Iran-Krieg: Folgen für Weltwirtschaft und Großmächte

Der Iran-Krieg und seine Auswirkungen

von Clemens Ronnefeldt
Krisen und Kriege
Krisen und Kriege

Der aktuelle Krieg gegen den Iran hat – wie bereits der Sturz von Präsident Maduro in Venezuela zu Beginn des Jahres 2026 und die damit verbundene US-Kontrolle über die größten Erdölreserven der Erde – den wirtschaftlichen Niedergang der USA als Hintergrund.

Im Jahr 2025 lag die US-Staatsverschuldung bei mehr als 36 Billionen US-Dollar und überstieg damit die Summe aller Waren- und Dienstleistungen (BIP) der USA im gleichen Zeitraum. Die Zinsen dieser Staatsverschuldung überstiegen im Jahr 2025 mit rund einer Billion US-Dollar das gesamte gewaltige Militärbudget des Pentagons.
Das Außenhandelsbilanz-Defizit der USA lag 2025 ebenfalls bei mehr als einer Billion US-Dollar.

Die USA sind noch eine wirtschaftliche Supermacht, weil der Rest der Welt in US-Dollar zahlt. Der globale Handel läuft über das SWIFT-System, von dem sich Russland wegen Sanktionen nach 2014 schrittweise abgekoppelt hat.

Die US-Regierung kann Geld drucken, den Schuldenberg immer weiter vergrößern und Kriege führen, weil der Rest der Welt bisher dies mitträgt. Staaten, die sich zu widersetzen versuchten, zahlten einen hohen Preis. Alle Zeichen deuten darauf hin, dass diese Ausgangslage nicht mehr lange so bleiben wird.

Auf dem Weg hin zu einer multipolaren Welt
In den BRICS-Staaten – Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika, inzwischen erweitert um Ägypten, Äthiopien, Iran, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate – leben 45% der Weltbevölkerung. Ihre Summe aller Waren und Dienstleistungen (BIP) übersteigt inzwischen das der G7-Staaten.

Seit dem Jahr 2023 arbeiten die BRICS-Staaten am „Unit“ als eigener Währung. Sollte dieser in den nächsten Jahren eingeführt werden, wird der US-Dollar als weltweite Währung an Bedeutung verlieren, ebenso das SWIFT-System, mit dem US-Regierungen jahrzehntelang die internationale Wirtschaft kontrollieren konnten.

Die Folgen des israelisch-US-amerikanischen Angriffs auf Iran waren absehbar
Der pensionierte Vier-Sterne-US-General Anthony Zinni beschrieb bereits im Jahre 2009 in seinem Vortrag vor der New American Foundation in Washington die Folgen eines Angriffs auf die iranischen Atomanlagen durch folgende rhetorische Fragen:

„Nachdem ihr also Bomben auf deren Bunkeranlagen abgeworfen habt, wie geht es dann weiter? Was, wenn sie beschließen, von ihren Bunkeranlagen aus ihre mobilen Raketen abzufeuern? Was, wenn sie die in Richtung der US-Militärbasen auf der anderen Seite des Persischen Golfs lenken? Oder damit Israel angreifen oder sonst wen? Oder ihre Raketen in saudische Ölfelder lenken? ... Was, wenn sie alles raushauen, was sie haben, ihre Patrouillenboote, ihre Raketen, den Persischen Golf verminen und Öltanker versenken? Spätestens dann knallen in der Weltwirtschaft alle Sicherungen durch. (…) Meinen Freunden sage ich immer: Wenn euch Afghanistan und Irak gefallen haben, werdet ihr den Iran lieben.“ (1)

Keines der Ziele - Sturz des iranischen Regimes, vollständige Zerstörung der iranischen Atomanlagen, Kontrolle über angereicherte Uran-Vorräte im Iran – konnte erreicht werden, als Präsident Trump im Mai 2026 den Krieg für beendet erklärte.

Stattdessen konnte Iran mehr als 200 US-Militäreinrichtungen in der Region angreifen und dort erhebliche Zerstörungen anrichten. (2)

Getrieben von der israelischen Regierung entschloss sich US-Präsident Trump, der eigentlich Kriege beenden statt neue beginnen wollte, die israelischen Angriffe auf Iran mit zu unterstützen.

