125 Jahre Deutsche Friedensgesellschaft

Die Waffen nieder!

von Thomas Mickan
www.dfg-vk.de

Viele Leserinnen und Leser des FriedensForums wissen, dass sich für den Frieden einzusetzen ein ebenso erfreuliches wie mühsames Unterfangen darstellt. Ebenso zwiespältig sind Jubiläen: Sie sind einerseits Grund, die vielen Aktivitäten zu feiern, anderseits zeigen sie, dass es leider noch viel zu tun gibt. Ein guter Grund, auch nach 125 Jahren Deutsche Friedensgesellschaft (gegründet am 9. November 1892, heute: DFG-VK) zu rufen: „Die Waffen nieder!

Beginnend bei den GründerInnen der DFG, Bertha von Suttner und Alfred Herrmann Fried, durchlebte die DFG zahlreiche politische Änderungen sowohl im Inneren als auch aufgrund äußerer politischer Gegebenheiten. Doch trotz Verboten und Verfolgung findet dieses Jahr der Bundeskongress der DFG-VK zum 125. Mal am (fast) am historischen Ort der Gründung in Berlin statt. Der damalige Gründungsort am Zietenplatz – das Hotel Kaiserhof mit zum Teil unrühmlicher Geschichte – ist nach der Zerstörung im Jahr 1943 der nordkoreanischen Botschaft gewichen.

Erfolge führen zum Wandel der Aufgaben
Außerhalb der Friedensbewegung wird die DFG-VK heute insbesondere mit ihrem Engagement bei der Unterstützung zur Kriegsdienstverweigerung verbunden. So passiert es an Infoständen immer wieder, dass auf den wertvollen Dienst der DFG-VK verwiesen wird, den sie den damals Verweigerungswilligen geleistet hat. Aus Gewissensgründen (die Gründe mögen allerdings in Wahrheit vielfältiger gewesen sein) den Kriegsdienst zu verweigern, das war in meiner Generation so populär, dass die die entstandene Wehrungerechtigkeit sowie die geänderten militärischen „Bedürfnisse“ zur Aussetzung des staatlichen Zwangsdienstes führten. Trotz der neuen Herausforderungen mit einer Berufsarmee darf dieser Erfolg für die vielen jungen Menschen, denen nicht mehr das Militärische eingedrillt wird, als eine nicht zu gering zu schätzende kulturelle Errungenschaft gewertet werden, an der die Friedensbewegung als Ganze, aber auch die DFG-VK im Speziellen bedeutsam gewirkt hat.

Diese gelungene politische Auseinandersetzung führte zu einem Wandel der friedenspolitischen Problemfelder – KDV war kein Grund mehr, Mitglied in der DFG-VK zu werden. Von knapp 10.000 im Jahr 1990 ging die Zahl der Mitglieder der DFG-VK auf heute rund 3.500 zurück. Doch spätestens 2016 war das Jahr, in dem die kontinuierliche Arbeit an neu aufgestellten Themenfeldern wie Waffenproduktion und -handel, Antirekrutierung und der Kampf gegen Atomwaffen, um die drei Wichtigsten zu nennen, die Mitgliederstagnation in ein tatsächliches Mitgliederplus verwandelte. Das hängt auch damit zusammen, dass die Bundeswehr wieder massiv um 30.000 SoldatInnen auf 200.000 aufgestockt werden soll und der Verteidigungshaushalt von 34 auf 37 Milliarden Euro im Jahr 2017 angewachsen ist. Mittelfristig sind sogar 70 Milliarden Euro Militärausgaben pro Jahr („2%“) im Gespräch. Bis 2030 sind zudem allein Rüstungsinvestitionen von 130 Milliarden Euro geplant, und 2016 wurden allein 1.907 Minderjährige durch die Bundeswehr rekrutiert.

Für das Jubiläumsjahr wurde in der DFG-VK ein Organizing-Ansatz u.a. für die Generationenfrage gewählt. Es fanden bisher zwei hoffnungsvolle U-35 Treffen statt. Die Zahlen jüngerer Mitglieder waren bisher eher ernüchternd: Rund 5 Prozent sind unter 35 Jahre alt. Erfreulich ist jedoch, dass der Anteil von Frauen in der Altersgruppe hier fast doppelt so hoch ist wie in der restlichen Mitgliedschaft (U-35: 28 %; Ü-35: 16%). Noch ein wenig freundlicher gestalten sich die Neueintritte (altersunabhängig) zwischen 2007-2016; hier liegt der Frauenanteil bei 33% (vielen Dank an Lena Sachs für diese Zahlen). Zudem muss bedacht werden, dass die Generation des Babybooms sich aktiv auf dem Weg in die Rente befindet und ggf. neue Betätigungsfelder nach dem Berufsalltag sucht. Eine Fixierung auf Jüngere reicht daher in der Generationenfrage nicht aus, sondern es geht um erfahrungs-, altersspezifische und altersangemessene Förderung von Beteiligungsmöglichkeiten im Verein, verbunden mit einem Generationendialog. Die DFG-VK ist hier auf einem guten Weg.

Drei große Meilensteine – Macht mit!
Es zeichnen sich wichtige Meilensteine für die Bewegung, aber auch für die Arbeit der DFG-VK ab, an denen mittelfristig friedenspolitische Weichen gestellt werden können: Erstens könnte 2018 das Jahr sein, in dem die Bundesregierung endlich das Verbot der Rekrutierung von Minderjährigen bei der Bundeswehr beschließt. Zweitens wird während der Wahlen, aber auch danach, mit einem großen Höhepunkt im Mai 2018 – dem Marathon „Frieden geht!“ – das Thema Waffenhandel zum echten Politikum. Schließlich drittens stellt das neue Vertragswerk zur Ächtung von Atomwaffen ein politisches Schwergewicht da, um genügend politischen Druck weiterentwickeln zu können, die nukleare Teilhabe der Bundeswehr in Büchel zum Ende zu bringen. Für all das braucht es weitere Kraft, Aktive und FörderInnen, die als Zeichen des Aufbruchs auch in der DFG-VK rufen: Die Waffen nieder!

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Thomas Mickan arbeitet bei der Informationsstelle Militarisierung in Tübingen und ist einer der vielen MitarbeiterInnen in der Drohnen-Kampagne.