Zwischen Ostermarsch und Irankrieg
Meine Name ist Mai und das ist mein Bericht über das Praktikum beim Netzwerk Friedenskooperative im Jahr 2025.
Ich befinde mich gerade mitten im Bachelorstudium der Sozialwissenschaften an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Nach drei Fachsemestern wird empfohlen, sich einen Praktikumsplatz zu suchen. Das dreimonatige Pflichtpraktikum kann man innerhalb der Semesterferien in zweimal sechs Wochen einteilen. Also habe ich mich auf die Suche nach einem sechswöchigen Praktikum gemacht und bin bei meiner Recherche glücklicherweise auf das Netzwerk Friedenskooperative gestoßen.
In meiner Zeit beim Netzwerk standen vor allem die Planung und Durchführung des diesjährigen Ostermarsches an. Dabei ging es um die Ostermarschanzeige, das Verschicken von Mobi-Paketen, das Testen von Automagneten, das Erstellen von Content für Social Media und die Neugestaltung von Bikes for Peace. Diese Demonstrationsform soll in erster Linie junge Menschen ansprechen. Wir haben ein Handout kreiert, welches an verschiedene Jugendorganisationen – von Fridays for Future über die Jusos hin zu den Schulstreikteams – verschickt wurde.
Apropos Schulstreik: Dieser hat mich auch schwerpunktmäßig in meiner Praktikumszeit begleitet. Zu meinen Aufgaben zählten das Aufnehmen des Erstkontakts und die weitere Kommunikation, das Erstellen der Terminseite, sowie das Designen der Grafik der Schulstreik-Sammelseite auf unserer Internetseite. Nach viel Organisation und Arbeit aus dem Büro hatte ich die Möglichkeit für mehr Praxis: Ich konnte den 05. März auf der Schulstreikdemo in Köln verbringen. Ich habe viele neue Impressionen gesammelt und durfte Bilder machen, die schlussendlich auf der Internetseite und dem Instagram der Friedenskooperative gelandet sind.
Eine Demonstration als beobachtende und dokumentierende Person zu erleben war eine spannende neue Perspektive.
Ein weiteres Highlight war die Podiumsdiskussion in Mainz zur Landtagswahl mit dem Themenschwerpunkt „Neues atomares Wettrüsten auch in Rheinland-Pfalz?“. Vorab gab es natürlich auch wieder das ein oder andere zu organisieren. Als wird dann nach einer Autofahrt mit viel Gepäck im VW-Lupo da waren, war es eine echte Bereicherung. Wir haben Prof. Dr. Moritz Kütt mit an die Uni Mainz für einen Vortrag zu dem genannten Thema begleitet. Anschließend gab es eine aufschlussreiche Diskussionsrunde.
Atomwaffen, Risiken und Stationierungen waren mir nicht fremd, aber konkrete Bilder der Stationierung von Atombomben weltweit und in Deutschland zu sehen, über das Ausmaß einer beispielhaften Atombombe auf die Universität Mainz zu erfahren und über technische Funktionen und Neuheiten von Atombomben zu hören, hat mich sehr beeindruckt. Ich hatte nie das Gefühl evtl. „doofe“ Fragen zu fragen oder die Unwissende in einer Expert*innendiskussion zu sein. Anschließend sind wir dann – nach dem Ein- und wieder Ausladen des Lupos - in den Erbacher Hof gefahren, um dort die Podiumsdiskussion aufzubauen. Nach vielen kleineren Aufgaben und einigen scheinbar unlösbaren technischen (Liveschaltung über YouTube mit mehreren Geräten) Problemen ging es dann los. Es entwickelte sich eine wirklich interessante Diskussion mit verschiedensten Meinungen: etwa darüber, ob Atomwettrüsten sinnvoll ist oder nicht, oder auch darüber, ob junge Menschen kompetent genug sind, um Sachverhalte wie Atomwaffen zu verstehen. Am Ende der Diskussion bin ich mit fast allen Abgeordnet*innen und Besuchenden ins Gespräch mit zahlreichen neuen und teilweise stark abweichenden Perspektiven als der meinen, gekommen.
Zwischen Sadakos Kranichen, 4.000 Spendenquittungen und Rückläufen von Spendenquittungen, Musterreden, dem Ostermarsch und Atomwaffenfrei-Meetings, änderte sich die Leichtigkeit meines Praktikums in der Friedenskooperative mit dem Iran-Krieg. Natürlich kann ich nur vom jetzigen Stand sprechen und weiß nicht, wie sich die Weltlage in Wochen, Monaten oder Jahren verändern und entwickeln wird. So oder so waren Szenarien von Atomaufrüsten, Krieg um und wegen Atomwaffen plötzlich viel näher.
Für mich zumindest hat dieser Konflikt - wie auch viele andere militärische Konflikte - Ohnmacht, Sorge, ein wenig Angst, viel Wut, Ungewissheit und Ungerechtigkeit mit sich gebracht. Ich dufte diese Gedanken im Team teilen und wurde in alles rund um das Thema integriert. Mehr noch: Ich durfte Pressemitteilung mitgestalten und gegenlesen. Mir hat das geholfen ein Stück weit der Ohnmacht zu entkommen. Für mich war es genau der richtige Zeitpunkt, Mein Praktikum bei dem Netzwerk Friedenskooperative zu machen. Ich habe die Arbeit nicht mit nach Hause genommen, sondern konnte meine Sorgen von zu Hause mit zur Arbeit bringen.
Weiterhin durfte ich mich in Geduld und Ausdauer üben, aber auch in Selbstständigkeit, kreativer Arbeit, Teamwork, Content Erstellung und im Netzwerken. Ich habe die Zeit in der Friedenskooperative als sehr wertvoll wahrgenommen. Ich bedanke mich bei allen Mitarbeitenden für die aufgebrachte Zeit und Geduld, die die Betreuung einer Praktikantin mit sich bringt. Ich nehme, neben dem Ostermarsch und dem Erstellen von Excel-Tabellen, die Wichtigkeit von Friedensarbeit, die Beharrlichkeit und Beständigkeit von Prinzipien, sowie den Willen der Menschen mit, die sich seit Jahrzehnten für eine friedlichere Erde und eine rüstungskontrolliertere oder rüstungsfreie Welt einsetzen. Danke dafür!
Und nun, bewirb dich!