Die „New York Times“ zitierte Anfang Mai 2026 amerikanische Geheimdienstmitarbeiter und Militärs, nach deren Schätzungen der Iran noch immer rund 40 Prozent seiner Kampfdrohnen, mehr als 60 Prozent seiner Raketenwerfer und bis zu 70 Prozent seiner Raketen aus der Vorkriegszeit habe. (3)

Die Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin (SWP) hat unter dem Titel „Der Iran-Krieg und seine Folgen – für den Mittleren Osten, die Großmächte und die Weltwirtschaft“ eine ganze Reihe ihrer wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen aus unterschiedlicher Perspektive das Thema behandeln lassen. Nachfolgend daraus einige Ergebnisse. (4)

Zum Verhältnis zwischen Iran und USA
Trotz Schäden in dreistelliger US-Dollar-Milliardenhöhe nach zwei Monaten Krieg konnte das Regime in Teheran bisher sein oberstes Kriegsziel erreichen: den Systemerhalt.

Die Blockade der Straße von Hormus nutzte Teheran als äußerst effektive ökonomische Waffe, die vermutlich auch zukünftig Bestandteil der iranischen Politik bleiben dürfte.

Während die Regime in Irak 2003 und Libyen 2011 unter militärischem westlichem Druck kollabierten, konnte Teheran seine politische und militärische Handlungsfähigkeit sogar teilweise noch ausbauen.

Auch wenn der Unmut der iranischen Bevölkerung steigt und wegen der iranischen Angriffe auf arabische Nachbarstaaten die regionalen Beziehungen beschädigt sind: Die Führung in Teheran scheint entschlossen, den Preis weiter zu zahlen.

Der Krieg hat die Position der US-Regierung im regionalen und globalen Gefüge geschwächt und die Grenzen der US-amerikanischen Militärmacht offengelegt.

Die US-Kontrolle der Rohstoffe in der Region liegt in weiter Ferne und die US-Wirtschaft zeigte sich trotz eigener Erdölproduktion gegenüber Preissteigerungen auf den globalen Energiemärkten als stark anfällig.

In den arabischen Golfstaaten bleiben die Beziehungen zur US-Regierung vermutlich weiterhin angespannt. Saudi-Arabien hat sich nicht am Krieg beteiligt, sondern die Nähe zu Pakistan gesucht. US-Präsident Trump wurde von der Regierung in Riad unter Druck gesetzt, seine Politik bezüglich der Straße von Hormus nach nur einem Tag zu ändern.

Wenn der Konflikt – oder gar Krieg – noch länger andauert, bleiben militärische und politische Ressourcen zulasten des Wettbewerbs mit China gebunden. Allein in der ersten Kriegswoche soll Washington mehr als 800 Patriot-Raketen abgefeuert haben – mehr als eine gesamte Jahresproduktion von 650 bis 700 Stück. (5) Der Einsatz dieser teuren Patriot-Raketen erfolgte u.a. gegen relativ billige iranische Drohnen. 

Zur Rolle Libanons
Die libanesische Regierung versucht zugleich, sich aus der Umklammerung Irans zu befreien, die Hizbollah zu entwaffnen, ihre Kämpfer in die regulären libanesischen Streitkräfte zu integrieren und eine dauerhafte israelische Militärpräsenz im Südlibanon zu verhindern.

„Der von US-Präsident Trump in der Nacht vom 16. auf den 17. April 2026 auferlegte Waffenstillstand sowie erste direkte Gespräche zwischen Israel und Libanon seit Jahrzehnten bieten die Chance auf einen langfristigen Waffenstillstand, die Regelung offener Fragen im bilateralen Verhältnis und eine mögliche Normalisierung der Beziehungen“, schreibt Muriel Asseburg im SWP-Dossier und ergänzt: „Eine verhandelte Entwaffnung dürfte nur gelingen, wenn Israel sich aus dem Libanon zurückzieht und die aus dem Süden vertriebene, überwiegend schiitische Bevölkerung überzeugende Zusagen für Rückkehr, Schutz und Wiederaufbau erhält. Eine andauernde israelische Militärpräsenz im Süden, die Zerstörung von Dörfern und andauernde Vertreibungen dürften hingegen nicht nur Verhandlungen erschweren, sondern auch den Nährboden für ein Wiedererstarken der Hisbollah bieten.“

Zur Rolle Russlands
Russland rettete noch 2015 durch seine militärische Intervention in Syrien seinem Verbündeten Baschar al-Assad für einige Jahre die Macht – bis zu seinem von der Türkei mitbetriebenem Sturz. 2024 bot Moskau dem syrischen Diktator Asyl an. 
Den Angriffen auf Iran im Jahr 2026 konnte Moskau, das in der Ukraine mit seinen militärischen Fähigkeiten gebunden ist, nichts entgegenzusetzen.

