Der Schwerpunkt des FriedensForums.
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Neue Publikationen zu Krieg und Frieden

Buchhinweise

Auernheimer, Georg (2026): Der Genozid in Palästina – Die lange Vorgeschichte, die Verantwortung des Westens und die Welt danach. Berlin: Hintergrund, 112 S., ISBN 978-3-910568-29-7, 14,80 Euro.

(Johannes Schillo) Das Buch erschien während des letzten, völkerrechtswidrigen Angriffskriegs von USA und Israel gegen den Iran. Der Autor sieht darin einen Sieg der „militärischen Logik“, der nicht nur die Region betrifft, sondern die weltpolitische Militarisierung vorantreibt: „Absolut entgrenzte Gewalt gewinnt die Oberhand“. Und dazu gehört die bemerkenswerte Reaktion – oder auch Nicht-Reaktion – der BRD, die vor allem darunter leidet, dass sie in dem aktuellen Konflikt nichts zu vermelden hat. Was nicht heißt, dass sie eine neutrale Rolle spielt oder gespielt hat. Vielmehr hat sie „den Weg in die Katastrophe geebnet“.
Diesen Weg – ausgehend vom zionistischen Staatsgründungsakt, seiner Durchsetzung und Expansion, die keinen Platz mehr für einen Palästinenserstaat lässt – schildern die ersten beiden Kapitel, die rund drei Viertel der Veröffentlichung ausmachen. Die Zukunftsaussichten und die Einordnung in die imperiale Weltordnung tragen dann die beiden Schlusskapitel nach. Die Schilderung der militärischen Konflikte, mit denen der israelische Staat im Grunde seit 1948 pausenlos seine raumgreifende Selbstbehauptung praktiziert, dürfte dabei für das deutsche Publikum einen gewissen Neuigkeitswert haben, da hierzulande alle Sympathie dem bedrohten Judenstaat gilt und das Leid der Palästinenser nur dosiert in die Medien Eingang findet.

Noch was: Von Georg Auernheimer gibt es bei Hintergrund ein neues Büchlein mit dem provokativen Titel „Der Genozid in Palästina": https://www.hintergrund.de/hintergrund-buchreihe-wissen-kompakt/

Ralf Becker / Karen Hinrichs / Heinrich Schäfer / Theodor Ziegler (2026): Wer Frieden will, muss mit dem Feind reden. – Eine ökumenische Friedensschrift, 2026. (edition pace ǀ Sonderband der Reihe). Hamburg: BoD, 128 S., ISBN: 978-3-6963-9825-5, 7,99 Euro.

(Matthias Engelke) Die im Dezember 2025 vom Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland herausgegebene Schrift, die dem Frieden gewidmet sein sollte, stieß auf erbitterten Widerstand.  Inzwischen wird dies bereits in zwei Büchern dokumentiert (Umdenkschrift I und II).  Die „Ökumenische Friedensschrift“ schlägt einen neuen Klang an. Ausgehend von Jesu Splitter/Balken-Gleichnis wird das Thema „Perspektivwechsel“ anhand des Ukrainekrieges durchkonjugiert und nach dem Eigenanteil des Westens gefragt, der zur Verschärfung dieser Krise führte. Das geschieht ohne jede Entschuldigung für Russlands Angriffskrieg und ohne Polemik gegenüber dem Versagen des Westens. Dazu gehört bemerkenswerterweise auch die Thematisierung des Einflusses der Rüstungsindustrie. Damit wird das Konzept der „Friedenslogik“, die die Denkschrift der EKD fälschlicherweise für sich in Anspruch genommen hatte, in ihrer friedensethischen Bedeutung wiedergewonnen. Was mit der EKD-Schrift verloren zu gehen drohte, soll hier gerettet werden: die christliche Friedensethik. Dabei setzt sie – wie die EKD-Schrift auch – beim Frieden als Ziel bzw. Ideal an. Damit gerät jedoch der friedenstheologische Ansatz aus den Augen. Er betont das personale Geschehen der Gegenwart Jesu in seiner Gemeinde. 

Dennoch wird in beeindruckender Weise deutlich, was in der EKD-Schrift so schmerzlich vermisst wurde: eine Perspektive, die angeregt von biblischen Inhalten, Wege für Staat und Gesellschaft aufzeigt, die sich nicht an der Vorherrschaft des Militärischen ausrichten. Dabei ist auch in dieser Schrift das Gegenüber der Kirche der Staat bzw. die Gesellschaft. Das sind sie mitnichten. Das Gegenüber der Kirche ist Gott, sofern eine Kirche und Gemeinde ihre Präsenz als stellvertretend für die gesamte Menschheit wahrnimmt: Hier treten Menschen als Geschwister Jesu für die ausschlusslose Liebe Gottes ein und bezeugen den Frieden – gegen allen Widerstand, auch den der Kirche.

Online unter: https://friedenstheologie-institut.jimdofree.com/app/download/860924076…   



Alfred Büllesbach (Hg.) (2026): „Wehrt Euch, leistet Widerstand …“. Fotos der Friedensbewegung und Anti-Atomkraft-Proteste der 1970/80er Jahre in der Bundesrepublik. morisel Verlag, 128 S., ISBN: 978-3-943915-73-0, 34 Euro. Mit 126 Abbildungen.

(Der Bildband Wehrt Euch, leistet Widerstand… versammelt mehr als 120 Fotografien der Friedensbewegung und der Anti-Atomkraft-Proteste in der Bundesrepublik der 1970/80er Jahre. Die Bilder waren Teil des Kampfes um die öffentliche Meinung und sind bis heute eindrucksvolle Zeugnisse dieser beiden großen Protestbewegungen. Alfred Büllesbach, langjähriger Geschäftsführer der Fotoagentur VISUM, hat für diesen Band Aufnahmen aus unterschiedlichen Archiven zusammengestellt und gibt zugleich Einblicke in den Fotojournalismus jener Zeit. Besonders hervorzuheben sind die gelungenen Bilder. Sie sind eindrücklich und authentisch und dokumentieren die Atmosphäre sowie die gesellschaftlichen Konflikte jener Zeit. Ein sehenswerter Bildband, der die Bedeutung von Protest und gesellschaftlichem Engagement anschaulich vor Augen führt.

Goldmann, Justus (2026): Wehrpflicht. Vertiefungsheft. Frankfurt/Main: Wochenschau Verlag, 20 S., ISSN 2190-362X, Einzelpreis 19,90 Euro (ab 8 Exemplaren 8,90 Euro).

(ms) Der Wochenschau Verlag hat ein neues Vertiefungsheft für die Sekundarstufe II „Wehrpflicht“ herausgegeben. Diese Sek-II-Reihe ist für Lehrkräfte und Schüler*innen für den Unterricht gedacht. Der Autor hat den Anspruch, „Schüler*innen in der Auseinandersetzung mit den Entwicklungen rund um das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz“ zu begleiten. Das Heft stellt kompakt auf 20 Seiten (zum stolzen Preis von 19,90 Euro) die politische und verfassungsrechtliche Entwicklung sowie die Kontroversen zum Wehrdienst-Modernisierungsgesetz dar und will zur Urteilsbildung beitragen. Für Lehrkräfte kann es die Unterrichtsvorbereitung erleichtern. Bei den Rollenvorgaben für eine „Talkshow“ hätte man sich auch eine politisch-pazifistische Position gewünscht. Sonst versucht das Heft eine ausgewogene Darstellung der Problematik zu geben.

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  • Friedensforschung