigenen Bericht in diesem FF). Belgien und die Niederlande gehören neben Italien, der Türkei und Deutschland zu den direkten „nuklearen Teilhabestaaten“ in der NATO.

Atomwaffeneinsätze sind laut Justizministerium Kriegsverbrechen
Das mitveranstaltende Aktionsbündnis „atomwaffenfrei.jetzt“ hatte vorab in einer Pressemitteilung gefordert: „Jeglicher Einsatz von Atomwaffen ist mit dem humanitären Völkerrecht unvereinbar. Deshalb dürfen solche Einsätze auch nicht trainiert werden. Das Bundesjustizministerium kennzeichnet jede Anwendung von Atomwaffen als Kriegsverbrechen. Die Bundeswehr darf keine Kriegsverbrechen üben und muss die Beteiligung an diesem Manöver absagen!“

Übrigens weichen die Ministerien der Frage, wie denn das Trainieren von Kriegsverbrechen mit dem Völkerrecht zu vereinbaren sei, systematisch aus. Das Justizministerium antwortet, es sei nicht zuständig, sondern das Verteidigungsministerium. Dieses behauptete in einer ersten Antwort, Atomwaffen seien nur zur Abschreckung und Kriegsverhinderung da. Auf präzisere Nachfrage, dass Abschreckung nur mit Einsatzbereitschaft funktioniere und wie ein Einsatz denn mit dem humanitären Völkerrecht korrespondieren könne, wurde geantwortet, dass die erste Antwort abschließend gewesen sei. Man scheut also das Völkerrecht wie der Teufel das Weihwasser!

Der Demonstrationsaufruf wurde von rund 20 regional bzw. bundesweit aktiven Friedensgruppen sowie von vielen Einzelpersonen getragen. Veranstaltende waren u.a. das Aktionsbündnis „atomwaffenfrei.jetzt“, das Netzwerk Friedenskooperative, die DFG-VK und die Friedensgruppe Düren. Zu den bundesweiten Unterstützerorganisationen gehören u.a. die Kooperation für den Frieden, Ohne Rüstung Leben (ORL), Pax Christi, IPPNW und ICAN Deutschland.

Die Proteste gegen Atomwaffen werden in 2026 weitergehen. Schon im Januar ist Gelegenheit anlässlich des 5. Jahrestages des Inkrafttretens des Atomwaffenverbotsvertrags. Und am 8. Juli wird das IGH-Gutachten, das Androhung und Einsatz von Atomwaffen für generell völkerrechtswidrig eingestuft hat, 30 Jahre alt. Zudem findet in 2026 die Überprüfungskonferenz zum Nichtverbreitungsvertrag statt.

Eine Fotoserie des Netzwerk Friedenskooperative zur Demo findet sich hier: https://www.flickr.com/photos/atomwaffenfrei-jetzt/albums/72177720329609...

Mit dem Presseecho waren die Veranstalter zufrieden. Stadtanzeiger und Rundschau hatten in ihren jeweiligen Lokalteilen vorab und aktuell berichtet, ebenso gab es in der Lokalzeitung Aachen einen Filmbeitrag des WDR, der noch angesehen werden kann (2 Minuten ab Min 6.50): https://www.ardmediathek.de/video/lokalzeit-aus-aachen/wdr-lokalzeit-aus...

Der Aktionsaufruf zur Demonstration ist hier dokumentiert: https://www.friedenskooperative.de/sites/default/files/noervenich_250919...

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Martin Singe ist Redakteur des FriedensForums und aktiv im Sprecher*innenteam der Kampagne "Büchel ist überall! atomwaffenfrei.jetzt".