Kommunale Friedensarbeit in Hannover
Die Gründung der „Mayors for Peace“ (MfP), bzw. der „‚Bürgermeister*innen für den Frieden“ 1982 und der Beitritt der Stadt Hannover zu diesem Bündnis 1983 waren Auslöser für den Zusammenschluss vieler Menschen aus den unterschiedlichsten Friedensorganisationen zum Hiroshima-Bündnis Hannover im gleichen Jahr. Auf der Website der Mayors for Peace kann Folgendes nachgelesen werden:
„Die Organisation Mayors for Peace wurde 1982 durch den Bürgermeister von Hiroshima gegründet. Aus der grundsätzlichen Überlegung heraus, dass Bürgermeisterinnen und Bürgermeister für die Sicherheit und das Leben ihrer Bürgerinnen und Bürger verantwortlich sind, versucht die Organisation Mayors for Peace durch Aktionen und Kampagnen die weltweite Verbreitung von Atomwaffen zu verhindern und deren Abschaffung zu erreichen. (…)
1991 wurden die Mayors for Peace vom Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen als Nichtregierungsorganisation registriert.
Inzwischen gehören dem Netzwerk über 8000 Städte und Gemeinden aus 166 Ländern an. In Deutschland sind über 900 Mitglieder dem Bündnis beigetreten. Die Landeshauptstadt Hannover ist eine der Vizepräsident- und Exekutivstädte des Bündnisses und Lead City für Deutschland.“ (1)
Nach mehr als 40 Jahren seit der Gründung gibt es für das Hiroshima-Bündnis immer wieder Anlässe, das Engagement für eine atomwaffenfreie Welt auf kommunaler Ebene politisch aktiv zu werden.
Die kommunalpolitische Arbeit des Hiroshima-Bündnisses wird an drei Themen im Jahresverlauf aufgezeigt: das Kirschblütenfest im April, der Flaggentag am 8. Juli und der Gedenktag zum Atombombenabwurf auf Hiroshima am 6. August.
Das Kirschblütenfest
Die langjährige Städtepartnerschaft zwischen Hannover und Hiroshima hat in der Bevölkerung ein großes Interesse an der japanischen Kultur geweckt, und die Veranstaltungen sind nicht mehr wegzudenken.
Über die Arbeit der Mayors for Peace und die kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit des Hiroshima-Bündnisses Hannover in den 1980er Jahren entwickelte sich im Rat die Überzeugung, dass Hannover einen besonderen Ort benötigt, um der Städtepartnerschaft und dem Gedenktag zum 1. Atombombenabwurf auf eine Stadt mit seinen verheerenden Auswirkungen würdig zu gestalten.
Im Dezember 1987 wurde der Hiroshima-Gedenkhain mit 50 japanischen Kirschbäumen offiziell eingeweiht. Bis 1989 wurden insgesamt 110 Bäume zum Gedenken an die 110.000 Menschen gepflanzt, die am 6. August 1945 in Hiroshima ums Leben kamen. Jeder einzelne Kirschbaum steht für jeweils 1000 Menschen, die unmittelbar bei der Explosion ums Leben kamen. Der Hain befindet sich in der Janusz-Korczak-Allee auf der Zufahrt zum Kinderkrankenhaus ‚Auf der Bult‘.
Mit diesem Hiroshima-Hain gab es nun für die drei mit Japan eng verbundenen Vereine und damit für das Hiroshima-Bündnis eine Adresse, um Aktivitäten zu platzieren. Allerdings mussten dafür einige Jahre ins Land gehen, bis 2012 der Hain zum ersten Mal zum Ausrichtungsort des Kirschblütenfestes wurde – inzwischen waren die Bäume groß und mit der Kirschblüte ein begehrtes Ausflugsziel geworden.
Das Kirschblütenfest erfährt einen immer größeres Interesse. Es wird von vielen Vereinen und Initiativen, die einen Bezug zu Japan haben, getragen. Im Vorfeld werden sie vom Kulturbüro der Stadt eingeladen, mit einem Beitrag das Fest mitzugestalten. (2026 fand es zum 25. Mal statt.) Besonderer Wert wird auf das mitgebrachte Picknick gelegt, ganz in Anlehnung an die Tradition in Japan.
Das Hiroshima-Bündnis Hannover sieht es als seine Aufgabe an, immer wieder auf die atomare Bedrohungspotential hinzuweisen. Dafür bietet auch der von der Stadt Hiroshima geschenkte Ginkgo-Baum mit seinem Gedenktafeltext einen guten Hinweis.
Der Flaggentag
Alle Kommunen, die dem Zusammenschluss der MfP angehören und über eine Flagge verfügen, zeigen am 8. Juli an ihrem Rathaus Flagge für eine atomwaffenfreie Welt.
Mit dieser Flagge wird an das Rechtsgutachten des Internationalen Gerichtshofes vom 8.7.1996 erinnert, das in diesem Jahr seinen 30. Jahrestag begeht und das damals erstmals die Atomwaffen als völkerrechtswidrig benannt hat.
Im IGH-Gutachten wird festgestellt, dass die Androhung und der Einsatz von Atomwaffen gegen die Prinzipien des humanitären Völkerrechts und damit gegen internationales Recht verstoßen. Der IGH hatte ebenfalls die völkerrechtlich verbindliche Verhandlungspflicht zur Realisierung einer vollständigen atomaren Abrüstung festgestellt.
