Gegen den Strom der Gewalt

Münchner Friedenskonferenz

von Matthias Linnemann
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Maria R. Feckl, Projektleiterin und Gesamtverantwortliche, hat die 24. Internationale Münchner Friedenskonferenz am 13. Februar 2026, 19.00 Uhr eröffnet. Die diesjährige Alternativveranstaltung zur Münchner Sicherheitskonferenz hat im gut gefüllten Saal des Salesianums am St.-Wolfgangs-Platz in München stattgefunden.

Während knapp drei Kilometer entfernt vom Salesianum im Hotel Bayerischer Hof in erster Linie über die weltweite gewaltsame Durchsetzung staatlicher Interessen – vor allem westlicher Länder – gesprochen wurde, lautete das Thema am Eröffnungstag der Friedenskonferenz: „I refuse!“ – Kriegsdienstverweigerung als Widerstand gegen Staat und Militär“.

Es war einer der bewegendsten Momente der Konferenz, neben der israelischen Kriegsdienstverweigerin Sofia Orr die beiden Kriegsdienstverweigerer Yan Kormilitsyn aus der Ukraine und Timofey Vaskin aus Russland einträglich auf einer kleinen Couch sitzen zu sehen. Plakativer hätte man nicht darstellen können, dass es bei Kriegen nie um die Interessen der Menschen geht, die an der Front kämpfen und schlimmstenfalls auch sterben müssen.

Der Polit-Influencer Simon David Dressler (thesimondavid) hat sehr überzeugend dargelegt, warum junge Menschen den Wehrdienst verweigern sollten: „Bist du cool oder lässt du dir von ‚deinem‘ Staat sagen, dass du auf Leute mit einem anderen Pass zu schießen hast?“

Katharina Rottmayr-Czerny hat das „Netzwerk Friedenssteuer“ vorgestellt. Die Aktivitäten dieses Netzwerks richten sich nicht grundsätzlich gegen Steuern, sondern sollen dazu führen, dass jede*r Steuerzahler*in entscheiden können soll, ob gezahlte Steuern für die Anschaffung von Rüstungsgütern verwendet werden dürfen oder nicht.

Moderiert wurde die Konferenz am Freitagabend von Dr. Kerem Schamberger („medico international“). Der musikalische Beitrag kam von Konrad Huber (Gitarre).

Die Workshops am Samstag
Die beiden Workshops am Samstagvormittag, 14.2.2026, stießen auf sehr großes Interesse. Caren Niemann hat mit dem „Theater der Unterdrückten“ ein exploratives Spiel zu Konflikt, Frieden und Sicherheit vorgestellt. Die Teilnehmenden erlebten, wie sich Machtverhältnisse im eigenen Alltag und in gesellschaftlichen Strukturen manifestieren. Die körperliche Erfahrung machte politische Zusammenhänge nicht nur verständlich, sondern auch emotional greifbar.

Parallel dazu musste der Workshop zu Rüstungsexporten aus Deutschland beinahe wegen Überfüllung geschlossen werden: Harald Hellstern von pax christi und „Aktion Hoffnung“ leitete ein interaktives Planspiel, das die komplexen Dynamiken von Rüstungsexporten erfahrbar machte. Die Teilnehmenden schlüpften in die Rollen verschiedener Akteur*innen – von der Friedensbewegung über Rüstungsproduzenten bis hin zur Regierung – und diskutierten die Positionen in einem fiktiven Entscheidungsprozess. Am Ende des Spiels sprachen sich alle Gruppen gegen den Rüstungsexport aus – ein Ergebnis, das angesichts des Rahmens einer Friedenskonferenz vielleicht wenig überraschend war, aber dennoch die Macht der Perspektivübernahme unterstrich.

Kristin Helberg: „Zeit zu reden“
Ein weiteres Highlight der Münchner Friedenskonferenz war Kristin Helberg mit dem Diskussionsformat „Zeit zu reden“ – Sanktionen und Boykotte als Mittel von Politik und Zivilgesellschaft. Fragen an Politik und Gesellschaft.

Wie können Regierungen und Zivilgesellschaften effektiv auf Unrecht, Menschenrechtsverletzungen und Völkerrechtsbrüche reagieren? Wer auf militärische Gewalt verzichten will, setzt häufig auf Sanktionen und Boykotte, um Akteure – ob staatlich oder nicht-staatlich – unter Druck zu setzen und Verhaltensänderungen zu erzwingen. Doch wie wirksam und legitim sind diese Mittel?

Ein zentraler Aspekt der Debatte war die Abgrenzung zwischen Boykott und Sanktionen. Die Teilnehmenden hinterfragten, inwieweit Sanktionen völkerrechtlich gedeckt sind, und ob sie nicht oft unter anderen Bezeichnungen verhängt werden, um politische oder rechtliche Hürden zu umgehen. Die Diskussion war stark von der aktuellen Situation in Israel und Palästina geprägt.

Zum Abschluss forderte Kristin Helberg das Podium auf, praktische Handlungsvorschläge zu formulieren. Sie selbst warnte davor, dass Völkerrechtsverstöße zunehmend als legitim wahrgenommen würden, wenn keine konsequenten Sanktionen folgten. 

Impulse der Diskutant*innen

  • Deborah Feldman rief zum Boykott von Spotify auf. 
  • Dr. Shir Hever appellierte an die Anwesenden, Forderungen israelischer und palästinensischer NGOs zu unterstützen.
  • Khaled El Mahmoud gab zu bedenken, dass Sanktionen, die auf die Etablierung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in anderen Staaten abzielen, völkerrechtswidrig seien.
  • Prof. Dr. Isabel Feichtner plädierte für eine soziale Bewegung und öffentlichen Druck gegen Rüstungsexporte bei schweren Völkerrechtsverstößen. 

Die Veranstaltung wurde musikalisch umrahmt von Johannes König (Cello) und Pedro Aguiar (Gitarre).

Friedenstüchtig werden
Der letzte Konferenztag, Sonntag, 15. Februar 2026, begann mit der Buchpräsentation des Publizisten und Autors Fabian Scheidler, der sein aktuelles Werk „Friedenstüchtig - Wie wir aufhören können, unsere Feinde selbst zu schaffen“ vorstellte. 
Das Buch setzt sich fundiert mit der wachsenden Militarisierung von Politik und Gesellschaft auseinander und hinterfragt deren Mechanismen. Scheidler deckt auf, wie Feindbilder gezielt konstruiert werden, und welche Rolle politische Akteure dabei spielen. 
Seine zentrale These: Militärische Logiken schaffen keine Sicherheit, sondern perpetuieren Gewaltspiralen. Statt eines permanenten Ausnahmezustands fordert er einen Paradigmenwechsel hin zu einer aktiven Friedenspolitik.

Scheidlers Gegenentwurf basiert auf drei Säulen: Kooperation statt Konfrontation, globale Gerechtigkeit als Grundlage für Stabilität und demokratische Kontrolle über sicherheits-politische Entscheidungen.

Damit liefert Scheidler nicht nur eine scharfe Analyse, sondern auch konkrete Ansätze für eine friedlichere Zukunft.

Die 24. Internationale Münchner Friedenskonferenz ging am Sonntagnachmittag mit dem Friedensgebet der Religionen zu Ende. Jüdinnen und Juden, Christ*innen, Muslime, Bahá’i und Buddhist*innen haben im Hansa-Haus für den Frieden gebetet. Die Veranstaltung hatte den Titel: „Mitten im Krieg den Frieden vorbereiten!“

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