Redebeitrag zum Flaggentag 2025 in Havixbeck am 8. Juli um 12 Uhr

 

- Sperrfrist: 08.07., Redebeginn: ca. 12 Uhr -
- Es gilt das gesprochene Wort -

 

Liebe Freundinnen und Freunde,

Warum stehen wir heute hier?

Der Bürgermeister von Hiroshima MATSUI Kazumi schrieb am 25. Juni 2025:

"Im August 1945 wurden die beiden Städte Hiroshima und Nagasaki durch zwei Atombomben in Sekundenbruchteilen in Schutt und Asche gelegt und unzählige Menschen verloren ihr Leben.

Die Hibakusha, die Überlebenden dieser schrecklichen Katastrophen, leiden bis heute unter den Nachwirkungen der Strahlung und betonen immer wieder, dass „niemand jemals wieder solche Qualen erleiden sollte“.

Nachdem die Überlebenden nun zunehmend ein hohes Alter erreichen, sind wir entschlossen, ihre Erlebnisse und ihr couragiertes Verlangen nach Frieden an die nächste Generation weiterzugeben und dieses Engagement in alle Welt zu tragen.

Ich bin überzeugt, dass eine globale Verbreitung ihrer Botschaft letztlich auch zur Realisation ihres innigsten Wunsches führen wird: der Abschaffung aller Atomwaffen.“

Um dieses Ziel zu verwirklichen, haben die Bürgermeister von Hiroshima und Nagasaki die Organisation Mayor for Peace gegründet.

8.497 Städte aus 166 Ländern und Regionen

Und dann verfolge ich die aktuelle Politik. Und verzweifle:

Warum stehen wir hier eigentlich – Jahr für Jahr… Warum?

Zahlreiche Politiker, Staatsmänner, Aktivisten, Nobelpreisträger und andere prominente Persönlichkeiten haben sich öffentlich für die Abschaffung aller Atomwaffen ausgesprochen.

1. Mikhail Gorbatschow (ehem. Präsident der Sowjetunion)

„Nuklearwaffen sollten vollständig eliminiert werden. Es gibt keine vernünftige militärische, politische oder moralische Rechtfertigung mehr für ihren Einsatz oder ihre Existenz.“
(aus zahlreichen Reden, u.a. bei der Reykjavik-Konferenz 1986 mit Ronald Reagan)

2. Ronald Reagan (ehem. US-Präsident)

„Eine Welt ohne Atomwaffen – das sollte unser Ziel sein.“
(Rede 1984, später bekräftigt in Reykjavik 1986)

3. Barack Obama (ehem. US-Präsident)

„Ich spreche als Präsident eines Landes, das Atomwaffen eingesetzt hat. Ich habe eine moralische Verantwortung zu handeln. Ich verspreche, dass ich mich dafür einsetze, dass alle Atomwaffen auf der Welt verschinden.
(Rede in Prag, 5. April 2009)

Er erhielt 2009 den Friedensnobelpreis u.a. für seine Vision einer atomwaffenfreien Welt.

4. Kofi Annan (ehem. UN-Generalsekretär)

„So lange es Atomwaffen gibt, besteht das Risiko ihrer Anwendung. Wir müssen zu ihrer vollständigen Abschaffung kommen.“

5. Ban Ki-moon (ehem. UN-Generalsekretär)

„Nukleare Abrüstung ist nicht nur ein Traum – sie ist eine Notwendigkeit.“

Er schlug einen konkreten 5-Punkte-Plan zur Abschaffung der Atomwaffen vor.

7. Willy Brandt (ehem. deutscher Bundeskanzler)

Als Vorsitzender der Stockholm-Initiative (später im Club of Rome aktiv), betonte er die Notwendigkeit zur atomaren Abrüstung im Sinne globaler Sicherheit und Entwicklung.

8. Papst Franziskus

„Atomwaffen sind unmoralisch. Nicht nur ihr Einsatz, sondern auch ihr Besitz ist zu verurteilen.“ (Rede in Hiroshima, 2019)

9. Papst Leo XIV.

Warnte vor „mächtigen und hochentwickelten Waffen“ und einer „Barbarei, die weitaus größer ist als in früheren Zeiten“.

Papst Leo XIV. ruft zu moralischer Verantwortung und Vernunft auf, insbesondere in Bezug auf den Einsatz von Atomwaffen.

Und was passiert:

Atomare Abrüstung – Nein – Das Gegenteil:

Die Welt rüstet auf wie nie zuvor. Auch atomar!

Wissenschaftler warnen: Wir standen noch nie so nah vor einem großen Atomkrieg.

Und was das bedeutet, beschreiben Wissenschaftler auch mit dramatischen Worten. Ich will und kann dies hier nicht skizzieren.

1982 schrieb das politische Magazin DER SPIEGEL: „Die Überlebenden eines Atomkrieges werden die Toten beneiden!“

Also noch einmal die Frage:
Warum stehen wir dann hier? Können wir überhaupt irgendwas ausrichten?

Ehrlich: Ich weiß es nicht. Ich bin nicht sicher. Ich glaube: Nein!
Ich bin oft mutlos. Und dann habe ich wieder Hoffnung.

Auch eine Hoffnung, die Vaclav Havel, ehemaliger Präsident der Tschechischen Republik, mal so beschrieb:

„Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.“

Also – ob es gut ausgeht, wissen wir nicht. Das steht noch dahin.

Aber wenn unsere Kinder irgendwann mal fragen und klagen:

„Mama, Papa, ihr wusstet doch alles über die Atombomben. Was habt ihr dagegen getan?“

Dann können wir – dann kann ich - wenigsten sagen:
„Alles, was in meiner Macht stand. Es tut mir sehr leid, dass das nicht reichte, um einen Krieg mit Atomwaffen zu verhindern. Es tut mir sehr leid.“

Vielen Dank.

 

Robert Hülsbusch ist aktiv bei der FI Nottutln.