Buchhinweise

von Redaktion FriedensForum
Hintergrund
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Buchbesprechung: Adalbert Metzinger, „Entscheidung des Gewissens“

(Klaus Pfisterer) Der Autor und DFG-VK Mitglied Adalbert Metzinger beschreibt in dem Buch seinen beschwerlichen Weg, um in den 1970-er Jahren als Kriegsdienstverweigerer anerkannt zu werden. Er musste damals durch alle drei Instanzen: Prüfungsausschuss (3 Stunden Verhandlung), Prüfungskammer (5 Stunden Verhandlung) und Verwaltungsgericht, bis er nach 5 1/2 Jahren vom Verwaltungsgericht Freiburg endlich als Kriegsdienstverweigerer anerkannt wurde. Die Ausschussvorsitzenden waren damals z.T. noch ehemalige Nazis, und die ehrenamtlichen Beisitzer, die alleine über den Antrag entschieden, meist eingefleischte Militärbefürworter, die der Kriegsdienstverweigerung nichts abgewinnen konnten. Adalbert erlebte inquisitorische Verfahren, die damals üblich waren. Er ging unvorbereitet seinen KDV-Antrag an (mangels Beratungsmöglichkeiten vor Ort) und lernte mit jedem Verfahren dazu. Zwischendurch geht er auf die damalige politische Situation der Kriegsdienstverweigerer ein, die aufgrund geringer KDV-Zahlen fast wie ‚Aussätzige‘ behandelt wurden. In seinem Dorf war Adalbert der erste Kriegsdienstverweigerer.

Nach drei Gewissensprüfungen mit zwei Nichtanerkennungen, zwei Einberufungsbescheiden, fünf Musterungen und mehreren Zurückstellungen hatte sich Adalbert, trotz aller Tiefschläge, gegen die Bundesrepublik durchgesetzt. Das nennt man Standhaftigkeit, heute Resilienz. Zum Zivildienst wurde Adalbert im Übrigen nie eingezogen.

In seinem Buch beschreibt Metzinger das Beispiel eines inhaftierten Kriegsdienstverweigerers, der trotz KDV-Antrag zur Bundeswehr einberufen wurde, dort alle Dienste verweigerte und mit Haftstrafen belegt wurde.

Adalbert trat 1973 in die damalige DFG-IDK ein, gründete zwei KDV-Arbeitskreise in kleinen Gemeinden in Mittelbaden und beriet angehende Kriegsdienstverweigerer. Später beantragte er seine Zulassung als Rechtsbeistand für das Sachgebiet der Kriegsdienstverweigerung und war bis zur Aussetzung der Wehrpflicht im Juli 2011 aktiv. Sein friedenspolitisches Engagement endete damit jedoch nicht und geht bis heute weiter.

Das Buch von Adalbert Metzinger ist ein zeitgeschichtliches Dokument, das sowohl ältere Kriegsdienstverweigerer an ihr eigenes KDV-Verfahren erinnern und dazu animieren könnte, ebenfalls ihre KDV-Geschichte niederzuschreiben, als auch jüngere Menschen interessieren könnte. Das Buch kommt in einer Zeit, in der über die Wiedereinführung der Wehrpflicht und sogar ein verpflichtendes Dienstjahr für alle diskutiert wird.

Auch 50 Jahre nach Adalberts KDV-Antrag hat sich wenig geändert. Das eigentlich unveräußerliche Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung wird nur nach Antrag, staatlicher Prüfung und Genehmigung gestattet. Der Auftrag der DFG-VK lautet: Sich weiter dafür einzusetzen, die Gewissensprüfung endgültig abzuschaffen.

Adalbert Metzinger (2024): Entscheidung des Gewissens: Der beschwerliche Weg zur Kriegsdienstverweigerung. Norderstedt: BoD, 158 S., ISBN 978-3757827779, 8,99 Euro

Buchbesprechung: Wigbert Tocha, „Friedenstüchtig werden“

(Klappentext, ergänzt) Der Pazifismus wird ins Visier genommen: Er soll endlich kriegstüchtig werden. Alte Gewissheiten, so tönt es allenthalben, seien jetzt zu überprüfen und anzupassen: „Frieden schaffen – das geht nur mit Waffen“, diese Devise wird triumphierend verkündet und der gewaltfreie Weg als realitätsfremd abgestempelt. Der Sozialphilosoph Wigbert Tocha widerspricht deutlich und zeigt: Pazifistinnen und Pazifisten haben die besseren, die zukunftsgerechten Argumente – das gilt ganz besonders in einer Zeit, in der militärische „Verteidigung“ das Potenzial zu einer ungeheuren Eskalation hat, die das zerstört, was verteidigt werden soll.

Im Rückgriff auf eine große Tradition, zu der die Bergpredigt und die Namen Kant, Einstein und Gandhi gehören, werden Grunderkenntnisse formuliert, die hochaktuell sind. Dazu gehören die ständige Aufgabe der Entfeindung, die Einsicht, dass Krieg kein Recht schafft außer dem Recht des Stärkeren, und das empirisch nachprüfbare Faktum, dass Gewaltlosigkeit erfolgreicher ist als der Weg der Waffen. Der bellizistische Glauben an die erlösende Gewalt ist ein Aberglauben. Daraus resultieren politische Handlungsanweisungen für das 21. Jahrhundert. Am Anfang steht: Das Nein zum Krieg, zur Kriegsertüchtigung und zur militärischen Bewaffnung muss lauter sein. Dazu dient dieses Buch. Es macht deutlich: Friedenstüchtig zu werden ist der kategorische Imperativ des 21. Jahrhunderts.

Der Band enthält Interviews mit Clemens Ronnefeldt zur christlichen Fundierung von Pazifismus und Christine Schweitzer zu Sozialer Verteidigung.

Tocha, Wigbert (2026): Friedenstüchtig werden. Überredung zum Pazifismus. Marburg: Büchner-Verlag, 292 S., ISBN 978-3-96317-443-8, 26 Euro

Buchhinweis: Fabian Scheidler, „Friedenstüchtig“

(Klappentext) Seit Jahren bewegt sich die westliche Welt in Richtung eines permanenten Ausnahmezustandes. Auf jede neue Krise, auf jeden Konflikt reagiert die Politik mit drakonischen Maßnahmen und zunehmender Militarisierung. In seinem neuen Buch warnt Fabian Scheidler, dass dieser Weg in eine Spirale von ökonomischem Niedergang, politischem Chaos und Krieg führt. Grundlegende demokratische und soziale Errungenschaft en drohen einer als alternativlos dargestellten militärischen Logik geopfert zu werden. Der Wohlfahrtsstaat mutiert zum Kriegsstaat. Die westliche Welt im Ausnahmezustand: Militarisierung, Demokratieabbau und ökonomischer Niedergang. Scheidler deutet den Ausnahmezustand als Versuch, die sich zuspitzenden globalen Krisen autoritär zu beherrschen. Dabei zeigt er, wie die Feinde, die bekämpft werden sollen, zu einem großen Teil durch die Politik selbst geschaffen werden. Die Verweigerung von Diplomatie schafft Kriegsanlässe, so wie Anti-Terror-Kriege immer neue Terroristen hervorbringen. Doch der Abstieg in die selbstzerstörerische Kriegslogik ist keineswegs alternativlos.

Scheidler, Fabian (2025): Friedenstüchtig: Wie wir aufhören können, unsere Feinde selbst zu schaffen. Wien: Promedia, 225 S., ISBN 978-3853715499, 20 Euro

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