Offene Heide

Panzer ja, FriedensreiterInnen nein?

von Ute RadermacherJörg Lauenroth
https://friedensritt.de/die-friedensritte/

FriedensreiterInnen sollen zur Geldbuße verurteilt werden, weil sie den Truppenübungsplatz Colbitz-Letzlinger Heide beritten haben.

 

Unter dem Motto "Krieg. Macht. Flucht." stand unser Friedensritt 2016, der uns rund um den Truppenübungsplatz Colbitz-Letzlinger Heide führte. In Zusammenarbeit mit der Initiative "Offene Heide" und dem Friedenscamp, was unter demselben Motto „Krieg.Macht.Flucht“ stattfand, wollten wir deutlich machen: Krieg beginnt hier - unser Widerstand auch!

Das Gefechtübungszentrum (GÜZ) in der Altmark spielt als modernster Truppenübungsplatz Europas eine entscheidende Rolle für die Kriege der Nato-Staaten: Hier wird Krieg vorbereitet und trainiert. Mitten im Truppenübungsplatz entsteht die künstliche Stadt Schnöggersburg, in der der Häuserkampf für die Auslandseinsätze der Bundeswehr geübt wird. Deutliche Hinweise auf künftige Angriffsziele sind der Sakralbau, eine Mischung aus osteuropäischer Kathedrale und Moschee, und die Fläche mit den Elendsquartieren. Der Bau einer U-Bahn-Station wirft allerdings die Frage auf, ob auch noch andere Länder im Visier der Kriegstreiber sind. Betrieben wird das Areal von der privaten Firma Rheinmetall, die diese Übungsstadt an die Bundeswehr und andere "befreundete" Armeen vermietet. Allein das ist rechtlich schon fragwürdig.

Nach zwei von Deutschland ausgehenden Weltkriegen ist in unserem Grundgesetz ein umfassendes Friedensgebot verankert worden; es sollte nie wieder ein Krieg von deutschem Boden ausgehen. Das impliziert aber logischerweise auch, dass auf deutschem Boden nicht für einen Krieg in anderen Ländern geübt werden darf. Dies ist aber eindeutig in der Colbitz-Letzlinger Heide der Fall, und so halten wir FriedensreiterInnen es auch sowohl für unser Recht wie auch unsere Pflicht als BürgerInnen dieses Landes, immer wieder öffentlich auf diese Tatsache hinzuweisen. Wir sind rund um die Colbitz-Letzlinger Heide geritten, um für eine zivile Nutzung des Geländes einzutreten. Nach mehr als sieben Jahrzehnten militärischen Missbrauchs  - erst durch die Nationalsozialisten, dann durch die Rote Armee und jetzt durch die Bundeswehr und andere Armeen - muss die Colbitz-Letzlinger Heide ein Lernort für die Versöhnung mit der Natur und für Frieden zwischen den Völkern werden. Es ist an der Zeit, dass die Menschen, die um die Colbitz-Letzlinger Heide wohnen, diese friedlich für sich und einen Touristikaufbau nutzen können.

 

Bussgeldverfahren

Was ist nun auf dem Ritt passiert, dass wir mit Bußgeldverfahren bedacht wurden?

Abgesehen von unserer öffentlich angekündigten Umrundung des Truppenübungsplatzes hatten wir in dieser Woche nur sechs öffentlichkeitswirksame Aktionen geplant:

  • eine inhaltliche Abendveranstaltung zum Truppenübungsplatz
  • ein gemeinsames Singen von Natur - und Friedensliedern im SeniorInnenheim
  • den Besuch der Gedenkstätte Isenschnibbe
  • Kundgebung und Straßentheater in Gardelegen
  • Beteiligung an der "Mitmach-Mahnwache "Kunst und Kultur und kein Krieg"
  • Demonstration auf der Heidestraße.

Aber zwischen dem Singen im SeniorInnenheim und dem Besuch der Gedenkstätte sorgte der private Wachdienst des Truppenübungsplatzes noch für eine zweistündige Blockade der Schnöggersburgbaustelle:

Auf unserem Ritt rund um den Truppenübungsplatz ritten wir einen Tag parallel zur öffentlichen Hauptstraße (die wir natürlich meiden wollten). Der Weg führte uns immer an der Grenze entlang - mal am äußeren Rand - mal am inneren Rand des Übungsplatzes. Hier trafen wir an einer Querstraße auf den Wachdienst, der uns aber nicht die wenigen Meter zur Hauptstraße reiten lassen wollte, sondern uns zwecks polizeilicher Feststellung der Personalien festhielt. Die Querstraße war, was uns allerdings erst nach einiger Zeit dämmerte, der Zugangsweg für die Baufahrzeuge für die künstliche Stadt Schnöggersburg. Da diese Querstraße schmal war, konnten die Baulaster nicht an uns vorbei und es gab einen großen Stau auf der Hauptstraße. Im Endeffekt hat der Wachdienst die eigene Baustelle ca. zwei Stunden lahmgelegt ...

Das Nachspiel für uns war, dass jede/r ein Bußgeld von 228,50€ auferlegt bekam, bzw. Jörg von 428,50€. (Vermutlich, da sie ihn für unseren "Anführer" hielten...war ja der einzige Mann... ?)

Jörg sollte am 15.9.17 um 13 Uhr in Bonn seinen Verhandlungstermin haben, wegen Erkrankung der Richterin wurde die Verhandlung aber kurzfristig abgesagt.

Wir finden ja, unsere "Grenzverletzung" steht in keinem Verhältnis zur militärischen "Grenzverletzung", die die Bundeswehr in ihren Auslandseinsätzen betreibt.

Ihr seht also unsere Friedensritte sind durchaus "nachhaltig".

Wer sich für uns interessiert - wir machen jedes Jahr einen Friedensritt in verschiedenen Gegenden. Und: Wir reiten nicht nur auf Pferden, sondern auch auf Drahteseln, und beim Tross wird auch immer jemand gebraucht! Wir freuen uns über neue Leute!

Infos unter www.friedensritt.de

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Ute Radermacher ist Mitglied der FriedensreiterInnen.
Jörg Lauenroth ist Mitglied der FriedensreiterInnen.