Die weltweite Organisation der Mayors for Peace setzt sich von Anfang an für die Unterzeichnung des am 7. Juli 2017 von 122 Staaten in der UNO verabschiedeten Atomwaffenverbotsvertrages (AVV) ein. Seit dem 22. Januar 2021 hatte der AVV mit der Ratifizierung 50. Unterschrift eines Staates seine völkerrechtliche Gültigkeit erlangt.
Auf dieser Grundlage konnte das Hiroshima-Bündnis seine Arbeit entsprechend ausgestalten. Unser Engagement versucht immer, den Flaggentag mit einer guten Aktion zu begleiten. Dafür ist die folgende Aktion von 2018 ein Beispiel: Wir wollten die Auswirkungen eines Atombombenabwurfs auf Hannover in eindrucksvoll aufzeigen. Im Neuen Rathaus Hannovers sind die Entwicklung der Stadt in vier verschiedene Modellen aus verschiedenen Jahrhunderten zu betrachten. An dem Modell von 1940 von der Bombardierung der Stadt wurde der Fall eines Atombombenabwurfs veranschaulicht, in welchem Bereich der Stadt niemand überleben und alles zerstört sein würde. Entsprechend verschiedener Radien um die Stadt konnten die verschiedenen Ausmaße der Vernichtung verdeutlicht werden. Im Anschluss wurde diese abstrakte Darstellung mit einer Radtour er-fahr-bar gemacht, organisiert durch das Hiroshima-Bündnis Hannover, das Friedensbüro Hannover, dem ADFC und in Zusammenarbeit mit der Landeshauptstadt Hannover. Der dazu angefertigte, von der Stadt gedruckte Flyer sollte Menschen einladen, an dieser Radtour teilzunehmen. Begleitet wurde diese Tour mit inhaltlichen Beiträgen an denkwürdigen Orten. Zum Beispiel gab es an einer Feuerwache Ausführungen zur Unmöglichkeit, bei einem Atomwaffenangriff erforderliche Katastrophenschutzmaßnahmen einzuleiten.
Aktivitäten zum Hiroshima-Gedenktag am Atombombenabwurf
Das Hiroshima-Bündnis Hannover sieht es für sich als zentrale Aufgabe an, den 1. Atombombenabwurf auf eine Stadt in jedem Jahr auf besondere Art zu gestalten.
Da der Abwurf am 6. August um 8.15 Uhr Ortszeit erfolgte, hat sich für uns seit Jahren eine Gedenkveranstaltung am Vorabend etabliert, der sich aus der Zeitverschiebung erklären lässt. In dem städtischen Flyer zum Gedenktag und auf der Internetseite der Stadt werden alle Aktivitäten der Stadt aufgelistet – und eben auch ‚unsere’ Gedenkveranstaltung am 5.8. am Hiroshimahain. Damit wird die interessierte Öffentlichkeit informiert und es bedarf von unserer Seite keine weiteren Maßnahmen. Die Kooperation mit dem Kulturbüro der Stadt Hannover klappt diesbezüglich hervorragend.
Mit diesen Überlegungen möchte ich meinen Beitrag zur kommunalpolitischen Arbeit des Hiroshima-Bündnisses Hannover beenden. Die beschriebenen Aktivitäten verdeutlichen unsere Unterstützung für die Ausgestaltung der Städtepartnerschaft seit 40 Jahren.
Bedeutung der Mayors for Peace für unsere Friedensarbeit
Die Erwartungen der friedenspolitisch engagierten Gruppen an die bundes- und weltweite Organisation übersteigen deren Einflussmöglichkeiten. Die kommunalen Mitglieder können trotz ihrer wachsenden Anzahl aufgrund ihrer Organisationsform ‚nur‘ die wichtige Stimme der Zivilbevölkerung sein. So geschehen im Vorfeld der Plakataktion zum 80. Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima. Auf der Bundeskonferenz der Mayors for Peace am 21. März 2025 in Bonn stand die Entscheidung auf der Tagesordnung, ob sie das Plakat - initiiert vom ‚Aktionsbündnis atomwaffenfrei.jetzt’ - unterstützen und mit ihrem Logo die Organisation sichtbar würden. Es wurde beraten und positiv entschieden.
Darüber hinaus haben die MfP eher keine Möglichkeit, politischen Einfluss geltend zu machen – wie es sich aus den Gründungsstatuten ableiten ließe.
Es bleibt daher unsere Aufgabe, als NGO aktiv und friedenspolitisch sichtbar zu werden. Wir sind gefordert, unsere Möglichkeiten zu nutzen, um dem massiven Trend zur Kriegsgefahr mit einer atomaren Eskalation Etwas entgegenzusetzen.
Anmerkung
1 https://www.hannover.de/Leben-in-der-Region-Hannover/Politik/Politische…
Autorin
Heidemarie Dann ist als Diplompädagogin und Lehrerin bis 2021 berufstätig gewesen. Seit Beginn der Städtepartnerschaft zwischen Hannover und Hiroshima 1983 engagiert sie sich im Hiroshima-Bündnis Hannover“, das eng mit dem Friedensbüro Hannover e.V. zusammenarbeitet. Die Mitarbeit im Aktionsbündnis „Atomwaffen abschaffen.jetzt“ seit 2015 für das Hiroshima-Bündnis Hannover ist eine Konsequenz aus der langjährigen Arbeit.
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- Friedensbewegung