Friedensaktivist*innen protestierten gegen Tag der Bundeswehr

Kein ungestörter „Tag der Bundeswehr“

von Joachim Schramm
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„Die Bundeswehr steht ganz im Dienst der Bürgerinnen und Bürger Deutschlands.“ So steht es auf der Homepage der Armee zum diesjährigen Tag der Bundeswehr am 28.6.25. Nur 14 Tage nach dem neuen Veteranentag unternahm die Bundeswehr mit diesem schon gewohnten Werbetag einen weiteren Versuch, ihr Image aufzupolieren und sich als bürgernah darzustellen. 

Auch die Werbung von Nachwuchs ist eine zentrale Funktion des „Tages der Bundeswehr“. An zehn Standorten öffnete die Bundeswehr in diesem Jahr ihre Kasernentore. Das waren in der Vergangenheit schon mal mehr. In dem bevölkerungsreichsten Bundesland NRW meinte die Armee sogar, sich auf den Standort Köln-Wahn beschränken zu können: Ob die Resonanz in der Vergangenheit den Aufwand doch nicht gerechtfertigt hat oder ob die Armee so stark mit Kriegsvorbereitungen beschäftigt ist, bleibt dahingestellt. Doch an den geöffneten Standorten strömten die Massen, ehemalige Bundeswehrangehörige zeigten ihren Familien, wo sie das „Soldatenhandwerk“ gelernt haben, auch Waffenfans kamen auf ihre Kosten und vielleicht war ja auch der/die eine oder andere dabei, der/die mal schauen wollte, wofür er/sie demnächst den Gürtel enger schnallen sollen.  

Männer, Frauen, alte Leute, kleinste Kinder konnten auf dem Weg zur Besichtigung der Tötungsmaschinen beobachtet werden. Und drinnen gab es dann keine Beschränkungen mehr. Abends war in der Tageschau sehen, wie Kinder begeistert auf und in Panzerfahrzeugen herumkletterten und hinter dem Maschinengewehr liegend auf den „Feind“ zielten. Dass der Umgang von Kindern mit Handfeuerwaffen laut Bundeswehr-Dienstvorschrift untersagt ist, hatten die anleitenden Soldaten wohl „vergessen“. Was vor einigen Jahren noch einen Skandal auslöste, scheint in Zeiten der anstrebten „Kriegstüchtigkeit“ nicht mehr allzu brisant. Das „Unter 18 nie!“-Bündnis forderte angesichts dieser schockierenden Bilder Konsequenzen: „Kleinwaffen sollten nicht mehr ausgestellt werden!“

Von Seiten der Friedensbewegung wurde diese über das Land verteilte Werbeshow natürlich nicht ohne Antwort gelassen. In Jagel in Schleswig-Holstein, in Stralsund in Mecklenburg-Vorpommern, Garlstedt in Niedersachsen und Köln-Wahn in NRW waren Aktivist*innen vor Ort, um gegen den Tag der Bundeswehr zu protestieren. In Stralsund, wo es neben der Präsentation von Großschiffen der Marine und des Raketensystems „Patriot“ auch noch ein öffentliches Gelöbnis gab, antworteten die DFG-VK zusammen mit der LINKEN und der Jugendorganisation solid mit einem ganztätigen „Straßenfest für den Frieden“, mit Infomaterial, Dosenwerfen, Pflastermalen, veganem Essen. Hingucker war das aufblasbare zerbrochene Gewehr der DFG-VK. Es gab verschiedene Diskussionsrunden zu Themen wie Wehrpflicht/KDV, Auslandseinsätze, Militarisierung des Alltags, Bundeswehr in Schulen und Zivilklauseln. Prominenter Teilnehmer war der Bundestagabgeordnete der LINKEN, Dietmar Bartsch. Hier im Osten gab es übrigens am wenigsten Interesse am Tag der Bundeswehr: „Nur“ 10.000 Besucher wurden gezählt.

Am Drohnen- und Tornado-Standort Jagel nahm die DFG-VK Flensburg zusammen mit Unterstützer*innen den Tag der Bundeswehr zum Anlass, ihre nunmehr 80. Mahnwache vor den Stützpunkttoren durchzuführen. In Osterholz-Scharmbeck nahe dem Bundeswehrstandort Garlstedt, organisierte ein junges „Aktionsbündnis gegen den Tag der Bundeswehr“ eine Demo am Vorabend der Militärshow. Sie wurden vom Bremer Friedensforum und auch von der örtlichen LINKEN unterstützt. Letztere lehnten die Einladung der Bundeswehr zur Teilnahme an der Werbeshow ab und gingen lieber demonstrieren.

In Köln hatten verschiedene Gruppen zu gleich drei Aktionen aufgerufen. Ein Bündnis aus junger GEW, Landesschüler*innenvertretung und DFG-VK NRW positionierte sich mit einem Proteststand in Sichtweite der in die Kaserne strömenden Bundeswehr-Fans und forderten „Kein Werben fürs Töten und Sterben“. Auf einer Tafel wurden die Kosten für einzelne Waffensysteme den für das gleiche Geld zu lösenden Problemen an den Schulen des Landes gegenübergestellt. In einem Quiz konnte man die Geldsummen den jeweiligen Problemfelder wie kaputte Toiletten u.ä. zuordnen. Hier fand sich der*die eine oder andere Besucher*in der Bundeswehr bereit, mitzuraten und sich auf ein Gespräch einzulassen. Sonst aber überwog das Standardargument: „Ja aber der Russe“.

In den Medien kamen die Protestaktionen nur begrenzt vor. Immerhin wurde im ZDF die Aktion in Stralsund gezeigt, hinzu kamen die Aktionsankündigungen in verschiedenen Zeitungen. Aber eine kritische, journalistische Distanz zu der großen Werbeshow der Armee war nicht zu beobachten. Daher ist es umso wichtiger, dass Friedensaktivist*innen an solchen Tagen vor Ort sind, deutlich machen, dass Deutschland nicht einheitlich auf dem Weg in die Kriegstüchtigkeit ist. Sicherlich sind die Menschen, die am Tag der Bundeswehr die Kasernen besuchen, in der Regel nicht offen für eine Kritik an der Armee. Aber auch ihnen zu zeigen, dass ihre Meinung nicht die alleinige ist, ist schon von Wert!

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