11.10.2025: Auf zur Demo nach Nörvenich!

NATO-Atomkriegsmanöver „Steadfast Noon“ stoppen!

von Martin Singe
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Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird die NATO im Oktober 2025 erneut das Szenario eines Atomkriegs in Europa trainieren. Da die Atomkriegsgefahr aktuell immer stärker wächst, kann aus dem Manöver eines Tages Realität werden. Wie Europa danach aussähe, kann und mag sich niemand ausmalen. Vermutlich eine kaum bewohnbare kahlgeschlagene radioaktiv vergiftete Wüste mit Millionen von Leichen oder Halbverbrannten. Wer Atomkriegsmanöver betreibt, ist bereit, notfalls solche Folgen in Kauf zu nehmen.

Wegen dieses geplanten Atomkriegsmanövers haben Gruppen aus der Friedensbewegung einen Demonstrationsaufruf formuliert (siehe unten) und rufen zur Unterzeichnung auf, um im Vorfeld zu mobilisieren. Die Demo selbst wird am 11.10.2025 um 12 Uhr in Nörvenich stattfinden. Denn die normalerweise in Büchel stationierten Atombomber – die Tornado-Kampfjets des taktischen Luftwaffen-Geschwaders 33 – sind derzeit nach Nörvenich umgezogen. Dies gilt für den Zeitraum der aufwändigen Umbauarbeiten in Büchel.

Büchel soll fähig gemacht werden, die neuen US-Atombomber F-35, die die Bundesregierung bereits gekauft hat, und die zielgenaueren neuen Atombomben B-61-12 aufzunehmen. Die Bauarbeiten sollten erst 259 Millionen kosten, 2024 war dann von etwa 1,1 Milliarden Euro die Rede. Anfang Juli 2025 berichtet die Finanzwelt, dass die Bundesregierung inzwischen mit 2 Milliarden Euro Kosten rechne.

Das Manöver „Steadfast Noon“
Bis zum Abschluss dieser Arbeiten in Büchel sind die Tornado-Atombomber also in Nörvenich. Und von dort aus beteiligen sie sich auch in diesem Oktober wieder an dem NATO-Atomkriegsmanöver „Steadfast Noon“. Dabei üben die Pilot*innen, wie die US-Atombomben unter ihre Flugzeuge montiert werden und wie sie diese auf die – geheim – geplanten Ziele abwerfen.

Der Abwurf wird in einem Schwenk-Drehflug trainiert, um möglichst schnell vom Abwurfort wieder wegzukommen – man will ja nicht selbst die Folgen der Atombombe spüren. Bei diesem Manöver sind neben den USA alle europäischen Staaten mit nuklearer Teilhabe und weitere Unterstützungsstaaten aus Europa (SNOWCAT-Staaten; Support of Nuclear Operations with Conventional Air Tactics ) beteiligt. Ebenfalls fliegen die USA regelmäßig zu dem Manöver B-52-Langstreckenbomber nach Europa ein.

Auch Eurofighter und Patriots spielen eine Rolle
Neben den Tornados nimmt in der Regel auch das Nörvenicher Eurofighter-Geschwader am Manöver „Steadfast Noon“ teil, das über bunkerbrechende konventionelle Bomben verfügt. Auch Flugzeuge aus anderen Teilhabestaaten können in Nörvenich zum Manöver zwischenstationiert werden. 2020 waren italienische Nuklear-Jets während der Atomkriegsübung in Nörvenich „zu Gast“, wie es die Bundeswehr ausdrückte.

Während des Manövers wird mitunter auch die „Verteidigung“ der relevanten Standorte geübt. So waren z.B. 2020 für das parallel stattfindende Manöver „Resilient Guard“ Patriot-Batterien aus Norddeutschland in die Eifel verlegt worden, um die Abwehr feindlicher Angriffe auf Büchel zu trainieren. Denn Atomwaffenstandorte sind natürlich im Ernstfall die ersten Ziele gegnerischer Angriffe.

Wo in diesem Jahr der Schwerpunkt des Manövers liegen wird, ist unklar, wie überhaupt das meiste über die Atomwaffenpolitik und -praxis der NATO geheim gehalten wird. Auch die Bundesregierung gibt auf Anfragen keine Antworten. Atomkriegspolitik und Demokratie sind schon irgendwie wie Teufel und Weihwasser.

Atomwaffeneinsätze sind völkerrechtswidrige Kriegsverbrechen
Die Trägergruppen, die die Demo für den 11.10. vorbereiten, u.a. Friedensgruppe Düren, Aktionsbündnis „atomwaffenfrei jetzt“, DFG-VK NRW, Netzwerk Friedenskooperative, DFG-VK Köln, IPPNW Köln, VVN-BdA Aachen und das Antikriegsbündnis Aachen, halten eine Beteiligung Deutschlands an Atomkriegsübungen für völkerrechtswidrig. Der Nichtverbreitungsvertrag verbietet Deutschland jede Annahme von Atomwaffen – genau das wird aber bei „Steadfast Noon“ geübt. Und auch der Internationale Gerichtshof hatte ja schon 1996 Besitz und Einsatz von Atomwaffen als generell völkerrechtswidrig gebrandmarkt. Die Bundeswehr selbst hatte eine Taschenkarte für die Soldat*innen herausgegeben, in der sie jeden Einsatz von Atomwaffen verbietet. Auf der aktuellen Seite des Justizministeriums zum Völkerrecht wird ein Atomwaffeneinsatz als Kriegsverbrechen gebrandmarkt.(1) Das Atomkriegsmanöver „Steadfast Nooon“ und die Beteiligung der Bundeswehr daran bedeuten einen massiven Angriff auf das humanitäre Völkerrecht. Leider schläft die Bundesgeneralstaatsanwaltschaft wieder einmal.

Im Demo-Aufruf für den 11.10.2025 in Nörvenich werden folgende politische Forderungen erhoben:

„Wir fordern vom Deutschen Bundestag und der Bundesregierung:

  • Absage der Beteiligung der Bundeswehr am Atomkriegsmanöver „Steadfast Noon“
  • Abzug aller Atomwaffen aus Deutschland
  • Beendigung der „Nuklearen Teilhabe“ und Beitritt zum Atomwaffenverbotsvertrag
  • Stopp der geplanten Stationierung neuer US-Mittelstreckenwaffen in Deutschland“

Kommt zur Demonstration am 11. Oktober nach Nörvenich! Die Aktion startet um 12 Uhr am Kriegsflugplatz Nörvenich. Von dort ziehen wir zur Kundgebung auf dem Schlossplatz (ca. ab 13 Uhr). Es fährt wieder ein Shuttle-Bus zwischen Düren und Nörvenich, so dass der Demo-Ort über Düren gut erreichbar ist.

Der Demo-Aufruf im Wortlaut und zum Unterzeichnen findet sich hier: https://www.atomwaffenfrei.de/aufruf-unterzeichnen-nato-atomkriegsmanoev...

Anmerkung
1 https://www.bmjv.de/DE/themen/voelkerstrafrecht/kriegsverbrechen/kriegsv...

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Martin Singe ist Redakteur des FriedensForums und aktiv im Sprecher*innenteam der Kampagne "Büchel ist überall! atomwaffenfrei.jetzt".