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Redebeitrag für den Antikriegstag (Stadt) am 1. September 2025 (Datum)
- (ggf.) Sperrfrist: 1. September 2025, Redebeginn: XX Uhr -
- Es gilt das gesprochene Wort -
Keinen Zwangdienst für junge Leute
Liebe Freundinnen und Freunde,
am vergangenen Mittwoch hat das Bundeskabinett den neuen Wehrdienst beschlossen und wird nun im Bundestag abgestimmt werden. Begründet wird das mit dem Personalmangel bei der Bundeswehr. Doch was hier als pragmatische Notwendigkeit dargestellt wird, ist in Wahrheit ein gefährlicher Rückschritt – ein Rückschritt in Richtung von Zwang und Militarisierung.
Fürs erste Freiwilligkeit, das ist die Position der Bundesregierung. Durch Fragebogen, die ab 2027 junge Männer ausfüllen müssen, will die Regierung die Zahl der aktiven Soldaten um 80.000 erhöhen.
Doch wie freiwillig ist ein Wehrdienst wirklich, wenn ab 2027 alle jungen Männer zur Musterung verpflichtet werden? Und wie verlässlich sind diese augenscheinlich vorsichtigen Schritte für eine Vergrößerung der Bundeswehr, wenn bereits jetzt Grundvoraussetzungen für eine Rückkehr zur Wehrpflicht formuliert werden.
Die Wehrpflicht ist ein Relikt der Vergangenheit! Sie wurde in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg eingeführt, doch 2011 aus guten Gründen unter der Regierung von Angela Merkel ausgesetzt. Diese Entscheidung war ein gesellschaftlicher Fortschritt, ein Schritt hin zu mehr Freiheit, mehr Selbstbestimmung und zu einer zivileren Gesellschaft!
Mit der Aussetzung der Wehrpflicht hat Deutschland ein klares Signal gesetzt: Wir wollen aus unserer Geschichte lernen. Nie wieder Zwangsdienst! Nie wieder ein Staat, der seine Bürgerinnen und Bürger gegen ihren Willen in den Militärdienst drängt!
Heute jedoch stehen wir erneut an einem kritischen Punkt.
Obwohl sich ein Modell, welches bislang Freiwilligkeit erlaubt, vorerst durchgesetzt hat, bleiben die Stimmungsbilder in der Regierung verschieden. Die Union verlangt verbindliche Zielvorgaben. Wenn diese nicht erreicht werden, soll die Wehrpflicht automatisch ausgelöst werden. Außenminister Johann Wadephul legte hierfür sogar zwischenzeitlich einen Ministervorbehalt ein. Von Sicherheit, dass sich junge Menschen sich nach ihrer Musterung weiterhin „freiwillig“ entscheiden können, kann also nicht zu sprechen sein.
Und selbst wenn es bei dem Fragebogen-Konzept bleibt, eines ist hier ganz deutlich: gesetzt wird auf Druck, nicht auf Überzeugung. Gebaut wird auf Pflichterfüllung statt auf Mitgestaltung. Doch echter gesellschaftlicher Zusammenhalt entsteht nicht durch Befehl – sondern durch Vertrauen, Freiheit und gemeinsame Werte.
Hinzu kommt: Die Realität innerhalb der Bundeswehr ist alarmierend. Immer wieder berichten Medien über Gewalt, Mobbing, sexuelle Übergriffe innerhalb der Truppe. Gerade Frauen sind besonders betroffen. Belästigung, Diskriminierung und ein Umfeld, das nicht ausreichend schützt – das ist die Realität in Teilen der Bundeswehr. Harte Hierarchien, mangelnde Aufarbeitung, Täterschutz sind keine Einzelfälle, sondern Ausdruck struktureller Probleme.
Und auch Rechtsextremismus bleibt ein Problem in der Bundeswehr: 2024 wurden 97 Bundeswehrangehörige entlassen, eine steigende Zahl. Vor diesem Hintergrund muss kritisch hinterfragt werden, ob junge Menschen, die sich in einer prägenden Lebensphase befinden, überhaupt in einer solchen Institution angemessen aufgehoben sind.
Deshalb fordern wir:
- Keinen Zwangsdienst für junge Menschen!
- Ein Verbot der Rekrutierung von Minderjährigen!
- Ein Werbeverbot in Schulen und sozialen Medien!
- Friedensbildung statt Kriegspropaganda in Schulen!
Bevor der Gesetztesvorschlag im Bundestag abgestimmt wird müssen wir das deutlich machen und versuchen, Einfluss zu nehmen. Denn die Antwort auf internationale Konflikte darf nicht Aufrüstung und Zwangsdienst sein. Die Antwort muss Diplomatie sein! Eine friedensorientierte Außenpolitik muss das Ziel sein, nicht eine Gesellschaft die sich militarisiert und junge Menschen in die Armee zwingt.
Deswegen sagen wir Nein zur Militarisierung unserer Gesellschaft! Und Nein zur Wiedereinführung der Wehrpflicht!
Vielen Dank.
Hinweise:
- Länge: 3.900 Zeichen (mit Leerzeichen)
- Redezeit: 4.5 Minuten
- Erstellung: LF, MS
- Stand: 28. August 2025
- Quellen