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Redebeitrag für den Antikriegstag am 1. September 2025 in Stuttgart
- Es gilt das gesprochene Wort -
Liebe Kriegsgegner*innen und Antimilitarist*innen,
wir befinden uns wieder in einer Zeit in der alle Bereiche unserer Gesellschaft materiell und ideologisch in einem rasenden Tempo wieder aufgerüstet werden. Die Bundesrepublik und ihre historischen Vorläufer waren niemals friedlich – zwei Weltkriege, die maßgeblich von ihr ausgingen, zahlreiche internationale Konflikte, die mit deutschen Waffen beliefert wurden und werden, sowie ihre Bundeswehr, die innerhalb der letzten 30 Jahre in zahlreichen Konflikten wie in Kambodscha, Somalia, Bosnien-Herzigowina, dem Kosovo und zuletzt Afghanistan ordentlich mitmischte.
Ich kenne von Kindesbeinen an nur eine Welt in der westliche Staaten sich zum sogenannten „Krieg gegen den Terrorismus“ aufrüsten: Ich bin mittlerweile 28 Jahre alt, also 1997 geboren, eine meiner Kernerinnerungen als damals fast 5-jähriges Kind ist der 11. September 2001, auch bekannt als 9/11. Über Wochen und Monate hinweg flackerten die Bilder der Flugzeuge die in das World Trade Center krachten zusammen mit Ansprachen des damaligen US-Präsident George W. Bush über die Fernsehbildschirme, so gut wie jeden Tag waren nur noch die Worte „Top-Terrorist“, „Al-Quaida“ oder Berichte über Anschläge im Radio zu hören. Es war so gut wie unmöglich sich all dem zu entziehen… Schon damals, obwohl ich so jung war wurde mir eines bewusst: die Welt ist ein gefährlicher Ort, dauerhafte Angst und Bedrohungen sind Teil des Lebens. Heute, 24 Jahre später wurde kein einziger Konflikt gelöst, ganz im Gegenteil: die Kriegs- und Krisengebiete vergrößern sich eher. Seit Beginn völkerrechtswidrigen Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine zum Beispiel, wird die „Notwendigkeit einer sicherheitspolitischen Zeitenwende“ vor allem von SPD und CDU in unser aller Köpfe gehämmert. Wir müssen Hunderte Milliarden in Abschreckung investieren an denen Firmen Rheinmetall und Co ordentlich Kohle scheffeln, wir hofieren Faschisten in Tech-Milliardär-Kostümen wie Peter Thiel, die mit ihrer Beteiligung an Rüstungs-Start Ups und Joint Ventures die Ukraine als „KI-Kriegslabor“ bezeichnen. Die Firma Palantir stellte der Ukraine ihre KI-basierte Software zu Beginn kostenlos zur Verfügung um Satellitenbilder, Open-Source-Daten und Drohnenaufnahmen zu analysieren – auch sammelt die Ukraine mit der Software Beweise für Kriegsverbrechen oder die Umsiedlung von Flüchtlingen. Was zunächst wie eine selbstlose Wohltat aus westlicher Perspektive erscheinen mag, wurde von Palantir CEO Alex Karp als Möglichkeit bezeichnet, die eigenen Fähigkeiten der Welt endlich großflächig präsentieren zu können. Krieg also Gelegenheit für die todbringenden Produkte seiner Firma zu werben, absurd hohe Profite zu erzielen und von der Technologie nachhaltig abhängig zu machen. Es geht nicht darum Menschenleben zu schützen, sondern für wirtschaftliche Interessen über möglichst viele Leichen zu gehen. In Gaza wird vor den Augen von uns allen ein Völkermord verübt, unter anderem mit Waffen des israelischen Rüstungskonzern ELBIT Systems der auch an Standorte hier ganz in der Nähe in Ulm, Koblenz und Berlin entwickeln und produzieren lässt. Nach fast 2 Jahren, Hundertausende Kriegstote und Unzählige von der Polizei niedergeprügelte Proteste später hat sich die Bundesregierung unter Merz zu einem absolut lächerlichen teilweisen Waffenembargo gegenüber Israel bewegen lassen. Mit den USA der neben Deutschland der größte Waffenexporteur mit 66% an den Israelischen Staat ist, sind wir trotzdem noch „best friends“. Ist also alles andere als ernst zu nehmen…
Was wir aber auch sehr ernst nehmen müssen ist die Wiedereinführung der Wehrpflicht nach 14 Jahren! Junge Menschen sollen wieder für die Interessen Deutschlands an der Front über den Haufen geschossen werden. Ihnen wird eingetrichtert, dass sie ihrem Land mit dem Wehrdienst oder einem anderen Zwangsdienst etwas zurückgeben würden? Was hat man ihnen und uns jungen allgemein Menschen denn gegeben? Einstürzende Schulen, überlastetes Kitapersonal, Bildungsgerechtigkeit, die sich am Geldbeutel der Reichen orientiert und ein Gesundheitssystem bei welchem man als Kassenpatient*in mindestens ein halbes Jahr auf einen Facharzttermin wartet? Wir sagen: Nein Danke! Wir sagen nein zur Rüstungsindustrie, nein zu Deutschen Interessen und nein zum Krieg!
Reza Schwarz ist aktiv bei der Informationsstelle Militarisierung Tübingen.