WRI: Aufbruch zu neuen Ufern?

Ratstreffen der War Resisters‘ International

von Stephan Brües

Vom 26.11. bis 29.11.2025 trafen sich knapp 30 bis 50 Aktive aus dem Umfeld der War Resisters‘ International (WRI) in Barcelona zur Ratstagung „Disarming Militarism - Resisting War - Building Peace“. 

Am ersten Tag wurden interne Fragen (Haushalt, Vorstandsarbeit und Arbeitsgruppen) und die nächste WRI-Versammlung auf dem asiatischen Kontinent erörtert. Zudem wurden neue Organisationen in die WRI aufgenommen.

Auf der Konferenz an Tag 2 und 3 wurden in zwei Arbeitsgruppen sehr intensiv die diesjährigen Schwerpunktthemen der WRI besprochen: Klimagerechtigkeit und Militarismus sowie Kriegsdienstverweigerung, Wehrpflicht und Rekrutierungen.

An den Nachmittagen wurden an beiden Tagen öffentliche Veranstaltungen durchgeführt,  Aktive aus allen Teilen der Welt (Tag 1: Kolumbien, Südkorea, Israel und Italien/?Russland; Tag 2: Palästina, Sudan) berichteten über ihre politische Arbeit gegen Militarismus und Krieg. Eine Filmveranstaltung zeigte eindringlich die psychische und physische Folter in spanischen Militärkasernen in den 1970er und 1980er Jahren.

WRI-Ratstreffen
An dieser Stelle soll nicht detailliert über Vorstandsarbeit und Haushalt berichtet werden: Wichtig ist, dass mit Marmot Charitable ein Geldgeber gefunden wurde, der die WRI-Arbeit der AG „Klimagerechtigkeit und Militarismus“ von 2026-28 fördern wird. Weitere Stiftungen wie Joseph Rowntree-Foundation, das Network for Social Change und die deutsche Stiftung „Die Schwelle“ fördern die WRI-Arbeit. Erfreulicherweise wird eine weitere Stiftung Gelder für die hauptamtliche Koordination der WRI-Ratsversammlung 2027 in Asien bereitstellen. Diese soll entweder in Thailand oder in Südkorea stattfinden. Darüber wird der E-Council 2026 entscheiden.  

Schließlich wurden vier Organisationen als neue WRI-Mitgliedsverbände angenommen: Zwei antimilitaristische Gruppen aus Spanien und zwei Organisationen aus dem Sudan bzw. der sudanesischen Diaspora: STAND und BANA. Mit der letzten plant der Bund für Soziale Verteidigung eine enge Kooperation.

Öffentliche Veranstaltungen
Mai Shetta von BANA war auf dem Podium einer der Veranstaltungen in einem Saal der Universidad de Barcelona. Sie erklärte die Hintergründe des Krieges zwischen der sudanesischen Armee und der RSF(Rapid Support Forces), der unendlich viel Leid für die Zivilbevölkerung bringt und in Darfur einem Genozid nahe kommt. Ein Krieg, der global kaum wahrgenommen wird. Anders als Gaza und der Konflikt um das Westjordanland, über den Ali Awad und Rawan Mahmoud berichteten. Bewegend war, dass die Familie von Rawan am selben Morgen von israelischen Kräften aus ihrem Haus vertrieben wurde.

Sehr motivierend war die Schilderung Jungmin Chois über den erfolgreichen gewaltfreien Widerstand gegen den putschenden Präsidenten Südkoreas Ende 2024. (1)

Die Schwerpunktthemen
Während die eine AG die aktuelle Situation der Kriegsdienstverweigerer*innen und Deserteur*innen in vielen Teilen der Welt zusammentrug und Möglichkeiten des Widerstands erwog, hat sich die andere AG mit den Zusammenhängen zwischen Klimakatastrophe und Militarismus befasst.

Zu Beginn gab es eine globale Bestandaufnahme der Probleme (Emissionen des Militärs, Verknüpfung der fossilen Wirtschaft mit Armeen usw.) und des Widerstands (v.a. der indigenen Gemeinden in allen Teilen der Welt). Am zweiten Tag wurde eine Vision bis 2050 entwickelt, eine Welt, die dezentral, ökologisch, sozial und gemeinwohlorientiert organisiert ist und in der Konflikte gewaltfrei bearbeitet werden. Aus den Wegen, die dorthin führen können, wurden Kampagnen entwickelt, an denen WRI-Gruppen mitarbeiten wollen:

  • Militärs zwingen, ihre Emissionen offenzulegen sowie Militärflugshows verbieten;
  • eine Kampagne zur Senkung der Militärausgaben um zehn Prozent;
  • alle staatlichen Subventionen für Produkte, die die Umwelt zerstören, stoppen;
  • die Waffenindustrie zu Reparationen an die Opfer ihrer Kriege zwingen.

Und schlussendlich soll die über 100 Jahre alte WRI-Erklärung ergänzt werden: Künftig solle Krieg nicht nur ein Verbrechen gegen die Menschheit sein, sondern auch ein Verbrechen gegen die Natur.

Fazit
Die WRI lebt. Auch wenn es in manchen Regionen schwierig ist, Aktivitäten zu organisieren, treten immer wieder Gruppen auf den Plan und beleben das Netzwerk, in diesem Jahr vor allem die Frauen aus dem Sudan. Hoffen wir, dass deren Arbeit für ein Ende des Krieges und für den Schutz der Menschen vorankommt. Und dass mit der Konferenz 2027 in Asien auch dort das antimilitaristische Engagement neuen Auftrieb erhält. Anders als in den Jahren zuvor stimmt die finanzielle Lage der WRI zuversichtlich.

Anmerkung
1 Siehe https://gewaltfreieaktion.de/die-suedkoreanerinnen-haben-einen-autoritae...).

Rubrik

Friedensbewegung international
Stephan Brües ist freier Journalist/Texter und Co-Vorsitzender des Bunds für Soziale Verteidigung.