Flaggentag der Bürgermeister für den Frieden

Der Flaggentag der Mayors for Peace in Bremen

von Ekkehard Lentz
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Mit dem Hissen der grün-weißen Flagge mit der Friedenstaube appellierte das weltweite Bündnis der „Mayors for Peace“ am 8. Juli an die Staaten der Welt, Atomwaffen endgültig abzuschaffen. Zum elften Mal zeigten die „Bürgermeister*innen für den Frieden“ in diesem Jahr gemeinsam Flagge und setzten sich für eine friedliche Welt ohne Atomwaffen ein. An der deutschlandweiten Aktion nahmen rund 500 Städte und Gemeinden teil, die größte dezentrale Aktion für Frieden und atomare Abrüstung in Deutschland.

Bremen hat sich bereits 1984 unter Bürgermeister Hans Koschnick (SPD) der Initiative „Mayors for Peace“ angeschlossen. Daran erinnerte der Bürgermeister von Hiroshima, Tadatoshi Akiba, in einem Brief vom 16. August 2004 an Koschnick-Nach-Nachfolger Henning Scherf (SPD): „Seit 1992 haben wir keine Reaktionen aus Bremen mehr bekommen, deshalb freuten wir uns, von den Aktivitäten des Bremer Friedensforums zu erfahren. Wir wären sehr glücklich, wenn Sie wieder in unserer Initiative aktiv werden würden. Deshalb senden wir diesen Brief durch Ekkehard Lentz an Sie und drücken damit unsere Hoffnung aus, dass wir wieder gemeinsam für atomare Abrüstung arbeiten werden.“

Obwohl Scherf-Nachfolger Jens Böhrnsen (SPD) am 1. September 2006 der Initiative persönlich beitrat, beteiligte sich die Stadt jahrelang nicht an der Flaggenaktion. Die Begründung: „Bremen ist nicht nur Kommune, sondern auch Landeshauptstadt. Es ist so, dass die Beflaggung aus protokollarischer Sicht nicht geht, weil das Rathaus Sitz der Landesregierung ist und nicht ausschließlich kommunales Rathaus“, äußerte sich die Pressestelle des Senats im Jahr 2013.

Im Jahr 2016 beteiligte sich Böhrnsen-Nachfolger Carsten Sieling (SPD) zum ersten Mal in bescheidener Weise am Flaggentag. An einem Pfeiler im Bremer Rathaus wurde die Fahne aufgehängt, nur zu sehen von Mitarbeiter*innen und Gästen. 2018 hatten aktive Menschen aus der Bremer Friedensbewegung zu einer eigenen Fotoaktion neben dem Bremer Rathaus eingeladen. Sie hissten die Fahne der Mayors for Peace auf den Speeren der gepanzerten Ritter zu Pferd am Ostportal des Alten Bremer Rathauses. Ihr Motto: „Wenn das Rathaus keine Flagge zeigt, dann müssen die Herolde ran. Herolde des Friedens fordern: Atomwaffen stoppen!“

2020 wurde zum ersten Mal die Fahne der Mayors for Peace (grün-weiß, für Bremen eine bekannte Farbgebung, denn es ist die Farbe von Werder Bremen) am mittleren Flaggenständer des Bremer Rathauses weithin sichtbar gehisst. Das Bremer Friedensforum begrüßte ausdrücklich die Beteiligung Bremens und das Engagement von Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD, seit 2019 im Amt), der sich auch mit einem kurzen Wortbeitrag auf Youtube für die atomare Abrüstung aussprach. In seiner Pressemitteilung vom 8. Juli 2022 unterstreicht der Bremer Bürgermeister: „… Mehr als 12.700 Atomwaffen bedrohen die Menschheit. Ihr Einsatz würde eine humanitäre Katastrophe bedeuten. Deshalb unterstützen die Mayors for Peace den Atomwaffenverbotsvertrag und setzen sich für den Beitritt weiterer Staaten zu dem Vertragswerk ein. Mit dem Hissen der Flagge zeigen wir auch hier in Bremen: Es darf keinen Stillstand in der nuklearen Abrüstung geben …“

Den Flaggentag zu unterstützen und sich im Bereich der Beflaggung mit zusätzlichen Informationen und Aktivitäten an die Bevölkerung zu wenden, nutzte das Bremer Friedensforum in diesem Jahr mit einer kleinen begleitenden Kundgebung vor dem Rathaus, das jetzt im dritten Jahr hintereinander beflaggt wurde.

Den Fragen von Andrea Spangenberg (LAG Frieden und Antimilitarismus in der Bremer Linkspartei) stellte sich Volkert Ohm von der IALANA. Barbara Heller vom Sprecher*innenkreis des Bremer Friedensforums betonte in ihrer Rede: „Bis zum Beginn des russischen Einmarsches in die Ukraine haben mehr als 80 Prozent der Deutschen der Forderung ‚Atomwaffen raus aus Deutschland!‘ und ‚Unterzeichnung des Atomwaffenverbotsvertrages‘ zugestimmt. Nun ist die Stimmung am Kippen. Genauso wie mit dem Durchpeitschen des 100-Milliarden-Kriegskredites nutzen die heimischen Kriegstreiber die Sorge in der Bevölkerung auch, um Stimmung für Atomwaffen zu machen. Atomwaffen machen unser Leben nicht sicherer, sondern gefährden unser Leben. Im Atomkrieg gibt es keine Sieger, kein Überleben, wer als erster schießt, stirbt als zweiter.“

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Ekkehard Lentz, * 1955, Mitbegründer und Sprecher des Bremer Friedensforums, arbeitet hauptberuflich als Erzieher in einer Wohngemeinschaft für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung. Er nahm 1979 als Friedensbewegter zum ersten Mal an einem Kirchentag in Nürnberg teil und protestierte seinerzeit wie auch bei den weiteren Kirchentagen in Hamburg und Hannover gegen die drohende Stationierung von Mittelstreckenraketen in der Bundesrepublik.