Hope Rauguth, Büchel
Redebeitrag für den Ostermarsch in Büchel am 21. April 2025
- Es gilt das gesprochene Wort –
Liebe Friedensfreundinnen und-freunde
Heute Morgen am 21. April ist Papst Franziskus gestorbenen. Ich danke dafür, dass ich ihn hier würdigen darf.
Mit Papst Franziskus verlieren wir einen prominenten Mitstreiter für eine atomwaffenfreie Welt, für Frieden und Gewaltfreiheit. Ihm zu Ehren hier ein Statement zum Frieden aus seiner Autobiographie „Hoffe“:
„Zu Beginn des Jahres 2022 breitet sich das Netz des stückweise geführten Dritten Weltkrieges immer weiter aus. Ein neues schreckliches Szenario verwandelt sich immer mehr in einen globalen Konflikt. Kurz nach der Anerkennung der Unabhängigkeit der selbst ernannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk ließ, die Russische Föderation am 24. Februar 2022 ihre Armee in der Ukraine einmarschieren. Der Krieg hat also das Herz Europas erreicht und auch die letzten Illusionen über das Ende der Geschichte hinweggefegt, die den Fall der Berliner Mauer begleitet hatten. Wie bei der Kubakrise 1962 starrte die Welt in den Spiegel, und das Gespenst der atomaren Zerstörung blickte zurück. Die Welt sah sich einmal mehr konkret bedroht von Waffen, deren schierer Besitz schon als unmoralisch betrachtet werden muss.
Der Weg des Friedens hat seine Risiken, aber weiter auf Waffen zu setzen, ist kein bisschen weniger riskant. Der Zwang zum ewigen Wettrüsten verwüstet die Seele und bindet gewaltige Ressourcen, die sonst zur Verfügung stünden für den Kampf gegen den Hunger, für eine gute medizinische Versorgung aller und für mehr Gerechtigkeit. Ressourcen um endlich den einzig möglichen Weg einzuschlagen, um der Selbstzerstörung der Menschheit zu entgehen.
Aktuell werden auf der Welt 59 Kriege geführt. Einige sind medial weniger präsent, aber nichtsdestotrotz schrecklich. Und manchmal werden sie heuchlerisch als „Friedensoperation“ bezeichnet. Und das geht nun schon sehr lange, zu lange so. Allein diese Überlegung müsste eigentlich schon genügen, um einzusehen, dass es völliger Unsinn ist, vom Krieg zu erwarten, dass er Probleme löst: krieg ist nur ein Wahnsinn, der die Händler des Todes mästet und die Unschuldigen dafür bezahlen lässt. Würde man ein ganzes Jahr keine Waffen produzieren könnte man den Hunger in der Welt ein für alle Mal besiegen. Ein einziger Tag ohne Militärausgaben würde 34 Millionen Menschen retten. Stattdessen steigen die Rüstungsausgaben schneller als je zuvor … und der Hunger mit ihnen.
Ich bin alt genug, um aus eigener Erfahrung zu wissen, dass der Krieg ein sinnloses Unterfangen ist: Er eröffnet keine Perspektiven, er löst nichts, vergiftet alles und hinterlässt die Welt immer in schlechterem Zustand als zu Beginn der Auseinandersetzungen. Eine kriminelle Unvernunft, der man heute mehr denn je die prophetische Ermahnung entgegensetzen muss, die Papst Johannes XXIII. In der Enzyklika Pacem in Terris ausgesprochen hat: Angesichts der erschreckenden Zerstörungskraft moderner Waffen und zehntausender Nuklearwaffen, die vierzig mal schlimmer sind als jene, die auf Hiroshima und Nagasaki niedergingen, wird immer deutlicher, dass die Beziehungen zwischen den Staaten nicht durch Waffen geregelt werden dürfen, sondern nach den Prinzipien der Vernunft, das heißt der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der vertieften Zusammenarbeit.“
Vielen Dank.
Horst-Peter Rauguth ist Diözesanvorsitzender pax christi im Bistum Trier.