Redebeitrag für den Ostermarsch in Bielefeld am 19. April 2025

- Es gilt das gesprochene Wort –

 

Hallo, liebe Leute

Ich bin Teil der Gruppe Care Revolution und wir sind heute hier, weil wir mit euch gemeinsam den Kampf gegen Aufrüstung und Militarisierung unterstützen wollen! Als Care Gruppe setzen wir uns für eine grundlegende Veränderung der Sichtweise auf Pflege-, Sorge-, Erziehungs- und Versorgungsarbeit ein.

Wir wollen, das diese Arbeit, die die Grundlage jeglicher Gesellschaft, jedes menschlichen Miteinanders ausmacht, besser bezahlt und gesellschaftlich aufgewertet wird. Es ist eine Arbeit, die überwiegend von Frauen geleistet wird und das auch meistens noch unbezahlt. Sie schafft Kompetenzen wie Solidarität, Mitgefühl, Lernbereitschaft und Akzeptanz von Ungleichheiten.

Wir kämpfen für eine solidarische Gesellschaft, die sich um das gute Leben für alle kümmert und die gemeinwirtschaftliche Strukturen fördert und ausbaut, anstatt sie dem Neoliberalismus zu opfern.

Was haben wir als Care Gruppe mit Krieg und Aufrüstung zu tun??

Das, was eine Gesellschaft und die Menschen in ihr entwickeln lässt, ist nicht Konkurrenz, Wettbewerb und Ausgrenzung und schon gar nicht eine Ausrichtung auf Militarismus und Krieg. Kriege und Militarisierung führen zur Zementieren patriarchale Strukturen, gegen die wir als Care Gruppe kämpfen. Kriege legitimieren Ungleichheit und Gewaltverhältnisse, die zu einem großen Teil gegen die Zivilbevölkerung und da besonders gegen Frauen gerichtet sind. Aufrüstung und Krieg lassen Verhandlungsbereitschaft nachrangig werden. Sie schaffen eine Welt, die nicht mehr an Konfliktlösungen mit friedlichen Mitteln interessiert ist, sondern der Macht des Stärkeren Raum gibt. Krieg zerstört alles, was mühsam aufgebaut und geschaffen worden ist: Öffentliche Infrastrukturen, Produktionsmittel, gesellschaftlichen Reichtum und vor allem das Leben der Menschen.

Krieg und Militär gehören zu den größten Klimakillern. Egal ob in der Waffenproduktion oder im Krieg, die Natur wird zerstört, CO 2 wird freigesetzt und der Beschleunigung des Klimawandels Tor und Tür geöffnet.

All dies wollen wir verhindern und bekämpfen!

Nach dem zweiten Weltkrieg hieß es nicht umsonst: Nie wieder Krieg!!! und der Erhalt des Friedens und die Kriegsprävention waren vorrangig.

Nun soll die vormals  auf die Verteidigung beschränkte deutsche Sicherheitspolitik wieder auf den Kriegsfall ausgeweitet werden. Unter dem Szenario einer militärischen Bedrohung und einer weltpolitischen Neuordnung soll Deutschland aufgerüstet werden. Das „Mindset“ der deutschem Gesellschaft muss laut Bundeswehr auf den Kriegsfall vorbereitet werden und Zeitung und Fernsehen tun ein übriges, um uns in zahlreichen Veröffentlichungen auf Aufrüstung und Militarisierung vorzubereiten.

Und das Geld dafür wird ohne nennenswerte Widerstände zur Verfügung gestellt.

Die 500 Mrd. Euro, die vorher nicht für den dringenden Ausbau von Sozialleistungen, Schulen, Krankenhäusern, Lehrpersonal oder die Verbesserung gesundheitlicher Bereiche vorhanden waren, sind nun da, um Waffensysteme auszubauen und medizinische Infrastruktur für den Kriegsfall sicherzustellen.Unter dem Label Zivil- Militärischer Zusammenarbeit soll das deutsche Gesundheitswesen kriegstauglich gemacht werden, wobei im Ernstfall natürlich der militärischen Versorgung Vorrang gegeben wird.

Das schrittweise Eindringen von Militärischen Beratern und Befehlshabern in die Gesundheitsmedizin hat schon vor der Coronapandemie immer weiter zugenommen. Zum Beispiel hat die Berliner Charite eine engere Zusammenarbeit mit einem Bundeswehrkrankenhaus unterzeichnet, um hochinfektiöse, schwere Krankheiten in einem Simulationszentrum gemeinsam  zu behandeln. Und Universitäten sollen ihren vormals ausschließlich zivilen Forschungsbereich nun auch militärischen Interessenverbänden öffnen. Soldaten und Soldatinnen gehen in Schulen und blicken uns von Plakatwänden entgegen, um zu zeigen wie wertvoll und gesellschaftstragend ihr Beruf ist.

Gab es 1979 noch einen breiten Widerstand gegen das Gesundheitssicherungsgesetz mit Gründung des IPPNW und vieler Friedensinitiativen, so ist der augenblickliche Widerstand von Ärzt*innen und Zivilbevölkerung gegen die Etablierung militärischer Interessen eher zurückhaltend.

Dazu sagen wir entschieden:  Wir wollen keine Militarisierung ziviler Strukturen oder medizinischer Einrichtungen!!! Wir finden, das Krieg zur Durchsetzung politischer Ziele weiterhin geächtet gehört.

Weltweite Sicherheit kann nur durch den Auf- und Ausbau stabiler Sozialsysteme und durch gerechte Verteilung der Ressourcen auf dieser Welt erreicht werden. Und dazu gehören ausreichende Ernährung, Gesundheitsversorgung, Bildung und Geschlechtergerechtigkeit. Auf gar keinen Fall ist es eine Gesellschaft, die sich auf ein mögliches Kriegsszenarium vorbereitet, die die sozialen Notwendigkeiten vernachlässigt und bereit ist für eine Aufrüstung so viel Geld auszugeben. Und deshalb fordern wir: Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!

Vielen Dank!

 

Antje Lehm ist aktiv für care revolution Bielefeld.