„Die Trump-Administration agiert ohne jede Rücksicht auf russische Interessen in der Region: Amerikanische und israelische Bomben haben russische Objekte in Iran beschädigt. Der Krieg gefährdet wichtige russisch-iranische Infrastrukturprojekte und belastet Russlands Beziehungen zu den Golfstaaten. Moskaus vorsichtige Vermittlungsangebote wurden von allen Seiten ignoriert. Das schadet Russlands internationalem Ansehen und widerspricht dem Selbstbild des russischen Regimes als Großmacht in einer multipolaren Welt“, schreibt Sabine Fischer im SWP-Dossier und gibt andererseits auch zu bedenken: „Moskau profitiert von gestiegenen Ölpreisen, gelockerten amerikanischen Ölsanktionen und der Verschwendung von Flugabwehrraketen, die für die Ukraine überlebenswichtig sind.“

Zur Rolle Chinas
Gegenüber der US-Politik unter Präsident Trump erscheint international in weiten Teilen der Welt die Politik Pekings als rational und verlässlich. Angesichts der großen Zurückhaltung Chinas im Iran-Krieg und dem Verzicht auf eigene Vermittlungsbemühungen stellt das SWP-Dossier fest: „Die Volksrepublik spielt damit bislang nicht die Rolle, die einer Weltmacht in der Region zugeschrieben würde, und riskiert so an Profil zu verlieren.“ Und das, obwohl Iran ein wichtiger Energielieferant für China ist und vermutlich auch bleibt.

Ausblick
Der gesamten Krisenregion Westasien könnte die Umsetzung der Rede von US-Präsident Obama in Kairo im Juni 2009 aus der derzeitigen Eskalation verhelfen: „Wir kommen zusammen in einer Zeit großer Spannung zwischen den Vereinigten Staaten und Muslimen auf der ganzen Welt – einer Spannung mit Wurzeln in historischen Kräften (...). In jüngerer Zeit wurde die Spannung von einem Kolonialismus genährt, der vielen Muslimen Rechte und Chancen verwehrte, und von einem Kalten Krieg, in dem zu oft überwiegend muslimische Staaten ohne Rücksicht auf ihre eigenen Ziele wie Stellvertreter behandelt wurden. Es gibt keinen Zweifel: Die Lage des palästinensischen Volks ist untragbar. Amerika wird dem legitimen Streben der Palästinenser nach Würde, Chancen und einem eigenen Staat nicht den Rücken kehren“. (5)

Nach Ende der aktuellen Kampfhandlungen könnte eine Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit die Region Westasien in eine bessere Zukunft führen.

Nachdem Bundespräsident Steinmeier sowie der Wissenschaftliche Dienst des deutschen Bundestages den israelisch-US-amerikanischen Angriffskrieg gegen Iran als völkerrechtswidrig bezeichnet haben, ist die Entscheidung der Bundesregierung überfällig, ebenso wie die beiden NATO-Staaten Spanien und Italien der US-Regierung Überflugrechte sowie die Nutzung der US-Militärbasen in Deutschland zu untersagen.

Anmerkungen
1 Zitiert nach: Michael Lüders, Iran. Der falsche Krieg. Wie der Westen seine Zukunft verspielt. Beck-Verlag, 2012.
2 https://www.washingtonpost.com/investigations/2026/05/06/iran-us-bases-s... : „Der Iran hat weit mehr US-Militäranlagen getroffen als berichtet, wie Satellitenbilder zeigen.“
3 Siehe: https://www.morgenpost.de/politik/article411796472/irans-waffenarsenal-w...
4 https://www.swp-berlin.org/publikation/der-iran-krieg-und-seine-folgen-f...
5 https://www.nahostfrieden.ch/pdf/Text%20deutsch%20Redeo%20Praesident%20O...

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Clemens Ronnefeldt ist seit 1992 Referent für Friedensfragen beim deutschen Zweig des Internationalen Versöhnungsbundes.